Nach neuen, massiven Dopinganschuldigungen

Armstrong schweigt - der Druck nimmt zu


Lance Armstrong (RadioShack) bei der Tour Down Under 2010 Foto: ROTH

20.01.2011  |  Berlin (dpa/rsn) - Für Lance Armstrong ist der Spaß endgültig vorbei. Die neuen Dopinganschuldigungen, die das US-Magazin „Sports Illustrated“ in dieser Woche veröffentlichte, bringen siebenfachen Toursieger immer mehr in Erklärungsnot.

Kontakte zu verdächtigen Ärzten, Klüngeleien mit Dopingfahndern, vertuschte abnorme Testwerte und Zugang zu einem verbotenen, lebensgefährlichen Medikament - die von der Zeitschrift erhobenen Vorwürfe könnten dramatischer kaum sein und lassen auf ein baldiges Verfahren schließen. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“, die eine Quelle aus Ermittlerkreisen zitierte, ist in Kürze in den USA mit einer Anklageerhebung zu rechnen.

Die Nervosität ist dem 39-Jährigen, der Dopingvorwürfe lange ebenso lässig wie dreist parierte, anzumerken: Bei der Tour Down Under, Armstrongs internationalem Abschiedsrennen, legte sich der Texaner mit Reportern an - zu den Vorwürfen schwieg er. Sein Pressesprecher Mark Fabiani sagte zu cyclingnews.com lediglich: „Die Geschichte ist voll von alten Nachrichten, mit den immer gleichen alten Lügen von den immer gleichen alten Lügnern.“

“Sports Illustrated“ beruft sich in dem Bericht unter anderem auf eine Quelle, die mit der derzeit laufenden Untersuchung der Behörden gegen Armstrong und dessen Ex-Team US Postal vertraut ist. Diese habe angegeben, dass Armstrong in den späten 90er Jahren Zugang zu einem Medikament namens HemAssist hatte. Das Präparat, das für Blutdoping missbraucht werden kann und ähnlich wirkt wie EPO, war damals noch in der Testphase und wurde 1998 nach mehreren Todesfällen verboten. Auf dem Schwarzmarkt blieb das gefährliche Präparat aber erhältlich.

Daneben sollen die Ermittler Beweise für einen Kontakt Armstrongs zu dem einschlägig bekannten Mediziner Michele Ferrari gefunden haben. Der hatte dagegen erklärt, Ferrari nach dessen Dopingverurteilung 2004 nicht mehr kontaktiert zu haben. Dieser Version widersprechen nun offenbar gefundene Mails.

Das Sportmagazin berichtet auch von drei Dopingtests zwischen 1993 und 1996, bei denen Armstrongs Testosteronwert die erlaubte Grenze überschritten haben soll. Die Tests seien aber von einem renommierten Anti-Doping-Labor verworfen worden. Chef des Labors in Los Angeles war Don Catlin, der schon Sprinterin Marion Jones auf die Schliche gekommen war - bei Armstrong soll der frühere IOC-Mediziner aber verdächtigte Proben vertuscht haben. 2008 heuerte Armstrong Catlin - damals schon Rentner – öffentlichkeitswirksam als privaten Anti-Dopingexperten an.

Zudem beschreibt die Zeitschrift weitere Details von möglichem systematischen Doping im Team US Postal. Davon hatte im Mai 2010 schon Armstrongs Ex-Teamkollege Floyd Landis berichtet und damit die Untersuchungen der US-Behörden angeschoben. Den Reportern von „Sports Illustrated“ soll Landis erzählt haben, dass im Jahr 2003 Beamte am Flughafen von St. Moritz in Armstrongs Gepäck Spritzen und Dopingmittel gefunden hätten. Nach der Beteuerung, bei den Medikamenten handele es sich um Vitamine, sei das Team dann aber vom Zoll durchgewunken worden.

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