Zitat der Woche:
"Ich schaue nicht zurück im Zorn. Es war alles in Ordnung."
(Erik Zabel nach dem Münsterland-Giro, seinem letzten Straßenrennen in Deutschland)
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28.12.2007 - Berlin (dpa) - Die gewandelte Wahrnehmung des Radsports und seiner «Helden» hat auch vor Erik Zabel nicht haltgemacht. Sein Abstieg vom respektierten Leitbild zur Reizfigur spiegelt aus deutscher Sicht die Besonderheiten der auslaufenden Saison wider.
Das Radsport-Jahr 2007 war geprägt vom Denkmalsturz eines Jan Ullrich, tiefen Einblicken in die Doping-Praktiken zahlreicher Teams und - zu guter Letzt - einer Chaos-WM in Stuttgart. Aussagen von Insidern, Fahrern, Betreuern und Ärzten, brachten so viel Licht ins Dunkel, dass viele erschraken. Auch der 37-jährige Zabel, nach Siegen gerechnet der erfolgreichste noch aktive Profi, begab sich in einen der zahlreichen öffentlichen Beichtstühle - und machte dabei keine sehr glückliche Figur.
Sein tränenreiches Doping-Geständnis am 24. Mai in der T-Mobile- Zentrale in Bonn wirkte besonders im Licht der nachfolgenden, viel weiter gehenden Aussagen seiner ehemaligen Arbeits-Kollegen Jörg Jaksche und Patrik Sinkewitz, kalkuliert. Seine gerade bis zur Verjährungs-Grenze reichende Soft-Beichte («Eine Woche EPO bei der Tour 1996») wurde ihm kaum als Mutprobe angerechnet. Durch das immer klarer werdende Bild des flächendeckenden Dopings im Telekom- und späteren T-Mobile-Team gerieten vielmehr auch die sportlichen Großtaten des ehemaligen Weltranglisten-Spitzenreiters in ein besonderes Licht.
Der Erfolgshunger des gebürtigen Berliners, dessen 16-jähriger Sohn Rick in Unna inzwischen auch schon erfolgreich Rad fährt, schien unstillbar: 12 Etappensiege bei der Tour de France, sechs Grüne Trikots in Serie als bester Sprinter, vier Siege bei Mailand-San-Remo oder zwei Vize-Weltmeisterschaften bilden nur ein kleinen Einblick in seinen Trophäenschrank. «Marathon-Mann» Zabel wurde vor allem respektiert für seinen Professionalismus, der ihm im Schatten der Lichtgestalt Ullrich Erfolge in jahrzehntelanger Permanenz erlaubte. Jahr für Jahr, von Februar bis Oktober. Seine Erfolgs-Story nur vor dem Hintergrund von Doping-Geständnissen anderer auszuleuchten, hieße sicher, falsche Rückschlüsse zu ziehen. Leider hat Zabel selbst durch glaubhafte Aussagen nicht zur Differenzierung beigetragen.
Das Karriere-Ende des Deutschen Sportlers des Jahres 2001, der wie Ullrich die Sportförderung der DDR durchlaufen hat, ist abzusehen. Sein Ausrollen im Team Milram, das seinen dopingbelasteten Teamchef Gianluigi Stanga entließ, wird vor allem durch die Vorkommnisse des Jahres 2007 kaum noch zur ganz großen Show taugen. Am 7. Juli 2008 will Zabel zum letzten Mal während der Tour de France als Mitglied des Pelotons Geburtstag feiern und sich mit seinem 13. Start zum deutschen Rekordhalter aufschwingen. Sein Vertrag beim Bremer Milch- Produzenten läuft danach aus. Die Rückkehr in sein früheres T-Mobile- Team, das dem Erfolgsgaranten 2005 ziemlich barsch den Zutritt in den Tour-Kader verwehrte und damit seinen Weggang provozierte, ist geplatzt - und damit die «Ehrenrunde» im einstigen Lehr-Betrieb.
Finanziell hat «Ete», der sich mit dem sturen Beharren auf einen WM-Start nach seiner Doping-Beichte den zweiten Bärendienst erwiesen hatte, nach 15 Profijahren längst ausgesorgt. Seinem Freund Rudolf Scharping reichte als Verbandschef die öffentlich eingestandene Reue und die Zahlung von 100 000 Euro für die Doping-Bekämpfung jedenfalls zur Rehabilitation. Manch andere mögen darauf warten, dass Zabel noch mehr auf den Tisch legt. Ein paar neue Fakten zum Thema Doping beispielsweise.
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