Die Tour enttäuscht die Zeitfahrer ein weiteres Mal

106. Frankreich-Rundfahrt: Festival auf über 2.000 Metern Höhe

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Die Streckenkarte der 106. Tour de France | Foto: A.S.O.

25.10.2018  |  (rsn) - Noch mehr als in diesem Jahr werden sich die Kletterspezialisten auf die kommende Tour de France (6. - 28. Juli 2019) freuen können. Die in der belgischen Hauptstadt Brüssel beginnende 106. Frankreich-Rundfahrt weist in ihrem Etappenplan gleich fünf Bergankünfte auf, wovon drei auf über 2.000 Metern Höhe liegen. “Das gab es noch nie bei einer Tour“, sagte Tour-Direktor Christian Prudhomme am Donnerstag bei der Präsentation.

Dem stehen nur zwei Zeitfahren mit dürftigen 54 Kilometern gegenüber. Das sind nochmals zwölf Kilometer weniger als bei der Tour 2018, bei der die Streckenplaner nur je ein Einzel- und Teamzeitfahren eingebaut hatten. Diese Aufteilung gibt es auch im kommenden Jahr. Dem schon am zweiten Tag anstehenden 27 Kilometer langen Mannschaftszeitfahren rund um Brüssel folgt auf der 13. Etappe in Pau ein ebenso langer individueller Kampf gegen die Uhr. Zu den beiden Zeitfahren kommen nach Angaben der Veranstalter sieben Flachetappen, fünf hügelige Teilstücke sowie sieben Bergetappen. Die Streckenlänge bis zum Zielstrich auf den Pariser Champs-Elysees beträgt 3.460 Kilometer.

“Das sieht richtig schwer aus“, sagte der im Pariser Palais de Congres anwesende Titelverteidiger Geraint Thomas (Sky). Sein Teamkollege Chris Froome, der 2019 seinen fünften Tour-Sieg anpeilen dürfte, fügte an: "Es ist ein harter Parcours - wie bei jeder Tour de France -, aber was mich wirklich beeindruckt hat, waren die vielen Finals auf über 2000 Metern Höhe, und das wird diese Strecke wirklich von früheren Ausgaben unterscheiden“, so der Dritte von 2018.

Während die beiden Briten ebenso wie die französische Hoffnung Romain Bardet (Ag2R) mit den vielen Kletterpassagen und insgesamt 30 kategorisierten Anstiegen gut zurechtkommen dürften, machte Tom Dumoulin (Sunweb) aus seiner Enttäuschung über die erneute Bevorzugung der Kletterer keinen Hehl. “Natürlich wären mehr einzelne Zeitfahrkilometer besser gewesen, für mich ist es kein idealer Kurs, aber das war er auch schon in diesem Jahr nicht“, so der Tour-Zweite von 2018.

Grand Départ zu Ehren von Eddy Merckx

Zum 23. Mal in ihrer Geschichte startet die Tour de France im Ausland, diesmal am 6. Juli in Brüssel zu Ehren von Eddy Merckx, der im Jahr 1969 seinen ersten von fünf Gesamtsiegen feierte. Die 192 Kilometer lange 1. Etappe führt über die berühmte Mauer von Geraardsbergen und durch Woluwe-Saint-Pierre, wo sich Merckx sein erstes von insgesamt 111 Gelben Trikots holte, und sollte in Brüssel mit einem Massensprint enden. Nach dem 27 Kilometer langen Teamzeitfahren der 2. Etappe, die vor dem berühmten Atomium endet, wird das Peloton tags darauf nach dem Start in Binche die französische Grenze überqueren und sich in Richtung Épernay bewegen, wo die schnellen Männer ebenso wie auf der folgenden 4. Etappe von Reims nach Nancy den Sieg unter sich ausmachen sollten.

Es folgen zwei Tage in den Vogesen, wobei die 5. Etappe von Saint-Dié-des-Vosges in das malerische Colmar führt, ehe die in Mulhouse gestartete 6. Etappe mit der ersten Bergankunft aufwartet – zuvor geht es auf diesem Teilstück bereits über den Ballon d’Alsace. Die Schlusssteigung hinauf zur Planche des Belles Filles hält im Finale nach Angaben von Tour-Direktor Christian Prudhomme zudem einen Kilometer über Schotterpisten bereit.

Von den Vogesen aus macht die Tour dann ordentlich Kilometer, um die Pyrenäen anzusteuern. Von Belfort aus führt die mit 230 Kilometern längste Etappe am siebten Tag Richtung Südwesten nach Chalon-sur-Saone. Danach geht es auf drei hügeligen Abschnitten (Mácon - Saint-Étienne, Saint-Étienne - Brioude, Saint-Flour - Albi) auf ziemlich direktem Weg nach Süden. Diese Tage können sich kletterstarke Ausreißer dick im Kalender anstreichen, aber auch die Klassementfahrer müssen auf der Hut sein.

