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26.04.2002 - Berlin/Maastricht (dpa) - Zwei richtungsweisende Herausforderungen innerhalb von vier Tagen stehen dem Team Telekom zum Ende der Frühjahrs-Saison bevor: Beim Amstel Gold Race und beim Henninger-Turm-Rennen stehen Erik Zabel (Unna) und Steffen Wesemann (Wolmirstedt) als große Hoffnungsträger unter besonderem Druck.
Nach den Top-Jahren 2000 und 2001 liest sich die Bilanz der Radsport-Abteilung des Kommunikations-Riesen aus Bonn bisher eher bescheiden - gemessen an den hohen Ansprüchen. Ein Sieg in Maastricht vor der Weltcup-Pause bis August oder beim «Heimspiel» in Frankfurt/Main würden die Telekom-Aktien wieder steigen lassen.
Besonders dem Weltranglisten-Spitzenreiter und «Sportler des Jahres» fehlt in dieser Saison bisher der «Big Point», wie es Team- Sprecher und Ex-Profi Olaf Ludwig nannte. Zabel, der in den beiden Vorjahren jeweils mit zwei Erfolgen in Weltcup-Rennen glänzen konnte, kocht vor Ehrgeiz. Seine vier bisherigen Saison-Erfolge konnten den Verlust von San Remo, wo Zabel zu Beginn der Weltcup-Saison Mario Cipollini den Sieg überlassen musste, nicht kompensieren.
Die Beruhigungstaktik des Rennstalls, der auf seiner Internetseite vorrechnet, dass der gebürtige Berliner zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres lediglich 42 Weltranglisten-Punkte mehr eingefahren hätte, kann nicht richtig trösten. Bei den vier Weltcup-Rennen 2002 ging Telekom bisher leer aus, auch wenn Wesemanns zweiter Rang in Roubaix aller Ehren wert war und Alexander Winokurows Erfolg im Etappenrennen Paris-Nizza Schlagzeilen machte.
Von gewisser Alarmstimmung im Hause Telekom, auch wegen der Ungewissheit um Top-Star Jan Ullrich, sei allerdings nichts zu spüren. «Die Mannschaft fuhr zuletzt sehr stark. Nur der krönende Abschluss fehlte eben - die Big Points», sagte Ludwig. «Heute» sei die Situation «bei uns nicht mit 1994 oder 1999 zu vergleichen.» Damals kamen die Siege am Henninger Turm durch Ludwig und Zabel zur allerhöchsten Zeit, um aufkommende Krisenstimmung zu vertreiben.
Wie Telekom ist auch das niederländische Rabobank-Team oder US- Postal in gewissem Zugzwang. Aus diesen Kreisen rekrutieren sich die Favoriten für das Amstel Gold Race, das Zabel vor zwei Jahren gewann: Neben dem Telekom-Kapitän und Wesemann fahren der Niederländer Michael Boogerd (Rabobank/Sieger von 1999) und der zweimalige Zweite von Maastricht, Lance Armstrong (US Postal), am Sonntag auf dem 257- km-Parcours über 33 Anstiege auf Sieg. Natürlich ist auch wieder mit den Italienern zu rechnen.
Telekom-Teamchef Rudy Pevenage versprüht vorsichtigen Optimismus: «Wir haben auch ohne Winokurow eine sehr starke Mannschaft. Und wenn Zabel im Finale dabei ist, kann er seine Kapitänsrolle sicher ausspielen. Bei den zehn Weltcup-Rennen hat er nur bei drei realistische Siegchancen: Nach Mailand-San-Remo kann er die zweite nun beim Amstel Gold Race nutzen, wo er neben Wesemann unsere großen Hoffnungen trägt. Paris-Tours im Oktober liegt noch in weiter Ferne.»
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