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"Man muss sich für Erfolg im Radsport nicht schämen."
(Deutschland Tour-Gewinner Linus Gerdemann)
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16.10.2000 - Plouay (dpa) - Auf den goldenen Frühling von Sydney folgte für die deutschen Radsportler ein glanzloser Herbst. Für einen Silberstreif sorgten bei der Straßen-Weltmeisterschaft in Plouay lediglich zwei Profis aus dem zur zweiten Kategorie zählenden Team Gerolsteiner: Der Waldkircher Michael Rich mit Silber im Einzelzeitfahren und sein Teamgefährte Tobias Steinhauser als Fünfter im Einzelrennen.
Rich bewahrte mit der einzigen Medaille den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) vor dem schlechtesten Ergebnis seit 1976. Damals waren die Straßen- Radsportler aus beiden deutschen Staaten letztmals bei einer WM oder Olympischen Spielen ohne Edelmetall geblieben.
«Ich bin unzufrieden mit dem Abschneiden», bekannte BDR-Präsident Manfred Böhmer. «Einziger Lichtblick war die Medaille von Rich und der kämpferische Einsatz von Steinhauser. Aber was die Amateure und Frauen geboten haben, war einfach nicht zu akzeptieren. Beide verantwortliche Trainer werden Anfang November Konzepte für eine Veränderung ihrer Arbeit vorlegen müssen.»
Gut zwei Wochen nach den olympischen Rennen von Sydney hatten nicht nur im deutschen Team viele der besten Rennfahrer auf die Wettkämpfe verzichtet. Nicht einer der Olympiasieger von Sydney ging in der Bretagne an den Start, von den zehn Medaillengewinnern fehlten sechs. Auch das deutsche Team konnte seine prominenten Ausfälle nicht kompensieren. Denn Einzel-Olympiasieger und Zeitfahr-Titelverteidiger Jan Ullrich (Merdingen) musste verletzt passen, Erik Zabel (Unna) blieb angeschlagen daheim, der Olympia-Dritter Andreas Klöden reiste wegen eines Infektes ebenso ab wie die Olympia-Zweite Hanka Kupfernagel nach einem unbefriedigenden Einzelzeitfahren.
Namenlose Fahrer wie die Frauen-Siegerin Sinaida Stachurskaja (Weißrussland), Zeitfahrsieger Sergej Gontschar (Ukraine) oder Mari Holden (USA) sowie der von kaum jemandem gewettete Einzel-Sieger Romans Vainsteins (Lettland) hatten so ihren großen Auftritt. Es dominierten diesmal nicht die Italiener oder Spanier. Russen, Polen, Letten und Ukrainer machten diesmal das Rennen. Und für manchen lohnte es sich: Doppel-Weltmeister Jewgeni Petrow (Russland) hat bereits einen Vertrag beim italienischen Mapei-Team in der Tasche.
Seit 1996 ist der Weltverband UCI mit seinen Titelkämpfen aus dem August in den späten Herbst gewechselt und hat zudem Bahn und Straße getrennt. Was für die Bahn noch einigermaßen Sinn machte, da diese Rennen fast nur noch unter dem Hallendach stattfinden und die Medaillengewinner danach bei den Sechstage-Rennen glänzen können, sorgt bei den Straßenfahrern für Diskussion. Eine WM am Ende einer langen Saison hat für viele Spitzenfahrer ihren Reiz verloren, weil sie nach den großen Rundfahrten die WM nur noch als Last ansehen. Die UCI überlegt zumindest eine Verlegung in den September, was aber frühestens in zwei Jahren wirksam werden könnte.
Ein weiteres Handicap stellen die Olympia-Jahre dar. Sydney hat gezeigt, dass die Spiele vier Jahre nach Zulassung der Profis inzwischen bei allen Berufsfahrern einen großen Stellenwert gefunden haben. Kein namhafter Profi riskierte, bei den Spielen zu fehlen, bei den Welttitelkämpfen hagelte es dagegen Absagen in großer Zahl. Als die Berufs-Rennfahrer noch von Olympia ausgeschlossen waren, galt der Olympiasieger gleichzeitig als Weltmeister. Viele Radsportler wünschen ich eine solche Regelung zurück.
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