Profi-Radsport

Judith Arndt jubelt ohne Ärger

29.09.2004 - Bardolino (dpa) - Judith Arndt, die sich in Athen beim Überqueren der Ziellinie nach ihrer Fahrt zur Silbermedaille mit dem ausgetreckten Mittelfinger allgemeinen Zorn zugezogen hatte, schien sich über die Vize-Weltmeisterschaft im Zeitfahren am Gardasee wirklich gefreut zu haben.

Diesmal ließ die 28-jährige Leipzigerin die Hände am Lenker. Grund zum Protest wie bei Olympia wegen der umstrittenen Nominierungs-Kriterien des eigenen Verbandes bestand diesmal nicht. Auch, weil ihre inzwischen als Sportlerin zurückgetretene Lebensgefährtin Petra Roßner, die der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) in Athen übergangen hatte, als eine Art offizielle Betreuerin dabei war. Von Januar an rückt die Olympiasiegerin von Barcelona, die im Begleitwagen saß, in die sportliche Leitung des Profiteams Nürnberger Versicherungen auf. Die umstrittene Olympia-Demonstration mit der obszönen Geste habe sich erledigt, meinte Arndt: «Mit dem Sponsor gab es deshalb keine Auseinandersetzungen.»

Der Silbermedaille im 24,05 km langen Zeitfahren 52 Sekunden hinter der Weltmeisterin Karin Thürig aus der Schweiz («Im Oktober bestreite ich den Iron-Man auf Hawaii») könnte im Straßenrennen in Verona sogar noch mehr folgen. Judith Arndt glaubt an das Gesetz der Serie: «Die letzten fünf Jahre wurde immer diejenige Fahrerin Weltmeisterin, die vorher die Toskana-Rundfahrt gewann.» Das war vor zehn Tagen Arndts Team-Kollegin Trixi Worrack.

«Hauptsache eine von uns gewinnt», sagte Judith Arndt, die nach Aussage ihres sportlichen Leiters Jens Zemke in der Toskana genauso hätte gewinnen können, den Gesamtsieg aber der Team-Order unterordnete. Einen kleinen Erfolg abseits der Rennstrecke hatte die Verfolgungs-Weltmeisterin von 1997 vor einer knappen Woche ohne eigenes Zutun errungen: Die von ihr heftig kritisierte Verbands-Präsidentin Sylvia Schenk musste ihr Amt räumen und Spordirektor Burkhard Bremer verlor Sitz und Stimme im BDR.

Über die neuen, turbulenten Entwicklungen in der BDR-Spitze wollte sich die streitbare Judith Arndt am Ufer des Gardasees nach der Wiederholung ihres WM-Ergebnisses vom Vorjahr weder in Gesten noch Worten äußern: «Da gebe ich jetzt meinen Senf nicht dazu». Am Abend feierte sie in gebührender Zurückhaltung ihre neue Silbermedaille und den Geburtstag der zweiten deutschen Zeitfahrerin Trixi Worrack.

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