Neue Vorwürfe gegen früheren UCI-Chef

Verbruggen: Vermögensverwaltung durch Armstrong-Vertrauten


Alte Freunde: Lance Armstrong und Hein Verbruggen bei der Bahn-WM 2001 | Foto: ROTH

17.01.2013  |  (rsn) – Der Radsportweltverband UCI gerät im Fall Armstrong immer stärker unter Druck. Wie das Wallstreet Journal meldete, soll der Investmentbanker und frühere Besitzer des US Postal-Rennstalls, Thomas Weisel, als Vermögensverwalter des damaligen UCI-Chefs Hein Verbruggen tätig gewesen sein. Damit würden Korruptionsvorwürfe gegen den Verband im Zusammenhang mit dem Dopingskandal um den früheren Superstar des Radsports neue Nahrung erhalten.

Die Investmentbank des mittlerweile 71-jährige Weisel soll von 2001 bis 2004 Teile von Verbruggens persönlichem Vermögen verwaltet haben, so das WSJ und beruft sich dabei auf Aussagen von Jim Ochowicz, ehemals Broker in Weisels Unternehmen und aktuell Präsident des US-Rennstalls BMC. Ochowicz, von 2002 bis 2006 auch Präsident des US-amerikanischen Radsportverbandes USA Cycling, sagte aber nicht, wie viel Geld sich auf Verbruggens Konto befand. Weisel habe allerdings keinen "direkten Zugang“ gehabt.

Verbruggens finanzielle Verbindungen zu Armstrongs inneren Kreis sollen aber schon im Jahr 1999 begonnen haben, als der damalige UCI-Chef mit Ochowicz zusammenarbeitete. Der war damals auch General Manager der 7-Eleven und Motorola-Teams. Armstrong fuhr von 1992 bis zu seiner Krebserkrankung 1996 für das Motorola-Team. Nachdem der Rennstall aufgelöst worden war, wurde Ochowicz Börsenmakler und heuerte 2001 bei Weisels Firma an, wobei er nach eigener Aussage Verbruggens Konto mit dorthin übertrug.

Besonders pikant ist die Tatsache, dass Weisel nach einer Meldung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung maßgeblich am Börsengang der Bio-Tech-Firma Amgen beteiligt war. Das Unternehmen stellt unter anderem EPO her, das von Sportlern weltweit zu Dopingzwecken verwendet wird. Amgen ist auch Hauptsponsor der Kalifornien-Rundfahrt.

Weder Weisel noch seine Anwälte reagierten auf telefonische Anfragen oder Emails, wie das Wall Street Journal schrieb. Dagegen sagte Verbruggen auf eine Anfrage der Zeitung: „Jetzt wird`s lächerlich.“ Der Nachrichtenagentur AP gegenüber bestätigte Verbruggen zwar den Bericht, sprach aber von einer „kleinen Geldsumme".

„Ich habe Jim einen kleineren Geldbetrag gegeben, damit er ihn für mich verwaltet, und er hat ihn mit übertragen, als er für Thom Weisel arbeitete”, sagte Verbruggen, der im Jahr 2008 in einem Interview mit dem Wall Street Journal noch behauptet hatte, keinerlei geschäftliche Beziehungen zu Ochowicz and Weisel zu unterhalten. „Ich wusste damals nicht, wer Thom Weisel war. Es gibt da überhaupt keine Beziehung. Du gibst einem Burschen, den du magst, einen kleinen Geldbetrag, und zwölf Jahre später endet das alles in einem Dopingfall.”

Scharfe Kritik an den Geschäftsbeziehungen zwischen Weisel und Verbruggen kam von Travis Tygart, dem Chef der US-Anti-Doping-Agentur, die Armstrong jahrelanges Doping hatte nachweisen können.

„Wenn der Kopf des Sports, der für die Durchsetzung Anti-Doping-Regeln verantwortlich ist, geschäftliche Beziehungen mit dem Besitzer des Teams unterhält, das sieben Tour de France-Siege unter Verletzung dieser (Anti-Doping)-Regeln erringt, dann stinkt das sicherlich zum Himmel, vor allem jetzt, da bekannt geworden ist, dass dies alles unter seinen Augen geschah“, sagte Tygart.

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