Profi-Radsport

Was wusste Telekom?

Ullrich: Staatsanwalt stellt Verfahren Montag ein

13.04.2008 - Berlin (rsn/dpa) – Jan Ullrich hat ein Etappenziel erreicht. Gegen Zahlung einer sechsstelligen Summe wird die Staatsanwaltschaft in Bonn am Montag das Ende des 21 Monate dauernden Ermittlungsverfahrens verkünden. Der 34-Jährige gilt danach als nicht vorbestraft.

Die Einigung hat sicher damit zu tun, dass die Aussicht auf Verurteilung trotz des Aufwandes mit Hausdurchsuchungen in drei Ländern als gering angesehen wurde. Zwar liegen Indizien für Doping vor, aber den Betrug gegenüber seinem früheren Arbeitgeber zu belegen, dürfte schwer fallen. Zumal kein Präzedenzfall in der deutschen Rechtsprechung bekannt ist. Wahrscheinlich nicht zufällig hat Ullrich bei seinem steten Leugnen einer Doping-Schuld immer fein formuliert: «Ich habe nie jemanden betrogen.» Laut «Focus» liegen Informationen aus Ermittlerkreisen vor, dass die Teamleitung des inzwischen aufgelösten T-Mobile-Rennstalls in die illegalen Praktiken verwickelt war.

Der Prozess vor dem Hamburger Oberlandesgericht gegen den Molekular-Biologen Werner Franke wegen Falschaussage des Wissenschaftlers bleibt aber anhängig, ebenso ein Verfahren von Ullrichs früheren Team- Manager Günther Dahms.

Ullrichs ehemaliger Rennstall-Besitzer, der vom Radstar auf Zahlung fehlender Gehälter aus dem Jahr 2003 verklagt wurde, will nach Informationen des Magazins «Der Spiegel» nicht zahlen. Beim früheren Manager des Coast-Teams war Ullrich bis zu dessen Zahlungsunfähigkeit 2003 vier Monate lang beschäftigt. Dahms begründet sein Vorgehen damit, dass er «nach den Enthüllungen der vergangenen Monate» davon ausgeht, dass «Ullrich auch damals gedopt» gewesen sei. Es ist aber zu vermuten, dass dieses Verfahren mit den Telekom/T-Mobile-Ermittlungen beerdigt wird.

Weiters Ungemach droht Ullrich von der Staatsanwaltschaft Freiburg, die wegen der Machenschaften der Sportmedizinischen Abteilung der Uni-Klinik Freiburg ermittelt. In seiner Schweizer Wahlheimat könnte zudem von «Swiss Cycling» die lebenslange Sperre für radsportliche Betätigungen ausgesprochen werden. Bernhard Welten von der Fachkommission Doping äußerte sich gegenüber der «Süddeutschen Zeitung» entsprechend: «Er hat offenbar gedopt oder wollte es. Deshalb sprechen wir von einem Dopingfall.»