Profi-Radsport

Die Dopingfälle bei Team Telekom und T-Mobile

20.03.2008 - Hamburg (dpa/rsn) - Die Liste der bislang bekannten Doping-Fälle bei Telekom und T-Mobile ist bereits umfangreich. Nach den neuesten Erkenntnissen der Freiburger Untersuchungskommission könnte sie demnächst wohl weitere Einträge erhalten.

26. Februar 2007: Toursieger Jan Ullrich, langjähriger Vorzeige-Profi der Teams Telekom und T-Mobile, gibt in Hamburg seinen Rücktritt bekannt. Ullrich bestreitet Doping-Vorwürfe.

3. April: Bei einem auf Betreiben der Staatsanwaltschaft Bonn vorgenommenen DNA-Abgleich wird Übereinstimmung zwischen einer Speichelprobe Jan Ullrichs und dem Inhalt der beim mutmaßlichen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes gelagerten Blutbeutel festgestellt.

28. April: Der Belgier Jef D`Hont, Betreuer im Telekom-Team zwischen 1992 und 1996, beschuldigt die Teamärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid sowie den Ex- Teamchef Walter Godefroot, ein Doping-System installiert zu haben.

3. Mai: Der Telekom-Nachfolger T-Mobile suspendiert die beiden Mediziner von der Universität Freiburg, die zunächst ihre Schuld abstreiten, sie später aber eingestehen. Schmid und Heinrich werden auch von der Freiburger Sportmedizin suspendiert.

11. Mai: T-Mobile suspendiert Sergej Gontschar, der im Vorjahr beid er Tour 2006 an zwei Tagen das Gelbe Trikot getragen hatte. Grund sind anormale Blutwerte, die dem Ukrainer bei einer teaminternen Kontrolle nachgewiesen wurden. Gontschar wird am 19. Juni wegen Verstoßes gegen den «Ethik-Code» von T-Mobile entlassen.

21. Mai: Bert Dietz ist der erste ehemalige Telekom-Profi, der Doping in den 90er Jahren gesteht. Ihm folgen die geständigen Rolf Aldag (heute High Road-Sportdirektor), Erik Zabel (heue Milram), Udo Bölts, Christian Henn (heute Sportlicher Leiter Gerolsteiner), Bjarne Riis (heute CSC-Teammanager, Jörg Jaksche (nicht aktiv wegen Dopingsperre) und Brian Holm (ehemals Sportlicher Leiter T-Mobile).

2. Juli: Jörg Jaksche gesteht, dass er in sämtlichen Mannschaften für die er fuhr - unter anderen Telekom und CSC - gedopt hat. Meistens sei das unter Team-Regie passiert.

18. Juli: T-Mobile suspendiert Patrik Sinkewitz nach einer positiven A-Probe auf Testosteron vom 8. Juni. Als Reaktion darauf beenden ARD und ZDF mit sofortiger Wirkung ihre Live-Übertragungen von der Tour de France.

31. Juli: Sinkewitz-Anwalt Michael Lohner teilt dem Bund Deutscher Radfahrer mit, dass sein Mandant auf die Öffnung der B-Probe verzichtet. T-Mobile kündigt die Entlassung des 26 Jahre alten Sinkewitz an.

4. September: Der T-Mobile-Profi Lorenzo Bernucci ist bei der Deutschland-Tour positiv auf den Appetitzügler «Sibutramin» getestet worden und wird von seinem Team sofort entlassen.

25. Oktober: Der von T-Mobile suspendierte Sinkewitz gesteht vor dem Sportgericht des BDR systematisches Doping unter anderem auch beim T-Mobile-Team im Jahr 2006. Sinkewitz berichtet über Eigenblutdoping an der Freiburger Uni-Klinik unter Anleitung der Mediziner Heinrich und Schmid während der Tour 2006. Er nennt aber keine Namen anderer an Dopingpraktiken beteiligten Radprofis. Anschließend konkretisiert er in diversen Medien seine Vorwürfe.

1. November: Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes und der Freiburger Oberstaatsanwaltschaft durchsuchen in einer Großrazzia die Wohnungen und Arbeitsplätze der Uni-Mediziner Schmid und Heinrich. Sie stellen Festplatten, CDs und schriftliche Unterlagen sicher.

2. November: Im Zuge des Rechtsstreits zwischen dem Heidelberger Molekularbiologen Werner Franke und Jan Ullrich erklärt Franke, Ullrich habe im Jahr 2006 insgesamt 120 000 Euro an den spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes gezahlt. Franke-Anwalt Michael Lehner kündigt an, den früheren Ullrich-Betreuer Rudy Pevenage, Fuentes, die geständigen Dopingsünder Ivan Basso und Jörg Jaksche und den Ex- Telekom-Masseur Jef D`Hont als Zeugen vorzuladen.

27. November: Als Konsequenz aus den verschiedenen Doping-Skandalen beendet T-Mobile sein Sponsoring-Engagement im Profi-Radsport.

20. März 2008: Eine Untersuchungskommission der Uni-Klinik Freiburg veröffentlicht einen Zwischenbericht zu den Doping-Praktiken in der Sportmedizin des Krankenhauses. Demnach soll es zwischen 1993 und 2006 beim Rad-Rennstall Telekom und dessen Nachfolge-Team T-Mobile systematisches Doping gegeben haben. Zabel soll bereits während Tour de Suisse 1996 eine dreiwöchige EPO-Kur begonnen haben. Neben Schmid und Heinrich sollen zudem die beiden ehemaligen T-Mobile-Teamärzte Andreas Blum und Stefan Vogt in die Doping-Praktiken verwickelt gewesen sein.

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