Profi-Radsport

Tour will Giro-Dopingsünder ausschließen

27.06.2001 -

Rom/Paris (dpa) - Die Tour de France wird alle bei der Razzia beim Giro d´Italia als Dopingsünder überführten Radprofis von der Frankreich-Rundfahrt ausschließen. Dies gaben die Tour-Veranstalter bekannt.

Die Organisatoren betonten in einer Mitteilung ausdrücklich, dass die Fahrer dafür «eindeutig überführt» sein müssten. Ein Ausschluss aller Radprofis, gegen die die Staatsanwaltschaft in Florenz ermittelt, sei nicht vorgesehen.

Die Ermittlungen befinden sich in Italien ohnehin erst im Anfangsstadium. Wie Staatsanwalt Luigi Bocciolini in Florenz mitteilte, werden die bei der Razzia in San Remo beschlagnahmten Substanzen erst Mitte Juli analysiert sein. Die ersten Verhöre sollen erst zwei Tage vor dem Tour-Start am Donnerstag nächster Woche beginnen.

Die Tour-Organisatoren bestätigten, dass sie den Internationalen Radsportverband (UCI) sowie den französischen Radsportverband aufgefordert haben, sie über die neuesten Entwicklungen in den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Florenz zu unterrichten. Die Tour behalte sich vor, bei neuen Erkenntnissen Profis auch während der Rundfahrt noch auszuschließen.

Staatsanwalt Bocciolini ermittelt in Florenz gegen insgesamt 86 Personen, darunter 50 bis 60 Fahrer. Nach Angaben italienischer Medien gehört auch Telekom-Kapitän Jan Ullrich zu den Verdächtigten, weil bei ihm ein Asthma-Medikament gefunden wurde, das auf der Liste der verbotenen Substanzen steht. Ullrich darf das Mittel jedoch wegen seines allergischen Asthmas benutzen. Diese Erlaubnis ist in seinem Gesundheitspass eingetragen. Das Team Telekom geht deshalb davon aus, dass die angeblichen Ermittlungen gegen Ullrich eingestellt werden.

Teamsprecher Olaf Ludwig sagte, es sei jedem Veranstalter überlassen, die Fahrer einzuladen, der er starten lassen wolle. «Ich gehe davon aus, dass Jean-Marie Leblanc so viel Durchblick hat, dass er weiß, bei welchen Fahrern es sich nur um Anschuldigungen handelt», betonte Ludwig. «Wir haben nach wie vor von der Staatsanwaltschaft Florenz nichts Schriftliches in der Hand und sehen der Sache mit viel Ruhe entgegen.»

Am Rand der Tour de Suisse reagierte der zweifache Tour-Sieger Lance Armstrong gelassen auf die Doping-Verdächtigungen, die der Italiener Marco Pantani über den Amerikaner in die Welt gesetzt hatte. «Pantanis Äußerungen sind unbedeutend. Wie kommt ausgerechnet er dazu, über Doping zu sprechen», sagte der 29-jährige Amerikaner.

Pantani hatte in einem Fernsehinterview gesagt, dass es ihn nicht wundern würde, wenn er auch bei Armstrong von überhöhten Blutwerten hören würde. Pantani war 1999 wegen zu hoher Hämatokritwerte als Gesamtführender vor der vorletzten Etappe des Giro d´Italia disqualifiziert worden. Im vorigen Jahr wurde er außerdem wegen nachgewiesenen Epo-Dopings Mitte der 90er Jahre in Italien zu zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.