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"Ich kann noch gar nicht begreifen, dass ich jetzt Zweiter der Tour bin!"
(Gerolsteiner-Profi Bernhard Kohl nach der 15. Tour-Etappe)
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24.05.2001 -
Potenza (dpa) - Die harte Lehre machte er wie Jan Ullrich und Erik Zabel auf der Kinder- und Jugendsportschule der DDR durch. Das Profi-Examen legte Danilo Hondo beim 84. Giro d`Italia mit seinen beiden Etappensiegen in Lucera und Potenza ab.
Der Lausitzer mit dem italienischen Vornamen beginnt die einheimische Sprinter-Konkurrenz enorm zu verwirren. Besonders den Platzhirsch Mario Cipollini, der bisher nur durch seinen extravaganten Ganz-Körper-Rennanzug beim Prolog herausstach. Die Fans küssen ihn, die Landespresse lobt ihn. Die «Gazzetta dello Sport» sah den 27-jährigen «im Schatten von Erik Zabel». In den Giro-Annalen folgte er einem anderen großen Sprinter. Der vor dem Karrierende stehende Marcel Wüst hatte 1997 als letzter deutscher Profi eine Giro-Etappe gewonnen.
Eine Woche vor dem Start der Italien-Rundfahrt hatte Hondo, 1994 mit dem Bahnvierer Weltmeister, bei der Schlussetappe der Tour de Romandie in Genf gegen «Super-Mario» noch den Kürzeren gezogen. Bei dessen Heimspiel wies Hondo Cipollini bei den schwierigen Ankünften in Lucera und Potenza die Ränge 18 und 27 zu. Der Geschlagene, mit 30 Giro-Etappensiegen Nummer drei der Ewigen-Bestenliste, attackierte die Veranstalter. Das Profil der Zieleinfahrten durch schmale, kurvenreiche und ansteigende Straßen sei unverantwortlich und sogar lebensgefährlich. «Vielleicht ist er ein bisschen sauer, dass es bei ihm noch nicht so läuft», kommentierte Hondo die Kritik.
Das Profi-Einmaleins hatte Hondo nach den Olympischen Spielen von Atlanta beim Team Agro-Adler erlernt. Etappensiege bei der Friedensfahrt waren das höchste der Gefühle. 1999 wechselte er zu Telekom und war in der Anfangsphase in einem ähnlichen Tief wie zurzeit Doppel-Olympiasieger Robert Bartko: «Alles war viel schwerer als gedacht». Am Ende seiner ersten harten Saison bei Telekom hatte Hondo ein Angebot von Cipollinis Saeco-Team, nachdem Gian-Matteo Fagnini als Zabel-Helfer gekommen war. Aber der junge Familienvater blieb, was er spätestens jetzt nicht mehr bereut. Zumal er für die anstehenden Vertragverhandlungen bei Telekom beste Argumente gesammelt hat.
Mit dem Weltcupsieger Zabel will sich Hondo noch nicht messen, obwohl gewisse Verlagerungen der Kompetenzen im nächsten Jahr denkbar wären, wenn seine Entwicklung so rasant voranschreitet. Vielleicht kommt es schon 2002 bei Tour zu einer Art Ablösung wie zwischen Olaf Ludwig und Zabel 1995. «Ich bin nicht der neue Zabel, aber die Mannschaft gibt mir die Möglichkeit, mich zu entwickeln», sagte Hondo, seit Dienstag auch im Besitz des Trikots des Punktbesten. Ludwig ist von Hondo (26 Siege als Profi) begeistert: «Durch diese Siege ist bei ihm eine Art Blockade gebrochen. Er hat gemerkt: Ich kann sie alle schlagen. Diese Saison sollte entscheidend sein, weil er im dritten Jahr bei uns beweisen musste, wohin die Reise für ihn geht. Er hat die Chance genutzt.»
Die Verantwortlichkeiten in Sachen Sprint riss Hondo im Team bei seinem Giro-Debüt blitzschnell an sich. Bei der ersten von drei Bergankünften sparte er am Mittwoch Kräfte, fast 12 Minuten Rückstand zum Namensvetter und Tagessieger Danilo di Luca spielten keine Rolle. Von dem Cottbuser, der für Temperamentsausbrüche auch im Jubel («Soll ich jetzt durchdrehen?») nicht zu haben ist, ist bei diesem Giro noch mehr zu erwarten. Teamchef Rudy Pevenage hofft: «Da kommt noch mehr.»
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