Kommentar

ARD und ZDF: Revidiert den Fehler „Tour-Ausstieg“!

Von Pit Weber

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22.07.2013  |  (rsn) - Keine Frage, die Deutschen prägten die 100. Tour de France wie kaum eine zuvor: der Coup zum Auftakt auf Korsika mit dem folgenden Tag in Gelben Trikot durch Marcel Kittel, der insgesamt vier Etappensiege errang, darunter den prestigeträchtigen zum Abschluss auf dem Champs-Elisées in Paris; der Sprintsieg von André Greipel in Montpellier; der Zeitfahrtriumph von Tony Martin „im Hattrick“ mit noch dagewesenen drei Etappensiegen durch deutsche Profis an drei Tagen hintereinander; zweite Plätze durch Greipel (2), John Degenkolb, Andreas Klöden und Martin mit Omega Pharma-Quick Step im Mannschaftszeitfahren; die Attacken des Jens Voigt und starke Auftritte von Simon Geschke, Marcus Burghardt, Johannes Fröhlinger und Marcel Sieberg.

Die Bilanz der zehn Deutschen bei dieser Tour war schlichtweg überragend!

Aber bei ARD und ZDF bekamen die Deutschen davon nicht viel mit. Gut, dass es den Spartensender Eurosport gibt, der ausführlich und vor allem live von einer der größten Sportveranstaltungen der Welt berichtete. Die öffentlich-rechtlichen Giganten dagegen speisten ihre Gebührenzahler mit eingekauften 100 Minuten Tour ab. Das sind auf den Tag herunter gerechnet weniger als fünf Minuten!

Obwohl sich nachweislich vieles im früher extrem Doping belasteten Radsport geändert hat, büßt die junge Generation weiterhin für die Verfehlungen aus der Vergangenheit, die zur damaligen Zeit stillschweigend, aber durchaus auch mit öffentlichen Geldern gefördert worden waren und deshalb nicht als „Verbrechen“ galten. Denken wir nur an den „Systemkampf“ zwischen BRD und DDR um Medaillen. Freiburg wurde eben nicht für den Radsport zur Dopingschmiede ausgebaut!

Es wird Zeit für ARD und ZDF, umzudenken und den Fehler „Tour-Ausstieg“ zu revidieren, der womöglich nur ein Feigenblatt war, um Gelder für noch mehr Fußballrechte frei zu machen.

Völlig zu Recht kam bei den Verantwortlichen niemand kurz vor den Leichtathletik-WM in Moskau (10. bis 18. August) auf die Idee, aus der Live-Übertragung auszusteigen, weil neben vielen anderen Top-Sportlern in diversen Disziplinen auch acht der zehn schnellsten 100-m-Sprinter unter Dopingverdacht stehen.

Wir Gebührenzahler haben das Recht, große Sportveranstaltungen live und frei empfangbar miterleben zu dürfen. Besonders dann, wenn unsere Landsleute so erfolgreich sind wie bei der 100. Tour de France.

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