Affäre um Tour-Dritten Rumsas: Ehefrau verhaftet

30.07.2002  | 

Paris (dpa) - Nach dem glanzvollen Finale auf der Pariser Champs Elysées wirft das Dauerthema Doping erneut Schatten auf die Tour de France. Der Gesamt-Dritte Raimondas Rumsas aus Litauen wurde von seinem italienischen Rennstall Lampre-Daikin suspendiert. Die Teamleitung reagierte damit auf die Verhaftung seiner italienischen Frau in Chamonix.

Bei Edita Rumsas wurden verdächtige Medikamente gefunden. Diese «könnten als Doping-Mittel betrachtet werden», hieß es nach Angaben aus Justizkreisen. In einer Justizerklärung in Lyon wurde erklärt: «Enorm viele Produkte sind im Auto der Frau sichergestellt worden: Steroidhormone, Testosteron und EPO, als Tabletten und injizierbar.»

Der Präsident des Welt-Radsportverbandes (UCI), Hein Verbruggen, und Tour de France-Direktor Jean-Marie Leblanc seien unverzüglich informiert worden, schrieb Lampre-Daikin in seiner Mitteilung. Welche Mittel bei Rumsas` Ehefrau gefunden wurden, wurde vorerst noch nicht bekannt.    

Edita Rumsas wurde in Lyon in Polizeigewahrsam genommen. Es seien auch die Hotelzimmer des Lampre-Daikin-Teams in Paris durchsucht worden, ohne dass dabei jedoch etwas gefunden wurde. Die Zimmer waren bezahlt, jedoch nicht bezogen worden. Tour-Chef Leblanc äußerte sich überrascht über das gute Abschneiden von Rumsas. «Er stand nicht in dem Ruf, bei der Tour de France einen Platz auf dem Podium zu bekommen», sagte er. «Wenn Frau Rumsas seine Medikamente bei sich hat, dann müssen die Polizei oder der Zoll ihre Arbeit machen.»

Der in Italien lebende Rumsas hatte bei seiner Premiere auf der Frankreich-Rundfahrt gleich den dritten Platz hinter dem Amerikaner Lance Armstrong und dem Spanier Joseba Beloki belegt. Die größten Erfolge des Bauernsohnes aus dem litauischen Dorf Silute, der Ende 2001 zum Lampre-Daikin-Team kam, war der Sieg bei der Lombardei- Rundfahrt und ein fünfter Platz bei der Vuelta im vergangenen Jahr. Rumsas fuhr einige Zeit auch für das polnische Team Mroz, das schon häufiger in Doping-Affären verwickelt war. Bei Edita Rumsas wurden am Sonntag angeblich auch zwei auf Polnisch verfasste Verschreibungen gefunden.

In der französischen Presse beherrschte indes Lance Armstrong die Schlagzeilen. Der Amerikaner wurde für seinen vierten Tour-Sieg hintereinander gebührend gewürdigt, doch die große Begeisterung wollte angesichts der Dominanz des Tour-Triumphators nicht aufkommen. Der 30-jährige Armstrong konnte mit seiner Liebeserklärung für die Tour nichts ändern, dass die Franzosen ihre größten Liebesbeweise für Landsleute reservieren wie «Bergkönig» Laurent Jalabert oder Doping-Sünder und Etappensieger Richard Virenque.

Armstrong unterstrich noch einmal die Bedeutung der Frankreich- Rundfahrt für sein Leben. «Wenn ich mit der Tour aufhöre, dann höre ich mit allem auf», sagte der Texaner der französischen Sportzeitung «L`Equipe» am Montag. «Das ganze Jahr über arbeite ich nur für die Tour, und wenn ich sie verlieren sollte, wäre ich zutiefst enttäuscht, viel mehr, als sie sich vorstellen können.» Er ließ keinen Zweifel daran, dass er bei der Jubiläumstour im nächsten Jahr in den Olymp der Tour-Größten und Fünffach-Sieger Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain einziehen will.

Zur Jubiläumstour 2003 soll genau die gleiche Strecke gefahren werden wie bei der Erstausgabe 1903: Damals ging es von Paris nach Paris in sechs Etappen über Lyon, Marseille, Toulouse, Bordeaux und Nantes. Jean-Marie Leblanc hat hundert Jahre später jedoch 20 Etappen eingeplant.

Ob der bis zum 23. März gesperrte Jan Ullrich dabei sein wird, ist die große Frage. Auf jeden Fall wäre er willkommen, das hat Leblanc deutlich gesagt, allerdings mit der Einschränkung, «wenn er mit anderem Geist und anderer Motivation zurückkehren kann». Großes Echo in der Presse fand der «Satz der Woche» des Tour-Direktors: «Man kann nicht sagen, dass Jan Ullrich der Tour gefehlt hat.»

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Tour du Rwanda (2.2, RWA)
  • Jelajah Malaysia (2.2, MAS)

Newsletter:

DATENSCHUTZ    |    KONTAKT    |    IMPRESSUM