ARD, France 2 und Corriere della Sera beweisen:

Der Laptop-Test gegen Motordoping hat große Schwächen

Von Joachim Logisch

Foto zu dem Text "Der Laptop-Test gegen Motordoping hat große Schwächen"
Motordoping-Kontrolle bei der Tour de France 2016 | Foto: Cor Vos

06.09.2017  |  (rsn) - Und es dreht sich noch... - ein kurioses Video der Vuelta 2014 machte die Radsportfans damals neugierig. Nach einem Sturz drehte sich das Hinterrad von Ryder Hesjedal weiter, obwohl es auf dem Boden lag. Ein Hinweis auf Motordoping?

Nicht nur deshalb intensivierte die UCI seitdem die Suche nach versteckten Motoren. Allein bei der vergangenen Tour de France wurden 4000 Tests mit einem Spezial-Laptop durchgeführt. Ohne einen Fund. Weil der Test nichts taugt?

Ein Bericht der ARD-Sportschau lässt diesen Schluss zu. Gleichzeitig erhebt der Sender den Vorwurf, der Radsport-Weltverband versuche nicht alles, um Motordoping zu verhindern. Als Kronzeuge dient der ungarischer Ingenieur, Fahrradhändler und Ex-Radprofi Istvan Varjas.

In einer gemeinsamen Recherche mit dem französischen TV-Sender France 2 und der italienischen Zeitung Corriere della Sera fand die ARD heraus, dass die Laptop-Nachweise wohl längst nicht so effektiv sind, wie von der UCI behauptet. Der Verband geht von einer hundertprozentigen Sicherheit aus. Die Tablets hätten sich "sowohl in der Theorie als auch der Praxis als sehr effektiv erwiesen", behauptete Mark Barfield, der Technik-Manager der UCI schon 2016.

Die neuesten Recherchen brachten die UCI nicht zum Umdenken. Weil die Experten, die die Tablets in dem TV-Bericht untersuchten, "kein Training" erhalten hätten. Die Frage, warum außerdem nicht auch nach neueren Technologien gesucht werde, wurde von der UCI nicht beantwortet.

Denn die gibt es! Istvan Varjas: "Es gibt alles im Angebot. 40 Watt für 30 Minuten, bis zu 450 Watt, egal. Jede Batteriestärke. Es ist nur eine Frage des Geldes", behauptete der Ungar, der in Südfrankreich lebt, in der Sendung. Sogar ein Hinterrad, das ohne Motor nur mit elektrischen Impulsen für Vortrieb sorgt, stellte er in der Sendung vor.

Die Sportschau beauftragte das renommierte Frauenhofer-Institut in Saarbrücken, die Wirksamkeit der Tablets zu untersuchen, die verbotene Hilfsmotoren mithilfe eines elektromagnetischen Feldes aufspüren sollen. Bei Motoren schlug die Anzeige aus, aber ebenso auch bei anderen Metallteilen wie beim Zahnkranz, Kurbel und Schrauben etc. Fazit: Der Kontrolleur brauche eine große Erfahrung, um die verbotenen Bauteile zu erkennen zu können. "Das Tablet funktioniert so weit. Aber der gesamte Untersuchungsvorgang müsste optimiert werden", fordert Prof. Bernd Valeske vom Frauenhofer-Institut.

Mit den Ergebnissen konfrontiert, sagte David Lappartient, der Präsident des Europäischen Radsportverbandes: "Der Dopingverdacht darf nicht zurückkehren, weil die Kontrollen nicht funktionieren. Die Untersuchung in den USA behauptet, dass das Tablet zu einhundert Prozent funktioniert. Das ist einfach falsch, das zeigen ihre Untersuchungen."

Bisher wurde auch nur eine Athletin überführt. Und zwar 2016 bei den Radcross-Weltmeisterschafte die Belgierin Femke Van den Driessche, in deren Bike ein verbotener Hilfsmotor gefunden wurde.

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