Erst die Pyrenäen, dann die Alpen

Es folgt der erste Ruhetag, der nach der 10. Etappe an einem Dienstag ansteht. Auf der 11. Etappe von Albi nach Toulouse dürften wieder die Sprinter zum Zug kommen, ehe der zwölfte Abschnitt mit zwei Bergen über jeweils 1.500 Metern Höhe bereits einen Vorgeschmack auf die kommenden Klettertorturen gibt. In Bagnères-de-Bigorre könnte ein Ausreißer jubeln, auch wenn es vom letzten der beiden kategorisierten Anstiege des Tages noch über eine 30 Kilometer lange Abfahrt ins Ziel geht.

Auf der 13. Etappe müssen die Zeitfahrspezialisten unter den Favoriten versuchen, sich einen Vorsprung gegenüber den Bergspezialisten herauszufahren. Gelegenheit dazu bietet der 27 Kilometer lange Parcours rund um Pau, der in seinem Mittelteil einige Hügel aufweist.

In Erinnerung an Eugène Christophe, der als erster Fahrer im Jahr 1919 das vor 100 Jahren ausgelobte Gelbe Trikot trug und es nach einem Gabelbruch am Tourmalet einbüßte, wird die 14. Etappe ausgetragen. Die Organisatoren folgen dabei dem Trend, kurze, aber extrem schwere Teilstücke in den Streckenplan einzubauen: Nur 117 Kilometer weist die in Tabes gestartete Etappe auf. Vor dem 19,4 Kilometer langen und 7,4 Prozent steilen Schlussanstieg hinauf zum 2.115 Meter hohen Tourmalet müssen die Fahrer bereits bei Etappenmitte den 1.474 Meter hohen Col du Soulor bezwingen.

Gleich vier kategorisierte Anstiege hält der letzte Tag in den Pyrenäen bereit, darunter im Finale der 15. Etappe, die in Limoux beginnt, die Mur de Péguère (9,3 Kilometer, 7,9 Prozent) und schließlich den 11,8 Kilometer langen und 6,9 Prozent steilen Schlussanstieg nach Foix (1.205 Meter). Nach dem zweiten Ruhetag in Nimes führt die 16. Etappe über 177 Kilometer ebenfalls rund um die südfranzösische Stadt, wo 2017 die Vuelta a Espana begann. In Nimes und tags darauf in Gap, Ziel der in Pont du Gard gestarteten 17. Etappe, dürfen sich die Sprinter Sieg-Hoffnungen machen.

Am folgenden Tag beginnt in den französischen Alpen die entscheidende Phase der 106. Frankreich-Rundfahrt. Die 18. Etappe führt von Embrun nach Valloire und hat mit dem Col de Vars (2.109 Meter), dem Col d’Izoard (2.360 Meter) und dem Col Du Galibier (2.642 Meter) gleich drei Berge mit mehr als 2.000 Metern Höhe im Programm. Der Gipfel des Galibiers befindet sich nur rund 18 Kilometer vor dem Ziel, das über eine steile Abfahrt erreicht wird.

Viele 2.000er in der Schlusswoche

Auf dem nur 123 Kilometer langen 19. Abschnitt findet man kaum einen Meter über flaches Terrain. Nach dem Start in Saint-Jean-de-Maurienne geht es, von einigen kürzeren Abfahrten abgesehen, fast ständig bergauf bis auf den Col d’Iseran. Das 2.770 Meter hohe “Dach der Tour 2019“ wird nach 85 Kilometern erreicht, es folgt eine 28 Kilometer lange Abfahrt, ehe der 7,4 Kilometer lange und sieben Prozent steile Schlussanstieg nach Tignes wartet.

Der finale Tag in den Alpen ist der möglicherweise härteste: Auf den nur 131 Kilometern von Albertville nach Val Thorens drängen sich gleich drei schwere Berge, zunächst der Cormet de Roselend (1.968 Meter), dann die Côte de Longefoy, von deren Gipfel auf 1.190 Metern Höhe es über weitere vier Kilometer hinauf nach Notre-Dame-Du-Pré (1.311 Meter) geht – es folgt nach einer 14 Kilometer langen Abfahrt die letzte Kletterpartie dieser Tour. Und die hat es nochmals in sich: 34 Kilometer bei einer durchschnittlicher Steigung von 5,5 Prozent müssen die Profis bis ins Ziel im 2.365 Meter hoch gelegenen Skiort Val Thorens bewältigen.

Die abschließende 21. Etappe bleibt dann wieder den Sprintern vorbehalten. Das 127 Kilometer lange Teilstück beginnt in Rambouillet vor den Toren der französischen Hauptstadt und führt ins Zentrum von Paris auf die Paris Champs-Élysées, wo die Frankreich-Rundfahrt seit 1975 endet.

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