Nur noch achtköpfige Teams, neues Bonussystem

105. Tour de France: Kurz und dynamisch, nichts für Zeitfahrer

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Tour-Direktor Christian Prudhomme stellt die Strecke der 105. Auflage vor. | Foto: Cor Vos

17.10.2017  |  Paris (dpa/rsn) - Einem der Sprinter winkt zum Grand Départ in der Vendée das Gelbe Trikot, vor Chris Froome dagegen liegt bis zu einem möglichen fünften Gesamtsieg ein beschwerlicher Weg mit vielen Unwägbarkeiten.

Die 105. Tour de France gehört mit ihren 3329 Kilometern zwar zu den kürzesten der vergangenen beiden Jahrzehnte, eine Spazierfahrt wird sie für den Titelverteidiger aus Großbritannien aber keineswegs. Knifflige Abschnitte wie die nur bei Ebbe zu befahrende Passage du Gois gleich zum Auftakt oder die vom Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix bekannten Kopfsteinpflaster-Passagen, aber auch legendäre Anstiege nach Alpe d'Huez, über den Tourmalet oder den Aubisque sowie ein schweres Einzelzeitfahren am vorletzten Tag dürften über den Gesamtsieg entscheiden.

So hielt sich bei Froome mit Blick auf das Streckenprofil die Freude in Grenzen. Insbesondere die 9. Etappe mit ihren 21,7 Kilometern über das gefürchtete Kopfsteinpflaster dürfte ihn kaum begeistern. "Vielleicht sollte ich Paris-Roubaix als Vorbereitung auf die Tour fahren“, meinte der Sky-Kapitän am Dienstag bei der Streckenpräsentation im Palais des Congrès in Paris. Dabei dürfte ihm die Kopfsteinpflaster-Etappe von 2014 noch in unschöner Erinnerung sein, als er nach Stürzen die Rundfahrt beenden musste.

2018 will der mittlerweile 32-Jährige zum fünften Mal die Tour gewinnen und damit zum elitären Kreis der Rekordgewinner Jacques Anquetil (Frankreich), Eddy Merckx (Belgien), Bernard Hinault (Frankreich) und Miguel Indurain (Spanien) vorstoßen.

"Kürzer, kleiner, dynamischer“ lautet das Motto der Organisatoren: Mit nur 65 Kilometern etwa wartet das kürzeste Teilstück durch die Pyrenäen von Bagnères-de-Luchon zum Col de Portet auf - 38 davon führen bergauf -, dazu wird das Peloton, auf 176 Fahrer reduziert, da die Teams aus nur noch je acht Fahrern bestehen werden. "Wir wollten vor allem die Etappenvielfalt betonen und die Strecken in den Vordergrund stellen, die entscheidend sein können. Dazu legendäre Berge mit brandneuen Anstiegen kombinieren und ultradynamische Formate einbinden, um eine Vision vom modernem Radsport zu bieten“, betonte Tour-Direktor Christian Prudhomme in der französischen Hauptstadt.

Die 21 Etappen teilen sich in acht Flachetappen, fünf wellige Teilstücke, sechs Bergetappen mit drei Bergankünften im Hochgebirge sowie je ein Einzelzeitfahren und ein Mannschaftszeitfahren auf. Im kommenden Jahr stehen 25 klassifizierte Berge im Streckenprofil, zwei mehr als bei der diesjährigen Ausgabe.

Die Tour findet diesmal vom 7. bis 29. Juli und wegen der Fußball-Weltmeisterschaft eine Woche später als ursprünglich geplant statt. Ein Jahr nach dem Auftakt in Düsseldorf erfolgt 2018 der Grand Départ auf der Atlantikinsel Noirmoutier-en-l’Île in der Vendée im französischen Westen. Und im Gegensatz zum Vorjahr beginnt die Tour diesmal nicht mit einem Einzelzeitfahren, sondern mit einer 195 Kilometer langen Flachetappe nach Fontenay-le-Comte. Dabei könnte Marcel Kittel, der in diesem Jahr mit fünf Siegen die Sprints beherrscht hatte, zum dritten Mal nach 2013 und 2014 ins Gelbe Trikot fahren.

Nach dem Grand Départ verläuft die Tour in nördlicher Richtung in die Bretagne, wo unter anderem auf der 6. Etappe die berüchtigte Mûr-de-Bretagne wartet. Zusammen mit den Kopfsteinpflaster-Sektoren von Roubaix fordert die Strecke die Favoriten also bereits am Ende der ersten Woche heraus.

Kittels zukünftigem Katusha-Alpecin-Teamkollegen Tony Martin dürfte die Strecke nicht nur wegen des fehlenden Auftakt-Zeitfahrens weniger gefallen. Für die Spezialisten im Kampf gegen die Uhr ist nur ein Mannschaftszeitfahren über 35 Kilometer sowie ein bergiges Einzelzeitfahren über 31 Kilometer auf der 20. Etappe durch das französische Baskenland vorgesehen. Damit verknüpfen die Organisatoren offenbar die Hoffnung auf den ersten französischen Triumph seit 1985, als Bernard Hinault seinen letzten von fünf Gesamtsiegen feierte. Das Gelbe Trikot holen soll Romain Bardet (Ag2R), dessen große Schwäche das Zeitfahren ist. Von 15 Kilometern abgesehen, die das Feld auf spanischem Terrain absolviert, wird die Tour de France 2018 komplett auf französischen Straßen ausgetragen.

Die Bergetappen haben es trotz oder gerade wegen ihrer Kürze in sich. Bereits in den Alpen warten zwei schwere Bergankünfte in La Rosière und Alpe d'Huez. Für Aufsehen wird aber auch das Plateau des Glières sorgen (10. Etappe), da dort zwei Kilometer unbefestigter Straßen absolviert werden müssen. Zur Sache geht es auch in den Pyrenäen, wenn etwa auf der 19. Etappe die Bergriesen Aspin, Tourmalet und Aubisque zu bewältigen sind. "Es sind viele Berge im Programm. Das mag ich“, sagte Kletterspezialist Nairo Quintana (Movistar), der endlich als erster Kolumbianer die Tour gewinnen will.

Eine Neuerung im Programm ist zudem, dass auf den ersten neun Etappen unterwegs 3, 2 und 1 Bonussekunde vergeben werden.

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