Am Mittwoch starten Titelkämpfe in Dudenhofen

Bahn-DM im Schatten der Vogel-Tragödie

Foto zu dem Text "Bahn-DM im Schatten der Vogel-Tragödie"
Kristina Vogel ist in Cottbus schwer verunglückt. | Foto: Cor Vos

10.07.2018  |  Dudenhofen (dpa/rsn) - Diesmal ist alles anders. Wenn am Mittwoch in Dudenhofen die Deutschen Bahnmeisterschaften beginnen, ist die Rückkehr zur Normalität kaum möglich.

"Als Weltmeisterin und Titelverteidigerin will ich die 500 Meter in Dudenhofen gewinnen, aber ansonsten sind meine Ziele schwierig zu formulieren, weil Kristina fehlt", sagte Miriam Welte. Der Schock über den schlimmen Trainingsunfall ihrer langjährigen Sprintpartnerin Kristina Vogel sitzt immer noch tief.

Die zweimalige Olympiasiegerin und elfmalige Weltmeisterin Vogel war das Aushängeschild im deutschen Bahnradsport. Doch am 26. Juni stieß die 27-Jährige im Training auf der Bahn in Cottbus mit einem niederländischen Nachwuchsfahrer bei hohem Tempo zusammen und zog sich dabei schwerste Verletzungen an der Wirbelsäule zu. Vogel wurde in einem Berliner Krankenhaus operiert und liegt seitdem im künstlichen Koma. Weitere Angaben zu ihrem Gesundheitszustand gibt es seit fast zwei Wochen nicht mehr.

"Wir werden dieses Schicksal in den Meisterschaftstagen nicht aussparen können. Ich bin seit 40 Jahren Arzt. Ich glaube, es gibt keine große Hoffnung, dass Kristina wieder aufs Rad steigt", sagte der Vorsitzende des Ausrichters RV 08 Dudenhofen, Clemens Spiekermann, der Zeitung "Rheinpfalz". Der Organisationschef will den eingerichteten Crowd-Funding-Fonds zugunsten Vogels mit Aktionen wie Verlosungen unterstützen und hofft auf einen fünfstelligen Betrag. Unter dem Hashtag #staystrongkristina wurden bis Anfang der Woche schon rund 75.000 Euro gessammelt.

Auch für einige Sportler ist Vogels Unfall noch allgegenwärtig. Insbesondere Welte kann sich kaum vorstellen, dass ihre langjährige Partnerin künftig fehlen wird. Die 31-Jährige aus Kaiserslautern hatte zusammen mit Vogel 2012 Olympia-Gold im Teamsprint geholt, dazu gab es vier WM-Titel. Welte wird in Dudenhofen im Teamsprint zusammen mit der Junioren-Vize-Weltmeisterin Lea Sophie Friedrich aus Schwerin starten.

Sprint-Bundestrainer Detlef Uibel weist aber auch darauf hin, dass es trotz der aktuellen Dramatik bei den Meisterschaften auf der gerade für 900.000 Euro runderneuerten Radrennbahn von Dudenhofen auch für viele Athleten um einiges geht. "Für viele wird der Unfall nur im Hinterkopf noch eine Rolle spielen. Sportlich sind die Meisterschaften immerhin Abschluss des Nominierungszeitraums für die bevorstehende Europameisterschaft und die Weltcup-Saison im Herbst", sagte Uibel.

Aus sportlicher Sicht ist vor allem das Experiment des LKT Team Brandenburg interessant. Der Vierer geht mit Maximilian Levy aus Cottbus als Anfahrer an den Start. Der viermalige Weltmeister im Sprint-Bereich soll mit seiner Explosivität das Quartett um Madison-Weltmeister Roger Kluge schnell in Fahrt bringen und Seriensieger Heizomat rad-net.de Konkurrenz machen. "Ich möchte einfach neue Reize setzen. Beim LKT-Team habe ich mit dem Vierer und Heiko Salzwedel als Trainer ideale Bedingungen", sagte Levy, der zudem Titelverteidiger in Sprint, Keirin und Teamsprint ist.

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