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28.07.2006 - (sid) - Nach dem fulminanten Comeback von Tour-Champion Floyd Landis auf der schweren Alpen-Etappe nach Morzine, in deren Anschluss er positiv getestet wurde, ist anscheinend nicht mit einer einmaligen Testosteron-Gabe zu erklären. Der renommierte Doping-Fahnder Prof. Klaus Müller, Leiter des Anti-Doping-Instituts in Kreischa, kann sich einen solchen Effekt dagegen sehr wohl durch die Einnahme von Stimulanzien wie Amphetamine, Kokain oder auch Ecstasy vorstellen. Müller vermutet, dass die Kombination dieser Mittel nur noch nicht veröffentlicht wurde.
Müller fordert noch strengere Vorgehensweisen
"Aber das werden wir ja bald wissen. Natürlich hat Testosteron eine vielfältige Wirkung - auch eine psychische. Aber eben erst nach einiger Zeit. Über Nacht ist eine solche Wirkung nicht zu erwarten - davon habe ich noch nicht gehört", sagte Müller dem Sport-Informations-Dienst (sid). Zugleich sprach er sich dafür aus, schon den bloßen Besitz von Mitteln, die nur selten zur medizinischen Anwendung kommen, unter Strafe zu stellen.
Eine abnorme Testosteron-Bildung im Körper schließt Müller im Fall Landis aus: "Es gibt schließlich klare Richtlinien bei den Kontrollen, sowas wird schon bei der A-Untersuchung abgesichert."
Für allgemein gängig hält Müller bei Sportbetrügern die Kombination verschiedener Anabolika, möglicherweise werden dazu noch Wachstumshormone genommen. Müller: "Testosteron-Doping ließe sich auch mit Eigenblutdoping verbinden. Da gibt es einen additiven Effekt, jede Maßnahme wirkt also für sich selbst." Potenzieren würde sich die Wirkung einer solchen Mischung aber nicht.
"Pflaster an exponierter Stelle kann schon Sinn machen"
Die Gabe von Testosteron erfolgt laut Müller üblicherweise über Injektionen. Möglich sind auch derzeit diskutierte Auführungen über die Haut durch Gel oder Pflaster - beispielsweise am Hodensack. "Grundsätzlich ist das zwar irrelevant, denn das Ergebnis der A-Probe ist positiv, aber so ein Pflaster an exponierter Stelle kann schon Sinn machen", sagt Müller. Es würden geringe Dosen zugeführt, die dann nach einer gewissen Zeit möglicherweise nicht mehr gemessen werden können.
Bis zur Einführung der Trainingskontrollen vor über 25 Jahren war Anabolikum ein ideales Mittel für die Betrüger. "Es wurde vor allem von den Strategen aus östlichen Ländern im Training verwendet", sagt Müller: "Rechtzeitig abgesetzt, war es nicht mehr nachweisbar und entfaltete für längere Zeit seine Wirkung."
Eine versuchte Leistungssteigerung mit Testosteron sei allerdings heutzutage nicht nachvollziehbar, da die Nachweisbarkeit sehr gut sei: "Das macht inzwischen wenig Sinn. Wenn man auf der sicheren Seite sein will, müsste man Eigenblutdoping betreiben, dafür gibt es noch keine sicheren Nachweismethoden." In der Gesamtstatistik für Doping würden anabole Steroide wie Testosteron allerdings noch immer die dominierende Rolle spielen.
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