Profi-Radsport

In Uni-Klinik Freiburg

T-Mobile-Profis mit gefälschten Patientendaten

16.12.2007 - (sid) - Die Ermittlungen um die mutmaßlichen Doping-Ärtzte der Universitätsklinik Freiburg und deren Kunden kommen weiter voran. Das Klinikum hat der Staatsanwaltschaft gefälschte Patientendaten gedopter Sportler übergeben, die inzwischen entschlüsselt sind. Diese werden laut Badische Zeitung dem Ende Mai mit sofortiger Wirkung entlassenen Sportarzt Andreas Schmid zugeordnet und enthalten Daten von Radsportlern des Teams T-Mobile. Schmid wird vorgeworfen, Mitglieder dieses Teams gedopt zu haben. Zu den Vorwürfen will Schmid wegen der noch laufenden Ermittlungen keine Stellung beziehen.

Klinikum-Adresse als Patienten-Wohnsitz

Nach Angaben der Universität sollen die Sportler in den Computern und im medizinischen Dokumentationssystem der Uniklinik unter falschen Namen, Geburtsdaten und Adressen geführt worden sein. Teilweise wurde als falsche Adresse die Hugstetter Straße 55 genannt - der Sitz der Sportmedizin.

Laut Peter Rambach, Anwalt der Universität, hatte nur die Sportmedizinische Abteilung Zugriff auf die fingierten Daten, die Schmid zugeordnet werden. Anscheinend handelt es sich um das offizielle Dokumentationssystem der Klinik, in dem Ärzte und Schwestern Patientendaten, Untersuchungsergebnisse und Behandlungen erfassen.

Diese Daten werden nicht nur genutzt, um die Therapie abzurechnen oder Medikamente in der Klinik-Apotheke zu bestellen. Ohne eine solche Erfassung ist es in der Regel auch nicht möglich, Blut oder Zellen eines Patienten im Labor testen zu lassen.

Das Universitätsklinikum hat die entsprechenden Unterlagen, die aus den internen Untersuchungen stammen, den Ermittlungsbehörden übergeben. Da sie kriminelle Machenschaften belegen, haben Bundeskriminalamt und Staatsanwaltschaft Freiburg das Uniklinikum gebeten, keine weiteren Auskünfte hierüber zu erteilen.

Abschluss der Ermittlungen offen

Chef der Untersuchungskommission ist der frühere Präsident des Sozialgerichts Reutlingen, Hans-Joachim Schäfer (71). Angesichts der neueren Erkenntnisse über das Ausmaß der Affäre erklärte Schäfer in der WELT, dass seine Zielvorgabe für den Abschluss der Ermittlungen nicht einzuhalten sei: "Einen genauen Zeitpunkt, wann wir im kommenden Jahr den Abschlussbericht vorlegen, kann ich nicht nennen."

Derweilen will Sportarzt Andreas Schmid, der sich am Freitag durch seinen Anwalt bei Gericht vertreten ließ, bis zum Ende der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht gegen seine fristlose Kündigung kämpfen. Der beim Arbeitsgericht Freiburg angelaufene Prozess soll laut Angaben seines Anwaltes bis zur Klärung der Doping-Anschuldigungen ausgesetzt werden. Weil die Staatsanwaltschaft ermittle, könne sich Schmid nicht zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen äußern. Dies erschwere die arbeitsrechtliche Auseinandersetzung. Nach Ablauf der sogenannten Einlassungsfrist am 28. Dezember entscheidet das Gericht, ob es Sinn macht, das Strafverfahren abzuwarten.

Live-Ticker