Profi-Radsport

ASO vertraut auf Anti-Doping-Offensive

Eine Tour ohne böse Überraschungen?

01.07.2008 - Brest (dpa/rsn) - Die Tour de France ohne Titelverteidiger Contador, ohne Boonen, Petacchi, Rasmussen, Mayo oder Winokurow: Die Anti-Doping-Offensive hat Wirkung gezeigt. Auch wenn es noch viele Baustellen geben mag und die Prognose über die «saubersten Tour seit langem» (Erik Zabel) so manchem noch bitter aufstoßen könnte - der Tour-Veranstalter Amaury-Sport-Organisation (ASO) hat versucht, mögliche Gefahren-Quellen zu eliminieren. Nichts soll dem Image schaden und den Geldfluss stören.

Es geht um viel. Nach dem Vorstandsbericht der ASO 2005, den sich der Journalist Pierre Ballester für sein Buch «Tempêtes sur le Tour» («Stürme über der Tour») verschafft hat, lag der Umsatz bei 135 Millionen Euro, und es wurde ein Gewinn von 27,6 Millionen erzielt ­ 1,3 Millionen pro Etappe. Von einem solchen Umsatz-Gewinn-Verhältnis können andere Veranstalter nur träumen, und es liefert eine weitere Erklärung für den Machtkampf zwischen der ASO und dem Weltverband UCI.

Die ASO will - so gut es geht - reinen Tisch machen. Das von der kasachischen Industrie großzügig gesponserte Astana-Team, das die Tour 2007 nach dem Dopingfall Alexander Winokurow vorzeitig verlassen musste, erhielt gewissermaßen als nachträgliche Strafe diesmal erst gar keine Einladung. Damit beginnt die Tour am 5. Juli in Brest ohne den spanischen Vorjahressieger und amtierenden Giro-Gewinner Alberto Contador, ohne den Tour-Dritten Levi Leipheimer (USA) und den zweifachen Tour-Vize Andreas Klöden. Mit dem in eine Kokain-Affäre verstrickten Belgier Tom Boonen (Quick Step) fehlt auch der Träger des Grünen Trikots des Vorjahres.

Zudem brach die ASO mit dem Weltverband UCI, dem die Franzosen einen Großteil ihrer Schwierigkeiten des Vorjahres anlasten. Ohne UCI-Versäumnisse hätte es nach ASO-Auffassung weder den Fall des Dänen Michael Rasmussen gegeben, der im Gelben Trikot von seinem Team während der Tour vor die Tür gesetzt werden musste, noch die während des Rennens bekannt gewordene Doping-Affäre Patrik Sinkewitz.

Beim zehnjährigen «Jubiläum» der Festina-Affäre von 1998 will die Tour vor bösen Überraschungen wie in den vergangenen beiden Jahren - der des Dopings überführte Sieger von 2006, Floyd Landis, wurde nach mehr als einjährigem Hickhack aus der Siegerliste gestrichen - gefeit sein. Dafür soll auch ein umfangreicher Strafen-Katalog sorgen, dem sich alle 20 teilnehmenden Teams unterwarfen. Sollte ein Dopingfall mit Teamduldung oder -unterstützung aufgedeckt werden, muss die Mannschaftsleitung 100.000 Euro an den Französischen Verband FFC zahlen. Das Geld soll in die Doping-Bekämpfung fließen.

Der FFC übernimmt bei der diesjährigen Tour die Oberaufsicht und damit die Stelle der ungeliebten UCI. Die Doping-Kontrollen laufen unter der Regie der französischen Anti-Doping-Agentur. Auch das Französische Olympische Komitee ist eingebunden. Bei (programmierten) Streitfällen soll es durch das «Chambre Arbitrale du Sport» in 24- stündigen Eilverfahren Entscheidungen treffen, die für alle Seiten verbindlich sind.

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