Strohmeier ist bereit, neue Wege zu gehen

Können Investoren die Bayern Rundfahrt retten?

Von Matthias Seng

Foto zu dem Text "Können Investoren die Bayern Rundfahrt retten?"
Die Bayern-Rundfahrt 2016 ist gefährdet. | Foto: Bayern Rundfahrt

08.12.2015  |  (rsn) – Ewald Strohmeier sieht die Chancen, dass die Bayern Rundfahrt auch 2016 wieder stattfinden kann, bei "50:50“. Bis zum 20. Dezember will der Chef des einzigen deutschen Mehretappen-Rennens versuchen, die für die Realisierung der 37. Auflage noch fehlenden 300.000 Euro zusammenzubekommen. Andernfalls müsste die Rundfahrt abgesagt werden, ein erneuter Anlauf würde dann aber 2017 unternommen werden.

Nach 36 Jahren reibungsloser Kooperation hatten die Bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken Strohmeier und dessen Team bereits "vor geraumer Zeit“ mitgeteilt, dass man sich Ende 2015 aus dem Sponsoring zurückziehen werde.

"Wir haben zwar nach der Rundfahrt 2015 noch einmal angestoßen, das Sponsoring in neuer Form  fortzusetzen, auch vor dem Hintergrund der bisherigen hervorragenden Zusammenarbeit mit den Volksbanken Raiffeisenbanken“, sagte Strohmeier im Gespräch mit radsport-news.com. "Die Banken vor Ort waren nach wie vor begeistert von der Bayern Rundfahrt, aber der Verband hat seine Entscheidung nicht mehr revidiert. Natürlich ist es sehr schade, dass es nicht weitergeht, aber wir sind vor allem dankbar für die vergangenen 36 Jahre. Wo findet man im Radsport schon einen Sponsor, der einem Rennen über solch einen langen Zeitraum die Treue gehalten hat.?

So hat man hinter den Kulissen mit Hochdruck an einer "Nachfolgeregelung“ gearbeitet, mit der Strohmeier und sein Team die Grundlagen dafür legen wollen, dass die Bayern Rundfahrt bestehen kann und sich auch weiter professionalisiert. Dazu gehören die Schaffung hauptamtlicher Jobs in der Organisation, die bisher ausschließlich aus freiwilligen Helfern besteht, sowie das Bemühen, eine TV-Produktion auf die Beine zu stellen. Die dabei entstehenden Kosten machten einen nicht unwesentlichen Teil der 300.000 Euro-Lücke aus, so Strohmeier, dem vor allem das Thema Fernsehen ein großes Anliegen ist.

"Wir wissen, dass wir den Fans und den Sponsoren gegenüber in der Pflicht stehen, für eine ausreichende Präsenz im nationalen und internationalen TV zu sorgen. Wir konnten in den vergangenen Jahren auf diesem Gebiet zwar bereits einige Erfolge verbuchen und haben insbesondere 2015 eine deutliche höhere TV-Resonanz erfahren. Aber ohne Investitionen in eine eigene TV-Produktion geht es nicht, wodurch wir ein deutlich höheres Budget als in der Vergangenheit benötigen“, erklärte er.

Dabei ginge es primär gar nicht um eine LIVE-Übertragung, meinte Strohmeier, "denn wir stehen in direkter Konkurrenz zum Giro d’Italia, der auf Eurosport live gebracht wird.“ Stattdessen wolle man dem TV-Publikum abends ausführliche Etappenzusammenfassungen präsentieren.

Zunächst aber geht es darum, die 37. Ausgabe der Bayern Rundfahrt zu sichern – und dabei ist Strohmeier, der das Rennen 1980 aus der Taufe gehoben hat und seitdem als Rundfahrtleiter verantwortlich zeigt, durchaus bereit, neue Wege zu gehen. "Es gibt diverse Anfragen und als Option auch das Modell, die Bayern Rundfahrt komplett privatwirtschaftlich zu organisieren“, erklärte der 66-Jährige. Parallel dazu befinde man sich aber nach wie vor auf Sponsorensuche.

Um wen es sich bei den potenziellen Investoren handele, wollte Strohmeier nicht sagen, aber "wenn man sich die Landschaft anschaut, dann weiß man, welche Agenturen dafür in Frage kommen könnten. Ich denke, die Bayern Rundfahrt würde in das Portfolio vieler Anbieter passen.“

Die für 2017 vorgesehene neue WorldTour käme Strohmeier gar nicht gelegen, sollte die Bayern-Rundfahrt 2016 aussetzen müssen. "Kommt die Reform 2017, wäre es schlecht für uns. Denn dann hätten wir keine Möglichkeit, uns für den Turnus ab 2017 für die WorldTour zu bewerben“, sagte er. Mit dem Termin 2018 käme man daher im Fall einer Absage besser zurecht. Sollte die Austragung 2016 gesichert werden können, ist ein Aufstieg in die WorldTour aber auch keine reine Formsache, darüber ist sich der Chef der Bayern Rundfahrt im Klaren.

"Die Konkurrenz ist groß, mit Rennen wie der Türkei-Rundfahrt oder auch der Kalifornien-Rundfahrt. Umso mehr ist es unser Anliegen, jetzt die Weichen richtig zu stellen“, sagte Strohmeier, der als Rundfahrtchef, der nichts ans Aufgeben denkt: "Ich könnte mir schon vorstellen, noch zwei, drei Jahre die Rundfahrt zu führen und meine Erfahrungen in ein neugeformtes Team von Partnern und Sponsoren einzubringen. Aber mit 70 möchte ich dann nicht mehr aktiv sein. Irgendwann müssen mal die Jungen ran“, betonte er.

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