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24.07.2002 -
Les deux Alpes/Hamburg (dpa) - Das milde Doping-Urteil bietet Jan Ullrich die große Chance zur Rehabilitation. Zwar belegte das Sportgericht des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) den Rad- Olympiasieger wegen Verstoßes gegen das Doping-Kontrollreglement mit einer Sperre von sechs Monaten.
Doch indem das Gremium den 28- Jährigen keine Betrugsabsicht unterstellte, haben Sponsoren, sein Rennstall Team Telekom und der Verband die Möglichkeit, den gefallenen Star ohne Gesichtsverlust weiter zu fördern und in die richtige Spur zurück zu bringen.
Manager Wolfgang Strohband kämpft nun um die Zukunft seines Schützlings und will jetzt mit den Sponsoren Gespräche führen. «Ich gehe davon aus, dass sich an den Vertragskonditionen nichts Grundsätzliches verändert», sagte er. Ullrichs Sponsoren- Einnahmen werden auf rund 2,5 Millionen Euro jährlich geschätzt.
Erstaunlich schweigsam gab sich indes das Team Telekom auch einen Tag nach der Urteilsverkündung. Dabei lieferte die Begründung des Sportgerichts dem Rennstall die gewünschte Vorlage, um seinen Star nicht fallen zu lassen. Derzeit ist Ullrich noch beurlaubt. Sein Vertrag mit den Bonner Fernmeldern läuft aber wie vereinbart bis 2003. Ob er derzeit Lohn bekommt, lässt Team-Manager Walter Godefroot offen: «Ich sage nicht, ob ich ihm Geld gebe oder nicht.»
Ob der gestrauchelte Ullrich wieder in den Rennsport zurückkommt oder nicht, hängt vor allem von ihm selbst ab. Dabei geht es weniger um die langwierige Knieverletzung des Merdingers als viel mehr um die Heilung der Psyche. «Er hat menschliche Probleme, die abseits des Sports liegen», sagte BDR-Präsidentin Sylvia Schenk. Einen Hinweis der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass sich Ullrich in der Fremde nicht nur zur Entspannung und Erholung, sondern auch zum Entzug aufhalte, dementierte Strohband heftig: «Das ist völliger Quatsch und an den Haaren herbeigezogen.»
Nach Aussage des Managers befindet sich Ullrich gemeinsam mit seiner Freundin weiter im Ausland. «Ich habe mit ihm telefoniert. Ihm geht es gut. Er ist mit netten Leuten zusammen und fühlt sich sehr wohl.» Am Wochenende wolle er mit Ullrich beraten, wann und unter welchen Umständen er nach Deutschland zurückkommt. «Ich rechne fest mit seinem Comeback», sagte Strohband. Ullrich sei klar, «dass er so nicht abtreten kann und noch einmal einen sportlichen Höhepunkt erreichen muss». Es gehe auch um eine berufliche Perspektive nach der Rennsport-Karriere.
Der Radprofi ist seit seinem öffentlichen Geständnis am 6. Juli abgetaucht. Ullrich waren bei einer unangemeldeten Doping-Kontrolle in seiner Rehabilitation in Bad Wiessee nach einer Knieoperation am 12. Juni verbotene Amphetamine nachgewiesen worden. Er gab zu, bei einem Disco-Besuch zwei Tabletten geschluckt zu haben. Die Staatsanwaltschaft München hat ebenfalls Ermittlungen gegen ihn eingeleitet.
Das BDR-Sportgericht sperrte Ullrich bis zum 23. März. Es wertete die Einnahme des verbotenen Stimulanzmittels Amphetamin nicht als «Doping im engeren Sinne», wie der Vorsitzende Peter Barth sagte: «Ullrich hat das Mittel nicht eingenommen, um sich einen Leistungsvorteil zu verschaffen.» Doch sehe das Reglement vor, «dass im Rahmen des Trainings verbotene Stoffe wie Amphetamine nichts zu suchen haben». BDR-Chefin Sylvia Schenk begrüßte die Entscheidung: «Zu diesem Zeitpunkt mit diesem Mittel hat Ullrich keine Schädigung von anderen bezweckt und deshalb auch keinen Leistungsbetrug begangen.»
Dass Ullrich von den Fans wieder in die Arme geschlossen wird, steht für Manager Strohband außer Frage. «Das Virenque-Comeback zeigt ja, dass die Leute vergessen können.» Die Doping-Vergehen des Franzosen Richard Virenque wiegen im Vergleich zur «Dumme-Jungen-Tat» (Tour-Sieger Lance Armstrong) weit schwerer. Virenque gewann bei seiner Tour-Rückkehr nach der Sperre am Sonntag die Etappe auf den Mont Ventoux. Strohband: «So ein Comeback wünsche ich mir für Jan Ullrich.»
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