Profi-Radsport

Ullrich für Tour «bereiter als letztes Jahr»

29.06.2001 -

Bonn (dpa) - Jan Ullrich kennt in diesem Jahr nur ein Ziel: den Sieg bei der Tour de France. Und dem musste sich auch die sportliche Leitung des Teams Telekom beugen. «Priorität hat für uns das Gelbe Trikot, darauf haben wir die Mannschaft ausgerichtet», sagte Team-Manager Walter Godefroot in Bonn bei der Präsentation des neunköpfigen Magenta-Aufgebots für die am 7. Juli in Dünkirchen beginnende «große Schleife».

Einer ist das Opfer der Taktik, alles auf Ullrich zu setzen: Super-Sprinter Erik Zabel. Der Weltcupsieger muss auf seinen Edel-Helfer Gian-Matteo Fagnini verzichten. Unter diesen Umständen spricht der 30 Jahre alte Zabel von einem «Wunder, wenn ich mein sechstes Grünes Trikot bei der Tour gewinnen würde».

Den ersten Zorn über das Fehlen seines italienischen Domestiken schluckte Zabel - offenbar unter größeren Schmerzen - äußerlich schnell hinunter: «Das Leben ist ein einziger Kompromiss, besonders bei der Tour de France.» Trotzdem sieht der Mann aus Unna, der beim Tour-Prolog seinen 31. Geburtstag feiert, «meine persönliche Situation in der Mannschaft geschwächt». Dass er an den Startverzicht dachte, bestritt Zabel - aber nicht unbedingt energisch: «Klar, ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich bin glücklich, dass Fagnini zu Hause bleiben darf.» Zabel musste erkennen: Der Chef ist Ullrich, alle fahren ausschließlich für den Merdinger und nicht für Zabel.

Der 27 Jahre alte Olympiasieger Ullrich fühlt sich «bereiter für die Tour als im Vorjahr, ich bin fitter, ich kann angreifen, habe alles für die Tour gemacht». Er will den Amerikaner Lance Armstrong vom Thron stoßen, der die in diesem Jahr 3450 km lange schwerste Rad- Rundfahrt der Welt zwei Mal hintereinander gewonnen hat. «Er ist mein größter Konkurrent und meines Wissens gut drauf», prognostiziert der Merdinger einen Zweikampf. Sein Sportdirektor Rudy Pevenage glaubt indes an den zweiten Ullrich-Triumph nach 1997: «Jan hat die optimale Kondition, er ist richtig motiviert, die Tour zu gewinnen.»

Für dieses Ziel lässt sich Ullrich durch nichts ablenken, weder von Nominierungs-Querelen noch von eventuellen Vorladungen zur Staatsanwaltschaft in Florenz: «Ich weiß alles nur aus den Medien, mich hat keiner vorgeladen.» Von Doping-Razzien wie beim Giro d`Italia geht der Wahl-Badener nicht aus: «Das wird eine ruhige Tour.» Trotzdem kann Ullrich die Doping-Hysterie im Radsport nicht mehr nachvollziehen: «Irgendwo muss es bei all diesen Kontrollen eine Grenze geben.»

Jürgen Kindervater, Leiter Konzern-Kommunikation bei der Telekom, bezeichnete das Team als «sauber» und kündigte bei Doping- Vergehen härteste Maßnahmen an: «Wer dopt, fliegt.» Der Sponsor will sich nach Angaben Kindervaters sogar ganz aus dem Radsport zurück ziehen, «wenn bei uns systematisch gedopt werden sollte».

Außer Jan Ullrich und Erik Zabel gehen für das Team Telekom ab dem 7. Juli noch Udo Bölts (Heltersberg), der Italiener Giuseppe Guerini, Jens Heppner (Gera), Andreas Klöden (Cottbus), der Amerikaner Kevin Livingston, Steffen Wesemann aus Wolmirstedt und der Kasache Alexander Winokurow «auf Tour». Für den 34-jährigen Bölts ist es die zehnte Teilnahme («Da bin ich schon ein bisschen stolz drauf»), der acht Jahre jüngere Klöden feiert seine Premiere bei der Frankreich-Rundfahrt.

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