Profi-Radsport

Ex-Rabobank-Profi gesteht jahrelanges Doping

Boogerd: „Für Bluttransfusionen nach Wien geflogen"

Foto vergrößern06.03.2013 - Amsterdam (dpa/rsn) - Mit Michael Boogerd hat ein weiterer prominenter niederländischer Radprofi jahrelanges Doping zugegeben. „Ich habe EPO genommen, Kortison, und in der letzten Phase meiner Karriere auch Bluttransfusionen durchgeführt", berichtete der 40-Jährige in einem Interview beim TV-Sender NOS, dessen Ausstrahlung für Mittwochabend geplant ist. „Die Zeit, in der ich verbotene Substanzen genommen habe, war von 1997 bis 2007, dem Ende meiner Karriere", sagte Boogerd der niederländischen Tageszeitung Telegraaf.

Der langjährige Rabobank-Fahrer gewann in seiner Laufbahn unter anderem zwei Etappen der Tour de France (1996, 2002), die Gesamtwertung von Paris-Nizza (1999) und im selben Jahr 1999 das Amstel-Gold-Rennen.

Boogerds Name war schon vor Jahren im Zusammenhang mit dem Dopingskandal um die Wiener Blutbank Humanplasma genannt worden, zu deren Kunden unter anderem auch Bernhard Kohl zählte. Der dreifache Niederländische Meister hatte bisher immer alle Vorwürfe bestritten. Nun räumte er ein: „Ich bin für Bluttransfusionen nach Wien geflogen und habe dort mein Blut für den späteren Gebrauch gelagert.“

Wie mehrere seiner ehemaligen Rabobank-Teamkollegen des Traditions-Rennstalls, schwieg Boogerd zu Hintermännern oder Mittätern. „Ich nenne keine Namen. Es passierte alles unter meiner Verantwortung, es war meine Entscheidung“, sagte der Klassikerspezialist, der vor sechs Jahren seine Karriere nach einer schweren Verletzung beenden musste und dann als TV-Experte für NOS arbeitete.

Die Serie von Dopinggeständnissen im internationalen Radsport hatte 2012 mit den Enthüllungen in der Causa Lance Armstrong eingesetzt. Der Texaner gestand dann im Januar systematisches Doping, ohne neue Details preiszugeben. Mit einem ähnlichen Schema trat nun auch Boogerd in die Öffentlichkeit. Namen von anderen Athleten, Ärzten, Betreuern oder Teamchefs fielen auch bei ihm nicht.

„Ich bin kein Verräter“, sagte er dem Telegraaf. „Ich wusste, dass EPO das Wundermittel war. Dass viele im Peloton es benutzten, dass es bei Kontrollen nicht nachweisbar war und dass man es leicht kriegen konnte. Bei meiner ersten EPO-Kur hatte ich nicht das Gefühl, dass ich eine Grenze überschritt, sondern der Gedanke stand im Vordergrund, dass dies einfach zum Profiradsport dazu gehört", meinte Boogerd. „Ich habe es niemals als falsch angesehen.“

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