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11.10.2001 -
Lissabon (dpa) - Der Radsport ist ihr Jungbrunnen. Am 31. Oktober wird Jeannie Longo-Ciprelli 43 Jahre alt. Nachdem die Französin in Lissabon ihren 13. Weltmeister-Titel gefeiert hatte, sagte sie den Satz, den sie immer sagt: «Ich mache weiter.»
Jeannie Longo fährt und fährt und fährt: Womöglich war ihre Goldmedaille im Einzelzeitfahren vor der Schweizerin Nicole Brändli, die mit ihren 22 Jahren leicht ihre Tochter sein könnte, nur eine Zwischenstation.
Hanka Kupfernagel, die nach einem Kettenriss beim Start schon alle Chancen eingebüßt hatte und in der Endabrechnung nur 17. wurde, gehört seit Jahren zu den Bewunderern der Französin. Bis Sydney hatte sich die Berlinerin mit ähnlich verbissenem Ehrgeiz dem Radsport verschrieben. Dann trennte sich Hanka Kupfernagel von ihrem Ehemann und Trainer und erkannte vor dem WM-Start in Lissabon: «Ich hatte sechs, sieben Jahre nie Urlaub, nie Ruhe. Jetzt sehe ich das Leben etwas anders, ich habe einiges geändert.»
Jeannie Longo, mit dem französischen Skiläufer Patrice Ciprelli verheiratet, der sie auch trainiert, hat seit ihrem Karrierestart 1979 nur eins im Kopf: Siegen um jeden Preis. Dabei erreichte die Fahrerin aus Grenoble unvergleichbare Höhen. Sie errang 13 WM-Titel auf der Straße und der Bahn, war Olympiasiegerin in Atlanta, hält den Stunden-Weltrekord mit 45,094 km und holte 43 nationale Titel, sogar im Mountainbike. Die Sportlehrerin gewann drei Mal die Tour de France und nahm an fünf Olympischen Spielen teil. Bisher registrierten Statistiker 670 Siege. Wenn es ein weibliches Pendant zu Eddy Merckx gibt, der wegen seines unstillbaren Erfolgshungers «Kannibale» genannt wurde, dann ist das Jeannie Longo-Ciprelli.
Auf Lissabon hat sich die «Oma unter dem unendlichen Regenbogen», wie sie die italienische «La Gazzetta dello Sport» am Donnerstag nannte, akribisch vorbereitet. Jeannie Longo-Ciprelli, für die «L`Equipe» wie «ein Schmetterling», verbrachte vier Wochen im Höhentraining in Arizona 2400 Meter über dem Meeresspiegel. Das reichte in Lissabon nach 19,2 Km für 40/100 Sekunden Vorsprung und Gold.
Die direkte WM-Vorbereitung der 27-jährigen Olympia-Zweiten Hanka Kupfernagel verlief etwas anders. Weil ein Rennen in Südfrankreich kurzfristig abgesagt wurde, entschied Damen-Bundestrainer Jochen Dornbusch ganz spontan: «Wir fahren mit dem Rad nach Lissabon». Der Vorbereitungs-Endspurt in die portugiesische Hauptstadt dauerte sechs Tage.
Das Phänomen Jeannie Longo-Ciprelli wird es also auch im Jahr 2002 geben. Wie ernst gemeint die Einschränkung war, die sie nachschob, sei dahingestellt. «Ich fahre weiter, aber mit Sicherheit im nächsten Jahr nicht die Weltmeisterschaften in Zolder. Dort ist es mir im Oktober zu kalt», sagte die frisch gekürte Weltmeisterin.
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