Zitat der Woche:
"Ich kann noch gar nicht begreifen, dass ich jetzt Zweiter der Tour bin!"
(Gerolsteiner-Profi Bernhard Kohl nach der 15. Tour-Etappe)
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23.07.2002 -
Les Deux Alpes (dpa) - Auf der ersten von zwei schweren Alpen- Etappen gewährte Lance Armstrong den im Gesamtklassement ungefährlichen Konkurrenten einen Tag nach dem Ruhetag Ausgang. Der Kolumbianer Santiago Botero, Gewinner des Zeitfahrens von Lorient, nutzte ihn und siegte als Stärkster einer ursprünglich siebenköpfigen Spitzengruppe.
Er gewann die 15. und längste Etappe der 89. Tour de France nach 226,5 km in Les Deux Alpes im Alleingang. Botero, 2000 bei der Tour Gewinner des Bergtrikots, hatte sich 7 km vor dem Ziel von der Ausreißergruppe, die 150 km allein gefahren war, abgesetzt.
In dem 1650 m hoch gelegenen Skiort, in dem der für 6 Monate gesperrte Jan Ullrich 1998 die Tour gegen Marco Pantani verloren hatte, triumphierte der bullige Kolumbianer 6:42 Minuten vor der Spitzengruppe mit Armstrong und weiteren Spitzenfahrern im Gesamtklassement. Auf den letzten 800 m hatten der Zweitplatzierte im Gesamtklassement, Joseba Beloki (Spanien), und der Dritte, Raimondas Rumsas (Litauen), noch versucht, Armstrong wegzufahren - ohne Erfolg. Der Meister aus Texas parierte den Angriff sofort und rollte zwar hinter ihnen, aber zeitgleich mit den beiden über die Ziellinie.
So wenig Veränderung es zwischen Vaison-La-Romain und Les Deux Alpes im Gesamtklassement gab, so wenig Bewegung gab es an der Spitze der Punktwertung. Erik Zabel (Unna), der das Ziel 20 Minuten nach Botero erreichte, und Robbie McEwen liegen weiter mit 229 gleichauf, wobei der Australier weiter das Grüne Trikot tragen darf. Beide Zwischensprints hatten sich die sieben Ausreißer gesichert, die sich nach 71 km abgesetzt hatten. Der dreifache Tour-Sieger Armstrong führt auf dem Weg zu seinem vierten Erfolg in Folge weiter mit beruhigenden 4:21 Minuten vor Beloki, der sich nach der Mont Ventoux- Etappe längst mit Platz 2 als Maximum abgefunden hat.
Botero, der im Winter unter abenteurlichen Bedingungen in seiner Heimat in Medellin trainiert hat und immer mit der Angst um Entführung leben musste, hatte sich auf dem brutalen Schlussanstieg 7 km vor dem Ziel alleine auf und davon gemacht. Im Gesamtklassement war er für Armstrong, der in Lorient einen kleinen Schreck nach der Super-Vorstellung Boteros bekommen hatte, längst keine Gefahr mehr. Am Start hatte der Kolumbianer, dessen spanisches Kelme-Team erst kurz vor der Tour die offenen Gehälter ihrer Top-Fahrer beglichen hatte, 18:36 Minuten Rückstand. Sein starker Auftritt brachte ihm aber immerhin Rang 7 im Gesamtklassement.
In Boteros Spitzengruppe fuhr auch Axel Merckx, der sich an seinem ersten Tour-Etappensieg versuchte. Der Belgier, Sohn des legendären Eddy, wurde in der Endabrechnung im Ziel der 15. Etappe Dritter mit 2:30 Minuten Rückstand auf Botero. Zweiter war der Belgier Mario Aerts (1:51 zurück), der im Frühjahr den Klassiker Fleche Wallonne gewann und im nächsten Jahr bei Telekom fahren will.
«Hier zählt nur ein Etappensieg - ich habe alles versucht. Der zweite, dritte Platz ist schnell vergessen», sagte Merckx jr. enttäuscht. «Das war ein langer, schwerer Tag. Aber mein Team hatte wieder alles im Griff. Das Terrain war heute für mich nicht geeignet, um zu attackieren», sagte Armstrong.
Die «Königsetappe» der Tour über 179,5 km findet zwischen Les Deux Alpes und La Plagne mit drei Bergen der höchsten Kategorie statt.
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