Nach Alaphilippes Attacke am Lachshügel

Sagan: "Ich habe nicht mehr an den Titel gedacht"


Peter Sagan präsentiert die Goldmedaille und sein Regenbogentrikot. | Foto: Cor Vos

25.09.2017  |  Bergen (dpa) - Peter Sagan setzte sein freches Grinsen auf und schickte nach seinem historischen Hattrick einen Gruß an die Organisatoren der Tour de France. “Es hat manchmal auch seine guten Seiten, wenn einem etwas Schlechtes passiert“, sagte der Slowake mit Blick auf die Disqualifikation bei der Frankreich-Rundfahrt im Sommer.

Womöglich war es der unfreiwillige Urlaub, der ihm die nötigen Reserven sicherte, um mit wenigen Zentimetern vor Lokalheld Alexander Kristoff und dem Australier Michael Matthews bei der Straßen-WM im norwegischen Bergen zum dritten Mal in Serie die Goldmedaille zu holen.

Noch Anfang Juli war Sagan von der Tour-Jury nach einer Karambolage mit Mark Cavendish von der Frankreich-Rundfahrt ausgeschlossen worden. Eine zu harte Entscheidung, wie sogar viele seiner Rivalen empfanden. Der Weltmeister nutzte die gewonnene Zeit und startete ein neues Aufbauprogramm für seinen zweiten Saisonhöhepunkt. "Die Tour war nicht in meinem Kopf. Ich war hier, weil es die WM ist und ich schon zwei Mal gewonnen habe“, meinte Sagan auf der Pressekonferenz nach seinem erneuten Triumph. Den hatte er zwischenzeitlich schon gar nicht mehr für möglich gehalten, als nämlich Julian Alaphilippe und Gianni Moscon bei der letzten Überquerung des Salmon Hill attackierten und sich einen kleinen Vorsprung herausfuhren.

"Ich habe von hinten zusehen müssen und dachte dann schon, dass wir nur noch um den dritten, vierten oder fünften Platz fahren und habe nicht mehr an den Titel gedacht. Wir haben Alaphilippe erst auf dem letzten Kilometer eingeholt und danach ging es in den Sprint“, berichtete der alte und neue Champion, der nach seinem Tour-Ausschluss im August erfolgreich zu den Rennen zurückgekehrt war.

Sagan feierte zwei Etappensiege bei der Polen-Rundfahrt und der BinckBank Tour und gewann den GP de Québec. Nach den beiden WorldTour-Rennen in Kanada zog sich der zweimalige Weltmeister allerdings eine fiebrige Erkältung zu und verzichtete auf das Teamzeitfahren zum Auftakt der Titelkämpfe. Er sei nicht in Bestform, sagte Sagan deshalb vor dem Straßenrennen. Davon konnte aber zumindest im Sprintfinale nicht die Rede sein, wie er mit Titel Nummer drei bewies.

"Ich weiß nicht, ob es die Welt verändert, aber für mich ist es schön“, scherzte der 27-Jährige und stieg vor der Weltpresse einmal mehr zum Entertainer auf. Einen Fragesteller hatte er kurzerhand wegen dessen Bart als Bradley Wiggins ausgemacht. Ernst wurde Sagan nur, als es um den im Frühjahr tödlich verunglückten Radprofi Michele Scarponi ging. Dem Italiener, der am Montag 38 Jahre alt geworden wäre, widmete er den Sieg. "Er war immer lustig, immer positiv. Ich hatte eine gute Zeit mit ihm“, betonte Sagan.

Derart tragische Vorfälle sind vielleicht auch der Grund, warum Sagan keine langfristigen Pläne hegt. "Ich lebe von Tag zu Tag. Man weiß nie, was morgen passiert“, sagt der Mann aus Zilina. Eines weiß er aber doch: Ein Rennen will er in diesem Jahr nicht mehr bestreiten, darauf kann sich sein deutsches Team Bora-hansgrohe schon einmal einstellen. Schließlich ist seine Frau Katarina im achten Monat schwanger. Das werde sein Leben verändert, fügte Sagan hinzu.

Längst hat er in den Radsport-Geschichtsbüchern einen festen Platz eingenommen. Gestern aber schlug Sagan ein neues Kapitel auf. Nur vier Fahrer (Eddy Merckx, Alfredo Binda, Rik van Steenbergen und Oscar Freire) hatten zuvor auch drei WM-Titel einfahren können, in drei aufeinanderfolgenden Jahren schaffte das Kunststück aber keiner. Für den deutschen Youngster Rick Zabel ist Sagan "eine Legende", Simon Geschke sieht den Exzentriker "in einer eigenen Liga" fahren. Im ganzen Rennen hatte sich Sagan nicht an der Spitze gezeigt, das Pokerspiel ging auf der Zielgeraden auf.

Damit wird das Regenbogentrikot auch im nächsten Jahr beim Bora-hansgrohe-Teams zu sehen sein. Dafür hat der Rennstall auch Material und Personal dem slowakischen Team zur Verfügung gestellt. 2018 dürfte Sagan dann aber den WM-Thron räumen müssen - es sei denn, er mutiert zum Bergfahrer. In Innsbruck 2018 wartet ein  extrem schwerer Kurs auf die Fahrer. "Das ist doch gut für mich. Dann kann ich länger Urlaub machen", witzelte Sagan und verabschiedete sich zur nächsten WM-Party.

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