Vorgestellt: die 18 WorldTour-Mannschaften

Bahrain-Merida: Wieder eine One-Man-Show durch Nibali?

Von Daniel Brickwedde

Foto zu dem Text "Bahrain-Merida: Wieder eine One-Man-Show durch Nibali?"
Bahrain-Merida setzt auch 2018 wieder auf Vincenzo Nibali (u. re.) | Foto: Cor Vos

22.01.2018  |  (rsn) - Radsport News stellt die 18 WorldTour-Teams vor, die bei der 20. Tour Down Under in die Saison eingestiegen sind. Das Bahrain-Merida-Team
hat sich für die zweite Saison seines Bestehens weiter verstärkt. Doch auch 2018 wird die Mannschaft ganz auf den Italiener Vincenzo Nibali ausgerichtet sein, der in diesem Jahr zugunsten der Tour de France auf den Giro d'Italia verzichten wird.

Bahrain-Merida

Rückblick 2017: Zwei Podestplätze bei den großen Landesrundfahrten und der Sieg beim Radsport-Monument Il Lombardia: Gewiss, die Debütsaison von Bahrain-Merida war ein Erfolg. Allerdings trat das Team fast ausschließlich durch Vincenzo Nibali positiv in Erscheinung. Den angepeilten dritten Sieg beim Giro d’Italia verpasste der Italiener zwar als Gesamtdritter, ein zweiter Platz bei der Vuelta a Espana und der Triumph bei Il Lombardia trugen schließlich jedoch zu einem versöhnlichen Saisonfazit bei. Bei anderen Rennen fehlte dem WorldTour-Neuling jedoch oft die Perspektive. Die Saisonausbeute von zwölf Siegen war die schwächste aller WorldTour-Teams, einzig Sonny Colbrelli konnte mit einem Etappenerfolg bei Paris-Nizza noch ein nennenswertes Ergebnis einfahren. Pech hatte die Equipe zudem bei der Tour de France: In Abwesenheit von Nibali sollte Ion Izagirre das Team als Kapitän anführen, stürzte jedoch beim Auftaktzeitfahren in Düsseldorf und musste aufgeben.

Die wichtigsten Zu- und Abgänge: Bahrain-Merida hat sich eher punktuell verstärkt. Mit dem bereits 35-jährigen Domenico Pozzovivo (Ag2r) wurde ein routinierter Rundfahrer geholt, dessen künftige Rolle im Team die des wichtigen Helfers für Nibali sein dürfte. Außerdem stießen mit Matej Mohoric und Gorka Izagirre zwei Puncheure mit Potenzial für kürzere Rundfahrten sowie der österreichische Ex-Mountainbiker Hermann Pernsteiner zum Team.

Nennenswerte Abgänge hatte das Team dagegen nicht zu verkraften. Janez Brajkovic musste Bahrain-Merida verlassen, Tsgabu Grmay zog es zu Trek-Segafredo und Javier Moreno lässt mit 33 Jahren seine Karriere beim ProContinental-Team Delko-Marseille Provence ausklingen.

Aufgepasst auf … … Sonny Colbrelli. Der quirlige Italiener ist einer der Fahrer, die regelmäßig beachtliche Resultate einfahren und doch irgendwie unter dem Radar hindurchfliegen. Dabei verfügt Colbrelli über vielseitige Fähigkeiten: Neben einen dritten Platz beim Amstel Gold Race (2016) und Top-15-Platzierungen bei Mailand-Sanremo, dem E3-Harelbeke und der Flandern-Rundfahrt (2017) gewann er im Vorjahr den Pfeil von Brabant und eine Etappe im Sprint bei Paris-Nizza. Das Potenzial für einen großen Sieg bringt er mit, sein Durchbruch lässt aber noch auf sich warten. Vielleicht 2018?

Im Fokus: In der Vergangenheit konnte sich Ramunas Navardauskas mit Tagessiegen bei der Tour de France und dem Giro d’Italia einen beachtlichen Ruf als Etappenjäger erwerben. 2017 war jedoch ein Jahr zum Vergessen: Herzrhythmusstörungen zwangen den Litauer, die Saison frühzeitig zu beenden und sich in medizinische Behandlung zu begeben. 2018 kehrt er nach erfolgreichem Heilungsverlauf zurück ins Peloton und fühlt sich nach einiger Aussage „stärker“ als zuvor. Mit seinem Offensivdrang ist der WM-Dritte von 2014 ein Fahrertyp, der jeder Equipe guttut.

Ausblick 2018: Das Team bleibt auch 2018 auf Nibali ausgerichtet. Die Erfolgsbilanz von Bahrain-Merida misst sich letztendlich an den Auftritten des Sizilianers– dafür sind die weiteren Perspektiven im Kader zu rar gesät. Für 2018 hat Nibali jedoch sein Rennprogramm modifiziert und der Tour de France den Vorzug vor dem Giro d’Italia gegeben. Dabei verwies er auf die für ihn „bessere Charakteristik“ der kommenden Frankreich-Route – und auf Absprachen mit dem Teamsponsoren. Zumindest hat das Management in eine bessere Helferriege für den Top-Star investiert.

Für die Kapitänsrolle beim Giro d’Italia kommen sowohl Ion Izagirre als auch Neuzugang Pozzovivo infrage, wobei Letzterer ebenfalls ein entscheidender Nibali-Helfer bei der Tour sein dürfte. Auch bei den Klassikern führt der Erfolg des Teams in erster Linie über den „Hai von Messina“: Bei Il Lombardia zum Saisonabschluss wird Nibali auch 2018 zu den großen Siegkandidaten zählen, außerdem steht Lüttich-Bastogne-Lüttich in seinem Programm.

Hinter dem 33-Jährigen fehlen aber klare Siegfahrer. Colbrelli ist vielseitig und holt regelmäßig gute Platzierungen, aber bislang nur wenige Siege. Gleiches gilt für Sprinter Niccolò Bonifazio, dem ebenfalls Potenzial für die Klassiker bescheinigt wird. Hoffnungen wird das Team in die Neuzugänge Mohoric und Gorka Izagirre setzen – beide gewann im Vorjahr für ihre alten Arbeitgeber jeweils eine Grand-Tour-Etappe. Namen wie Enrico Gasparotto, Giovanni Visconti oder Heinrich Haussler dürften als Klassikerspezialisten und Etappenjäger dagegen ihren Karrierezenit erreicht oder sogar überstritten haben.

Eckdaten:
Land: Bahrain
Hauptsponsor: Bahrain Petroleum Company/Merida
Branche: Wirtschaftsunternehmen aus Bahrain/Radhersteller
Teamchef: Brent Copeland
Radausrüster: Merida
Fahrer im Aufgebot: 28
WorldTour-Ranking 2017: 14

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