Profi-Radsport

94. Tour de France

Zabel kommt nicht mehr an Cancellara heran

10.07.2007 - (sid/dpa/Ra) - Fabian Cancellara (CSC) hat mit einer grandiosen Schlussattacke die im Bummeltempo absolvierte längste Etappe der 94. Tour de France gewonnen. Der Schweizer Zeitfahrweltmeister schlug nach einem überraschenden Angriff kurz vor dem Ziel auf dem 236,5km langen dritten Teilstück von Waregem nach Compiegne Erik Zabel (Milram) im Sprint. Dritter wurde der Italiener Danilo Napolitano (Lampre).

Bei der Rückkehr nach Frankreich auf den flachen Passagen des Frühjahrs-Klassiker Paris-Roubaix konnten die in den Massensturz des Vortages verwickelten Fahrer auf der Fahrt in die Picardie ihre Kräfte schonen. Das Ziel in Compiegne erreichten die Fahrer rund eine Stunde später als für den langsamsten Temposchnitt berechnet.

Die Schuld an dem skurrilen Renntag gab Gerolsteiner Teamchef Hans-Michael Holczer den beiden französischen Ausreißern Nicolas Vogondy (Agritubel) und Mathieu Ladagnous (Francaise des Jeux), die zwar erst wenige Meter vor dem Ziel scheiterten, aber vorher lange kaum Tempo gemacht hatten. "Sie sind nur halbherzig weggefahren. Warum sollte jemand hinterherfahren. Die Sprintmannschaften konnten warten und für die anderen hätte es keinen Sinn gemacht", erklärte Holczer die Situation.

Im westflämischen Waregem war die Tour-Karawane am Dienstagmittag wieder vor Tausenden von Zuschauern mit Musikkapellen verabschiedet worden. Auf dem Weg nach Frankreich schaltete das Feld einen Gang zurück, als Vogondy und Ladagnous nach sechs Kilometern davonfuhren.

Bei Kilometer 45 in Bleharies überquerte das Duo ohne selbst großes Tempo vorzulegen die französische Grenze 15 Minuten vor dem Peloton. Die Fahrt durch Frankreichs Kornkammer verlief mehr als gemächlich, für die zweite Rennstunde wurde ein Temposchnitt von 30,7km/h notiert. Der Tagessieger Cancellara fuhr schließlich ein Stundenmittel von rund 35,8 Kilometern - ein Wert, der bei schwierigen Bergetappen üblich ist.

"Uns ist es auch langweilig", attestierte Astana-Teamleiter Mario Kummer den Pressevertretern aus dem Begleitfahrzeug hinaus. Der französische Fernseh-Kommentar meinte, die Profis wollten die schöne Landschaft genießen, ein Kollege von der «L`Équipe» vermutete eine versuchte Nachtfahrt. Der fünffache Toursieger Bernard Hinault, der die Siegerehrungen vornimmt, wähnte die Fahrer gar «in den Ferien». Bei der Bummel-Tour durch Nordfrankreichs "Grüne Lunge" entlang der L"Oise plauderten die Fahrer im Peloton wie im Training miteinander.

Das Peloton nahm erst auf den letzten 25 Kilometern so richtig Fahrt auf. Zu diesem Zeitpunkt hatten der Franzose Stephane Augé (Cofidis) und der Belgier Frederik Willems (Liquigas) zu den beiden Führenden aufgeschlossen. Die vier Ausreißer wurden schließlich 500 Meter vor dem Zielstrich gestellt - Maßarbeit. Nach dem Zusammenschluss attackierte sofort Zeitfahr-Weltmeister Cancellara, der die Sprinter überraschte und seinen zweiten Etappensieg der diesjährigen Tour nach seinem Prolog-Erfolg perfekt machte. Erik Zabel kam an das „Gelbe Trikot“ nicht mehr heran und verpasste seinen 13. Etappenerfolg bei der Tour nur um Haaresbreite.

„Wenn der Träger des Gelben Trikots uns auf dem Kopfsteinpflaster-Abschnitt den Abstand gibt, der dann zum Siegen reicht, muss man das neidlos anerkennen. Aber Platz zwei ist für einen alten Mann doch gar nicht so schlecht“, sagte ein keineswegs unzufrieden wirkender Zabel im Ziel. „Wichtig ist, dabei zu sein und es immer wieder zu probieren.“ Vorne dabei waren auch die Sprinter der beiden anderen deutschen Teams. Robert Förster (Gerolsteiner) wurde Sechster, Bernhard Eisel, Mark Cavendish (beide T-Mobile) und Heinrich Haussler (Gerolsteiner) belegten die Plätze acht bis zehn. "Ich hab' gar nicht richtig gemerkt, dass Cancellara raus gefahren war", sagte Förster und ergänzte: "Es muss auch solche Etappen geben. Aber meine Chance kommt bestimmt noch."

Im Gesamtklassement hat Cancellara dank einer Zeitgutschrift von 20 Sekunden nun 33 Sekunden Vorsprung vor Andreas Klöden (Astana). Das Grüne Trikot verteidigte der belgische Ex-Weltmeister Tom Boonen (Quickstep) erfolgreich. Das Trikot des Berg-Königs verlor der Schotte David Millar (Saunier) an Augé, der die einzige Bergwertung des Tages gewann.

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