Profi-Radsport

Risi/Betschart gewannen das Münchner Sechstagerennen

15.11.2000 -

München (dpa) - Mit einem Überraschungscoup der Extraklasse haben die Schweizer Bruno Risi und Kurt Betschart zum fünften Mal das Münchner Sechstagerennen gewonnen und damit bei der 37. Auflage einen neuen Rekord eingefahren. Das Nachsehen im bis zur letzten Minute packenden Finale hatte mit Platz drei besonders das lange führende deutsche Doppel Erik Zabel und Robert Bartko.

Auf Rang zwei landete in der Nacht zum Mittwoch Vorjahressieger Silvio Martinello aus Italien mit Landsmann Marco Villa. «Ich bin überglücklich, aber todkaputt», sagte Risi nach der umjubelten Ehrenrunde in der Münchner Olympiahalle. Doppel-Olympiasieger Bartko aus Potsdam gestand nach der Niederlage: «Im ersten Moment war ich schon sehr enttäuscht.» Das vom Publikum als Traumpaar gefeierte Tandem mit Weltcup-Gesamtsieger Zabel (Unna) war ein erster Vorgeschmack auf die kommende Straßensaison, wenn der 24-jährige Neuprofi Bartko erstmals neben dem sechs Jahre älteren Zabel für das Team Telekom fährt.

Zabels kurzes Fazit in München: «Für die Premiere war das Zusammenspiel in Ordnung, es ist aber noch ausbaufähig.» Danach verschwand der von den insgesamt rund 80 000 Zuschauern zum Publikumsliebling gewählte Star schnell in den Katakomben der Olympiahalle.

Noch vor einer Woche hatte Zabel, fünfmaliger Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France, beim Dortmunder Sechstagerennen die Konkurrenten Martinello und Risi hinter sich gelassen. Zur Münchner Revanche meinte Risi, körperlich sei Zabel stark gefahren, aber im letzten Moment habe dem Straßen-Spezialisten das «Auge für die Bahn» gefehlt. Rennleiter Sigi Renz bescheinigte Aufsteiger Bartko: «Er ist ein Diamant, der noch geschliffen werden muss.»

Tatsächlich hatte alles lange nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden Deutschen und dem Duo Martinello/Villa ausgesehen. Doch die Italiener kostete zunächst ein Defekt wertvolle Zeit. Und als sich die beiden Teams im Finale einen gnadenlosen Kampf um vermeintlich entscheidende Sprintpunkte lieferten, setzten Risi/Betschart alles auf die Flucht nach vorn, angepeitscht vom tobenden Publikum. In einem taktisch wie kämpferisch begeisternden Husarenritt holten sich die beiden 32-Jährigen wenige Minuten vor dem Schluss eine Runde Vorsprung und damit als erstes Duo in der Geschichte der Münchner Sixdays zum fünften Mal den Gesamtsieg.

«Die haben hinten irre gekontert», sagte Bahn-Spezialist Risi später. «Bei uns vorne war es der Mut der Verzweiflung.» Bartko zollte den Schweizern Respekt: «Wir haben es einmal vereiteln können, beim zweiten Mal hat uns hinten raus die Kraft gefehlt. Aber so ist Sport.» Risi freute sich über den Sieg besonders angesichts der versammelten Radsportelite in München mit sieben aktuellen Olympiasiegern und sechs frisch gekürten Weltmeistern. «Wenn man bei so einer Konkurrenz aufs Podium fahren kann, ist das schon eine Riesen-Genugtuung.»

Den Grand-Prix-Sieg der Sprinter holte sich Doppel-Olympiasieger Jens Fiedler. Der 30-Jährige stellte einen neuen Bahnrekord auf und heizte die Stimmung Nacht für Nacht kräftig an. «Das ist das beste Doping, das man haben kann, wenn die Leute hinter einem stehen», bedankte sich der Chemnitzer bei den Fans.

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