Profi-Radsport

Geheimnisträger Zabel siegt zum vierten Mal

25.03.2001 -

San Remo (dpa) - Mailand-San Remo bleibt für Erik Zabel eine unendliche Erfolgs-Geschichte. Der 30-jährige Berliner gewann zum vierten Mal in fünf Jahren, spurtete auf der Zielgeraden nach 7:23 Stunden den weltbesten Sprinter Mario Cipollini und Weltmeister Romans Vainsteins nieder und zog mit dem legendären Gino Bartali gleich.

«Der vierte Sieg war der schönste. Das Bild werde ich nie vergessen», schwärmte Zabel, den die «Gazzetta dello Sport» als «Herrscher von San Remo» feierte und ihm und seiner «Lokomotive» Gian-Matteo Fagnini eine taktische Meisterleistung bescheinigte.

Der Rahmen für den großen Tag des deutschen Radsports stimmte. Das Modell der Fahrrad-Spezialanfertigung, auf der Zabel saß, hieß «Prince». Nach dem Rennen hielt er nach seinem sechsten Saisonsieg im Hotel «Napoleon» Hof und zu einem der ersten Gratulanten gehörte der ranghöchste Telekom-Fan Rudolf Scharping.

Der Verteidigungsminister konnte sich für das Traditions-Rennen frei nehmen und huldigte «Il Kaiser», wie Zabel von italienischen Zeitungen schon vor seinem vierten Sieg auf der Via Roma genannt wurde. 1997 gewann er zum ersten Mal, danach 1998, 2000 und nun 2001. Nur 1999 durfte der fünffache Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France als Zweiter hinter Andrej Tschmil nicht in Formel 1-Manier mit Prosecco spritzen.

Zabel erzählte nach den 287 Km viel, behielt aber ein Geheimnis für sich. «Nach meinem ersten Sieg habe ich geträumt, wie oft ich mein Lieblingsrennen noch gewinnen kann. Den Traum habe ich nur meiner Frau erzählt», sagte Zabel. Womöglich muss jetzt auch der große Eddy Merckx um seinen Rekord zittern. Zwischen 1966 und 1976 gewann der Belgier den ersten Saison-Klassiker sieben Mal.

Genau wie im Vorjahr hatte Fagnini, bis 1999 gefürchteter Wegbereiter zahlreicher Cipollini-Erfolge, großen Anteil am vierten Streich des Telekom-Kapitäns. Gerührten italienischen Journalisten diktierte Zabel in die Schreibblöcke, dass er diesen Sieg Fagninis Vater widme, der im Vorjahr gestorben war. Der Italiener hatte dem Seriensieger bis 150 Meter vor dem Ziel die Richtung gewiesen. Weder Super-Sprinter Cipollini, der so früh in der Saison noch nie so stark war, noch ein Massensturz konnten den unwiderstehlichen Zabel bremsen. Von Vainsteins im Spurt monierte Unkorrektheiten musste der Belgier Jo Planckaert mit der Disqualifikation bezahlen. Sie waren aber wohl nicht rennentscheidend. Fagnini erinnerte sich an die letzte Steigung neun Kilometer vor dem Ziel: «Den Poggio sind wir mit 45 hoch gefahren.»

Der Italiener, der nach dem Rennen lange mit dem Cipollini-Manager redete, wird für seine Uneigennützigkeit von Telekom fürstlich entlohnt. Es ist die Rede von einer Million Mark pro Jahr. Deshalb ist er mit seinem Status zufrieden. «Vielleicht hätte ich die Möglichkeiten, auch selbst zu gewinnen. Aber wie? Im nächsten und übernächsten Jahr fahre ich bei Telekom, also für Erik», sagte Fagnini, der sich wie alle anderen Arbeitskollegen des Berliners vorbildlich in den Dienst des Kapitäns stellte.

Zum Feiern blieb Zabel und seinem Umfeld nicht viel Zeit. Teamchef Rudy Pevenage setzte sich noch am Abend nach dem Rennen ins Auto und fuhr Richtung Spanien, wo die Katalanische Woche mit Jan Ullrich beginnt. Danach wird es für Zabel, der das Trikot des Weltcup-Gewinners des Vorjahres gleich anbehalten konnte, weil er nach dem Auftaktsieg schon wieder in Führung liegt, wieder ernst. Am 8. April steht mit der Flandern-Rundfahrt das zweite von zehn Weltcup-Rennen auf dem Programm. Zabel ganz diskret: «Da gehöre ich vielleicht nicht zur ersten Reihe der Favoriten.»