Nach dem Fall Sagan

Jury-Chef der Tour fordert Video-Beweis für Sprints


Zielsprint der 4. Tour-Etappe | Foto: Cor Vos

28.07.2017  |  (rsn) - Philippe Mariën, Chef der Jury der Tour de France, die Peter Sagan nach der 4. Etappe in einer heftig kritisierten Entscheidung wegen dessen vermeintlichem Ellbogencheck gegen Mark Cavendish (Dimension Data) vom Rennen ausgeschlossen hat, fordert einen Videobeweis, um künftig mögliche Fehlurteile zu vermeiden. Derzeit begleiten die Jury-Mitglieder das Rennen in Autos oder sind vor Ort auch noch mit anderen Aufgaben betraut.

"Es muss einen Video-Referee geben, ähnlich wie im Fußball, der während des Sprints vor dem TV sitzt und sich nur darauf konzentriert. Dann können wir sofort entscheiden und müssen nicht später nach den Bildern schauen“, sagte der Belgier im Gespräch mit der Zeitung Het Nieuwsblad.

Dabei bestritt Mariën auch, dass die Kommissäre eine zunächst erfolgte Zurückstufung des Weltmeisters später in eine Disqualifikation umgewandelt hätten. "Die Jury hatte das nur privat als eine Möglichkeit besprochen. Es (die Relegation) wurde nie bekannt gegeben. Wir haben nur eine Entscheidung getroffen“, betonte Mariën, der bei der 104. Tour de France zum zweiten Mal nach 2011 Chef der Jury war. Mittlerweile habe ihm der Radsportweltverband UCI versprochen, an einer besseren Lösung zu arbeiten, fügte er an.

Sagans Bora-hansgrohe-Team hatte gegen den Ausschluss des Slowaken sofort beim Internationalen Sportgerichtshof CAS Einspruch eingelegt, war einige Tage später damit aber gescheitert. Sagan selbst hatte die Entscheidung akzeptiert, sie aber als Fehler bezeichnet und sich aber darüber beklagt, dass ihm nicht die Möglichkeit eingeräumt worden sei, seine Version des Zwischenfalls zu schildern.

Tatsächlich ließen später veröffentlichte Videos auch eine andere Interpretation des Geschehens zu: dass nämlich Cavendish im Sprint sich gegen Sagan lehnte, daraufhin das Gleichgewicht verlor und schon stürzte, ehe sein Kontrahent seinen Ellbogen ausfuhr - was zudem als Abwehrreaktion gewertet werden könnte.

Nach der Entscheidung kochten die Emotionen vor allem im Internet hoch, Mariën berichtete, dass er in seiner Zeit als Offizieller der UCI Vergleichbares noch nicht erlebt habe. "Ich erhielt eine Nachricht von einem guten Freund, der mir sagte 'Schau Dir kein TV an, lies keine Emails, Facebook oder Twitter‘. Ich habe Emails aus der ganzen Welt erhalten. Was auch immer wir beschlossen hätten, es wäre nie gut gewesen“, sagte der 52-Jährige, der bisher auch schon Jury-Chef des Giro d’Italia und als Offizieller bei zwei Olympischen Spielen dabei gewesen war.


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