Profi-Radsport

Tour de France: Schumi verteidigt Gelb

Cavendish schlägt die alte Garde

09.07.2008 - (rsn/dpa/sid) – Auf der längsten Etappe der 95. Tour de France leisteten die Sprinter Maßarbeit. Erst auf den letzten 50 Metern zogen sie an dem Ausreißer Nicolas Vogondy (Agritubel) vorbei und machten den Sieg unter sich aus. Nach 232km von zwischen Cholet nach Chateauroux gewann der junge Brite Mark Cavendish (Columbia) deutlich vor Oscar Freire (Rabobank) und Erik Zabel (Milram), der erneut eine beeindruckende Leistung zeigte. Stefan Schumacher (Gerolsteiner) verteidigte problemlos sein Gelbes Trikot.

Das packende Finale entschädigte für eine über weite Strecken ereignisarme Etappe. Das Feld ließ früh ein französisches Trio ziehen, aus dem etwa 1,2km vor dem Ziel Vogondy seinen Verzweiflungsangriff startete. Viel fehlte nicht und der französische Meister hätte die Sprinterteams düpiert. Aber 50 Meter vor der Ziellinie rasten die Sprinter doch noch an dem 32-Jährigen vorbei. Cavendish, der den Sprint von Gerald Ciolek angefahren bekam, konnte die alte Garde um Freire, Zabel, Thor Hushovd (Credit Agricole/4.) und Baden Cooke (Barlowrld/5.) deutlich auf Distanz halte und freute sich ausgelassen über seinen ersten Coup bei seiner zweiten Tour-Teilnahme. „Das ist der größte Sieg meiner Karriere“, jubelte der 23-Jährige.

Für Cavendishs Columbia-Team reichte es nach drei Podiumsplätzen durch Kim Kirchen und Gerald Ciolek erstmals bei dieser Tour zum obersten Platz auf dem Treppchen. Für Zabel, der am Montag seinen 38. Geburtstag gefeiert hatte, war es der erste Podestplatz bei der Frankreich-Rundfahrt in diesem Jahr.

Nicht in die Entscheidung eingreifen konnte Robert Förster. Der Gerolsteiner-Sprinter landete auf Rang elf. Sein Teamkollege Heinrich Haussler (Gerolsteiner) stürzte rund 3km vor dem Ziel. Der 24-Jährige blieb zunächst liegen, konnte das Rennen aber beenden. "Es ist aber nichts Schlimmes passiert, es sind nur einige Kratzer", gab der Cottbuser nachher Entwarnung. Auch der Australier Robbie McEwen, der im Finale einige Helfer seiner sonst ausschließlich auf Cadel Evans ausgerichteten Silence-Lotto-Mannschaft erhielt, spielte keine Rolle und landete auf Rang acht. Dank seines dritten Platzes verbesserte sich Zabel in der Punktewertung mit 72 Zählern auf Platz vier. Hier führt jetzt Hushovd mit 88 Punkten vor Freire (85) und Kim Kirchen (Columbia/81)

Schumacher reichte ein Platz im Mittelfeld des Pelotons, um die Gesamtführung zu verteidigen. Sein Gerolsteiner-Team fuhr im Verlauf der Fünfeinhalb-Stunden-Fahrt Richtung französisches Zentralmassiv die meiste Zeit an der Spitze des Feldes und musste wie erwartet keine ernsthaften Angriffe auf das Gelbe Trikot parieren. "Die Fahrt in Gelb war ein Wahnsinnsgefühl. Das war die optimale Etappe, um das auszukosten. Das war ein Tag, den ich nicht vergessen werde", sagte Schumacher. Bei der ersten Bergankunft in der 1.298 Meter hoch gelegenen Skistation Super Besse im Zentralmassiv steht der Nürtinger aber vor anderen Herausforderungen: «Da wird es sicher ganz schwer, das Trikot zu verteidigen».

Viel wird davon abhängen, wie ernsthaft die Topfavoriten Kirchen (2./+0:18), Cadel Evans (Silence-Lotto/4./+0:21) und Alejandro Valverde (Caisse d’Epargne/+1:27) auf der ersten Bergetappe zur Sache gehen werden. Der Spanier stürzte, musste sich vom Tour-Arzt an seiner lädierten Schulter und am Knie behandeln lassen, konnte das Rennen aber beenden.

«Ich bin nicht hier, um die Tour de France zu gewinnen. Ich wollte das Trikot tragen und eine Etappe gewinnen. Alles andere ist jetzt ein Bonus», sagte Schumacher zu seinen weiteren Ambitionen. Sein Teamchef Hans- Michael Holczer setzt auch nach dem Triumph von Cholet für das Gesamtklassement «weiter auf Markus Fothen und Bernhard Kohl».

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