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26.05.2002 -
Rom/Berlin (dpa) - Der Giro-Sieg am 2. Juni in Mailand bleibt für Jens Heppner trotz Rosa Trikot graue Theorie. Das weiß keiner so gut wie der 37-jährige Telekom-Routinier, der für das Zeitfahren zum achten Mal als Spitzenreiter aufs Rad stieg. «Ich, Sieger - Niemals», sagte Heppner, der in seinem unmittelbaren Verfolger Francesco Casagrande aus Italien den kommenden Mann in Rosa sieht: «Francesco gewinnt den Giro.»
Historisch nicht ganz korrekt titelte der «Corriere della Sera»: «Heppner aus der DDR in Rosa». Auch wenn die überraschend in Varazze errungene Spitzenposition «spätestens am Mittwoch» (so Teamchef Rudy Pevenage) verloren geht, kann der seit Jahren in Belgien lebende Thüringer «auf die schönste Zeit meiner bisherigen zwölf Jahre Profi- Radsport» zurückblicken. Dass er in der italienischen Presse im Schatten der Doping-Ereignisse nie eine Hauptrolle beim Giro («Opa Heppner») spielte, kann er verwinden. Der von Heppner prognostizierte Giro-Gewinner Casagrande hat seine Doping-Affäre schon hinter sich: 1999 trat er nach neunmonatiger Sperre zur Tour de Suisse an - und gewann sie auf Anhieb.
Seinen unerwarteten Gipfelsturm, sicher auch durch die besonderen Umstände des bevorstehenden Garzelli-Ausstiegs begünstigt, wollte der letzte DDR-Straßen-Meister Heppner auch als Bewerbung für einen Anschlussvertrag bei Telekom verstanden wissen. Doch damit sieht es möglicherweise schlecht aus, weil ein Verjüngungs-Programm im Personalbereich bevorsteht. Zudem sind spektakuläre Neueinkäufe geplant, auch um in Zukunft besser auf die Unwägbarkeiten rund um Jan Ullrich reagieren zu können.
«Wir müssen die Zukunft planen. Wie verhalten wir uns 2003, setzen wir weiter alles voll auf die Tour de France oder fahren wir auch den Giro mit anderen Ambitionen?», stellte Pevenage Fragen in den Raum. Anfang nächsten Monats sollen die Richtlinien für die kommende Saison besprochen werden. «Elf Verträge laufen aus, 14 bestehen weiter, darunter die von Ullrich und Zabel. Die Verhandlungen haben noch nicht begonnen», sagte Team-Manager Walter Godefroot, für den das Thema mit dem hochtalentierten Spanier Oscar Sevilla erst aktuell wird, «wenn er bei Kelme keinen gültigen Vertrag mehr hat». Der spanische Rennstall soll in Zahlungs-Schwierigkeiten stecken.
Heppner, nach Krankheiten (1988/Herzmuskel-Entzündung ) und schweren Verletzungen (1999/Autounfall) in seiner Karriere schon zwei Mal auf fast wundersame Weise zurückgekehrt, hatte schon angekündigt: «Ich fahre auf jeden Fall noch ein Jahr weiter, zur Not nicht mehr bei Telekom.» Die nationale Konkurrenz Coast oder Gerolsteiner dürfte den zuverlässigen und erfahrenen Helfer mit Überraschungs-Potenzial mit Kusshand nehmen.
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