Team «Gerolsteiner» reklamiert Chancengleichheit

12.01.2001  | 

Palma de Mallorca (dpa) - Kleine Mannschaft - geringes Doping- Problem. Diese Gleichung geht nicht zwangsläufig auf. «Unter Umständen würden wir es mitbekommen, wenn Fahrer unerlaubte Mittel nähmen. Aber wenn es einer wirklich will, merken wir es nicht», sagte Rolf Gölz, im dritten Jahr Teamleiter in der GS-II-Mannschaft Gerolsteiner und im Umgang mit dem Reizthema Doping im Gegensatz zu fast allen anderen Insidern offensiv.

Seit 1. Januar ist der ehemalige Radsportler Christian Henn sein Assistent. Gölz: «Bei uns gab keine Bedenken, ihn anzustellen».

Der 37-jährige Henn fuhr bis Oktober 1999 im Telekom-Team und war treuer Helfer der Toursieger Bjarne Riis und Jan Ullrich. Nach einem positiven Dopingbefund bei der Bayern-Rundfahrt kam er seinem Rauswurf aus dem deutschen Renommierteam durch Rücktritt zuvor. Die üblichen Klauseln in den Fahrerverträgen existieren natürlich auch beim Team Gerolsteiner, das im Vorjahr durch gute Resultate auf sich aufmerksam machte. «Eine positive Doping-Kontrolle bedeutet fristlose Kündigung», sagte Henn, der Fragen nach seiner Vergangenheit mit einer Gegenfrage beantwortet: «Wen interessiert das noch?».

Laut Henn und Gölz wurden die Profis, zurzeit wie Telekom im Trainingslager auf Mallorca versammelt, ausdrücklich darauf hingewiesen, Medikamente nicht auf eigene Faust zu nehmen. «Die Aufstockung unseres Etats erlaubt uns, zu vielen Rennen einen Arzt mitzunehmen. Der soll bei Krankheiten oder Verletzungen immer zu Rate gezogen werden», erklärte Gölz, der im nächsten Jahr den Sprung in die Eliteliga des Radsports schaffen und in die illustre Runde der GS-I-Mannschaften wie Telekom oder Coast gehören will.

Dazu bräuchte die Gerolsteiner-Mannschaft, die sich in diesem Jahr mit dem Ex-Telekomfahrer Georg Totschnig (Österreich) verstärkt hat, Fahrer mit Weltranglistenpunkten. Die sind nicht immer teuer. «Mit den Punkten eines Richard Virenque, der durch seine Sperre billig zu haben war, wären wir sofort GS-I gewesen. Aber das haben wir nicht gemacht», sagte Gölz. Mit der Stufe GS-I hätte das Team die höchste Profikategorie erreicht. Gölz verzichtete 1992 auf einen hoch dotierten Vertrag in Italien aus Bedenken um seine Gesundheit und zog sich als aktiver Fahrer zurück. Henn und Gölz verfügen über einen Etat von knapp vier Millionen Mark.

Auch in Zeiten eines konsequenteren Kampfes gegen Doping im Radsport behauptet Gölz, Chancengleichheit zu den großen Teams, die sich auch einen umfangreichen medizinischen Stab leisten können, bestehe noch immer nicht. Trotz aller Restriktionen habe sich seit dem Doping-Skandal von 1998 «nicht viel geändert». Das als Blut- Doping-Mittel verwendete Hormon Erythropoietin (EPO) spiele laut Gölz immer «noch eine gewisse Rolle». Gölz: «Am meisten Angst habe ich vor der Gen-Technik».

Große Abschreckung sei laut Gölz und Henn («Mein Verhältnis zu Telekom ist weiter gut») die einzige Möglichkeit, das Problem besser in den Griff zu bekommen. «Wir brauchen harte Gesetzte wie in Italien. Das Risiko für Dopingsünder muss erhöht werden», forderte Gölz, der mit seiner Mannschaft in «Ballermann»-Sichtweite in El Arenal weit weniger luxuriös residiert als das Telekom-Team im Hotel Valparaiso. Keine Spur von Udo Lindenberg oder Rudolf Scharping bei Gerolsteiner.

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