Profi-Radsport

Simoni zeigt auch Cunego, wer der Boss ist

11.05.2004 - Corno alle Scale (dpa) - Den ersten großen Schlagabtausch der Giro-Favoriten hat der zweifache Sieger Gilberto Simoni gewonnen. Der italienische Saeco-Fahrer sicherte sich den Tagessieg auf der ersten Bergankunft des 87. Italien-Rundfahrt und schlüpfte ins Rosa Trikot.

Der Vorjahres-Gewinner hinterließ auf der 3. Etappe von Pontremoli nach Corno alle Scale über 191 km dabei einen wesentlich stärkeren Eindruck als sein wohl größter Herausforderer, Stefano Garzelli (Italien).

Mit seinem überzeugenden Angriff auf den letzten drei Kilometern erstickte Simoni auch den mannschaftsinternen Führungskampf gegen den jungen Senkrechtstarter Damiano Cunego im Keim. In den italienischen Medien war schon über eine bevorstehende «Palast- Revolution» bei Saeco berichtet worden. Ob er nicht mehr konnte oder wollte, wurde nicht ganz klar. Denn der 22-Jährige Italiener ließ seinem Kapitän auf den letzten drei Kilometern zwar den Vortritt, den 2. Platz im Ziel sicherte er sich aber locker. In der Gesamtwertung belegt Cunego mit 16 Sekunden Rückstand Platz zwei.

Der Australier Bradley McGee, der sich die Führung im Gesamtklassement vom Cottbuser Olaf Pollack zurückgeholt hatte, musste den Platz an der Spitze erwartungsgemäß räumen, nachdem er auf Simoni viel Zeit einbüßte.

Mehr als 150 km war der Italiener Renzo Mazzoleni als Solist vor dem Feld gefahren. Zeitweise hatte er über zwölf Minuten Vorsprung. Aber an der 12,8 km langen Schlusssteigung auf den 1471 Meter hohen Corno, wo Ski-Star Alberto Tomba früher sein bevorzugtes Trainingsgebiet hatte, wurde der Ausreißer gestellt.

Die Favoriten formierten sich, unter ihnen war auch der Gerolsteiner-Star Davide Rebellin. Aber dem Antritt Simonis war auch er nicht gewachsen. Rebellin dürfte damit seine Hoffnungen auf das Rosa Trikot begraben haben. "Davide musste erkennen, dass er nicht mehr die Beine der Klassiker-Wochen hat“, stellte Gerolsteiner-Sportdirektor Christian Henn hinterher ernüchtert fest. Der "Ardennenkönig" kam als 17. mit knapp einer Minute Rückstand ins Ziel.

Sein Schweizer Team-Kolege Sven Montgomery, der unter die Besten zehn der Schlussabrechnung fahen will, verlor ebenfalls eine Minute und ist jetzt 15. des Gesamtklassements. Henn: "Sven kommt immer besser in Fahrt kommt. Für ihn hat das Rennen gereade erst begonnen."