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30.10.2000 - Manchester (dpa) - Die Deutschen Bahnradsportler haben ihr Olympia-Ergebnis noch überboten. Bei den Weltmeisterschaften in Manchester hat das deutsche National-Team gut einen Monat nach den Olympischen Spielen in Sydney als beste Nation abgeschnitten und mit vier Titeln, fünf Mal Silber und einer Bronzemedaille fast das «Traumergebnis» von 1991 erreicht. Damals hatten die Deutschen bei ihren WM-Heimspiel in Stuttgart nur einen Sieg mehr auf dem Konto.
Trotzdem gab es unterschiedliche Reaktionen im Team. «Wir haben trotz einiger Motivationsprobleme nach den Spielen von Sydney noch einmal eine bestens vorbereitete Mannschaft an den Start gebracht, die erzielten Zeiten kann ich mir kaum erklären. Nach den Olympiasiegen und dem Fabelweltrekord des Vierers in Sydney hatte ich nicht noch einmal mit solch hochklassigen Resultaten gerechnet. Die WM war nach den Spielen für viele nicht mehr der absolute Höhepunkt», kommentierte Ausdauer-Bundestrainer Bernd Dittert das Super-Ergebnis.
Ganz anders sah das der Doppel-Weltmeister Jens Lehmann (Leipzig). «Wir haben uns schon in Sydney geschworen, als Olympiasieger auch die WM gemeinsam anzugehen. Dass Robert Bartko ausfiel, ist so schlimm nicht gewesen. Im Gegenteil, wir anderen konnten problemlos sein Fehlen kompensieren. Im Ausdauerbereich sind wir Deutschen eine Macht.» Der 32-jährige Leipziger war der einzige Fahrer, der erfolgreich Einzel- und Vierer-Rennen bestritten hat. Lehmann will auch noch in vier Jahren bei den Spielen in Athen dabei sein.
Neben Lehmann glänzte ein weiterer «Oldie», der 31-jährige Stefan Steinweg (Böhl-Iggelheim). In der Einzelverfolgung kämpfte er sich hinter Lehmann auf den Silberplatz vor, nachdem er jahrelang nicht mehr in den Verfolgerdisziplinen zum Einsatz gekommen war. Steinweg hatte zum WM-Auftakt mit seinem Standard-Partner Erik Weispfennig (Waghäusel) überraschend im Zweier-Mannschaftsrennen für einen «goldenen Start» in die WM gesorgt. Beide werden ihren Erfolg jetzt in den Sechstagerennen vermarkten. Bereits am Donnerstag sind beide in Dortmund beim Saison-Auftakt dabei.
Für den Bund Deutscher Radfahrer hat mit den Rennen von Manchester bereits der neuen Olympia-Zyklus begonnen. Neue Leute machen dabei Mut. So fügte sich der 22-jährige Sebastian Siedler (Gera) ohne jede Anpassungsprobleme in den erfolgreichen Vierer ein und gewann bei seinem WM-Debüt gleich Gold. Christian Bach (Erfurt), der auf der Bank saß, ist noch ein Jahr jünger. Beide sollen die zu den Profis wechselnden Olympiasieger Robert Bartko (Berlin) und Daniel Becke (Erfurt) ersetzen.
Zu den positiven Überraschungen im Team gehörten auch zwei Sprinter. Nach vier Jahren ohne eine Medaille für Deutschland hat die gerade 21-jährige Cottbuserin Katrin Meinke mit dem Gewinn der Bronzemedaille überzeugt. Bei den Männern ist der 24-jährige Jan van Eijden aus Dudenhofen mit seinem beeindruckenden Final-Sieg gegen den Titelverteidiger Laurent Gane (Frankreich) endgültig aus dem Schatten seines Teamgefährten Jens Fiedler gefahren. Auch wenn der zweimalige Olympiasieger aus Chemnitz im Halbfinale wegen einer Erkrankung auf das brisante deutsch-deutsche Duell verzichtete.
Mit einem guten Resultat verabschiedete sich Ex-Weltmeisterin Judith Arndt (Frankfurt/Oder) vom Bahnradsport. Wie im Vorjahr gewann sie zwei Silbermedaillen (Punktefahren/Verfolgung) und machte damit die Enttäuschungen von Sydney vergessen.
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