Profi-Radsport

Fagnini gewinnt in Köln - Ullrich deutet Giro-Start an

16.04.2001 -

Köln (dpa) - Bei seinem ersten diesjährigen Auftritt in Deutschland hielt sich Jan Ullrich bei «Rund um Köln» erwartungsgemäß zurück und erreichte das Ziel im Hauptfeld. Den Sieg in der 86. Auflage des traditionellen Rennens über 197,2 km, das in Leverkusen vom früheren Box-Weltmeister Henry Maske gestartet worden war, holte sich sein Team-Kollege Gian-Matteo Fagnini.

Der sonstige Edel-Helfer Erik Zabels aus Italien beerbt Vorjahressieger Steffen Wesemann (Wolmirstedt), der einen Tag nach seinem kräftezehrenden siebten Platz bei Paris-Roubaix nicht am Start war. Fagnini siegte im Spurt einer fünfköpfigen Ausreißer-Gruppe, die knapp 80 km an der Spitze fuhr, vor Bert Grabsch (Wittenberg) und Torsten Schmidt (Schwelm). Die Spitze hatte knapp 20 Sekunden Vorsprung vor dem Feld.

Ullrich, der am Vortag bei der Anreise nach Leverkusen im Stau stecken geblieben war, zeigte sich mit seinem Debüt vor eigenem Publikum zufrieden. «Es hat heute trotz des schlechten Wetters Spaß gemacht. Ich bin mit meinem Trainingsstand auf dem Laufenden und froh, dass ich im Frühjahr von Krankheiten bisher verschont geblieben bin», sagte der 27-jährige Olympiasieger.

Er bestreitet seinen nächsten Wettkampf in Norditalien bei der fünftägigen «Settimana Lombarda», wo auch Marco Pantani (Italien) nach überstandener Bronchitis wieder antreten will. Zabel, der Fagnini am 24. März seinen vierten Sieg bei Mailand-San Remo maßgeblich zu verdanken hatte, war ebenso wenig in Köln dabei wie Wesemann.

«Heimspiele» werden in dieser Saison für Ullrich Seltenheitswert haben. Im Regional-Fernsehen des WDR gab Ullrich einen weiteren Fingerzeig auf seinen möglichen Start beim Giro d`Italia vom 19. Mai bis 10. Juni, was gleichzeitig den Verzicht auf die Deutschland-Tour bedeuten würde. «Drei Wochen am Stück 200 Kilometer täglich und die ganze Infrastruktur des Teams mit Massagen und Versorgung - das wären ideale Trainingsbedingungen im Hinblick auf die Tour», deutete Ullrich seine Giro-Premiere an.

Eine endgültige Entscheidung soll Ende des Monats nach einem Dreier-Gespräch zwischen Ullrich, Teamchef Rudy Pevenage sowie Team- Arzt und Trainings-Analytiker Lothar Heinrich fallen. Die Telekom- Teamleitung hatte sich bereits pro Giro geäußert. Das tat auch der im Fernsehen als «Experte» eingesetzte Kölner Top-Sprinter Marcel Wüst, der nach seiner Augenverletzung vor dem Karriere-Ende steht: «Der Giro, bei dem der Medien-Druck auf Ullrich vielleicht auch nicht so hoch ist, könnte das Richtige sein. Vor Sydney hatte er sich auch für die Vuelta als optimale Vorbereitung entschieden».

Eine Vorentscheidung bei «Rund um Köln» war schon nach rund 85 km gefallen, als sich eine 20-köpfige Spitzengruppe gebildet hatte, in der drei Telekom-Profis fuhren. Dahinter bemühten sich die Coast- Fahrer aus der zweiten deutschen GS-I-Mannschaft um zügiges Tempo der Verfolger, allerdings ohne Erfolg, weil keine andere Mannschaft außer später noch das Team Nürnberger mitarbeitete. Die Ausreißer-Gruppe zersplitterte und formierte sich 70 km vor dem Ziel als Quintett.

Den nächsten und wahrscheinlich letzten Deutschland-Start Ullrichs vor der Tour wird es am 1. Mai in Frankfurt/Main bei «Rund um den Henninger Turm» geben.