Neoprofi Andersen sorgt für die Lichtblicke

Giant-Alpecin kämpft sich mit Mini-Aufgebot durch Katar


Das Giant-Alpecin-Aufgebot bei der Katar-Rundfahrt | Foto: Cor Vos

12.02.2016  |  Doha (dpa) - Einen guten Monat ist es gerade einmal her, als die Profis des deutschen Giant-Alpecin-Teams bei der Präsentation in der italienischen Botschaft in Berlin auf die Reise ins Jahr 2016 geschickt wurden.

Große Ziele und strahlende Gesichter bestimmten das Bild. Viel übrig geblieben ist davon nicht mehr. Bei der Katar-Rundfahrt ist dies augenscheinlich. Mit einem Mini-Aufgebot von fünf Fahrern kämpft sich die Mannschaft über die Wüstenstraßen, wirklich konkurrenzfähig ist das Team so natürlich nicht.

Von den 27 Fahrern stehen der Sportlichen Leitung derzeit nur 16 zur Verfügung. Neben den sechs bei dem Horrorunfall in Spanien verletzten Fahrern, darunter auch Kapitän John Degenkolb, kurieren drei weitere Profis Verletzungen aus, zwei andere haben ohnehin einen späteren Saisoneinstieg. "Mit dem Fehlen von John sind drei Monate unserer Saison ruiniert", sagte Routinier Johannes Fröhlinger.

Eigentlich sollte sich Degenkolb in Katar für die Frühjahrsklassiker einfahren. Stattdessen kuriert er in der Heimat seine schweren Verletzungen nach dem schlimmen Unfall in Spanien aus, als eine Britin mit ihrem Auto quasi die gesamte Trainingsgruppe von der Landstraße gefegt hatte. "Wir haben uns den gesamten Winter auf die Klassiker vorbereitet, um für John hart zu arbeiten", klagte der Sportliche Leiter Marc Reef.

Degenkolb wird das Frühjahr ausfallen, eine Wiederholung der Vorjahressiege bei den Monumenten Mailand - Sanremo und Paris - Roubaix ist unmöglich. So sind es aktuell die kleinen Freuden, mit denen sich das Team zufrieden geben muss. Wie etwa die Tatsache, dass der dänische Neoprofi Sören Kragh Andersen in Katar bester Jungprofi ist.

Angesichts der Misere erscheint es als Fehler, dass der Rennstall zum Ende des vergangenen Jahres Sprintstar Marcel Kittel nach einigen Misstönen trotz laufenden Vertrages ziehen ließ. "Er ist ein Sieggarant, wenn er in Form ist, aber das war er fast das gesamte letzte Jahr nicht", meinte Fröhlinger.

Nach seinem Wechsel zu Etixx-Quick-Step scheint Kittel aber wieder aufzublühen, wie er bei der Dubai-Tour mit zwei Etappenerfolgen und dem Gesamtsieg bewies. Reef schaut allerdings neidlos auf das prächtige Comeback seines früheren Schützlings. Dass die Schuld an Kittels Seuchensaison 2015 beim Team liege, weist er aber von sich. "Wenn etwas nicht gut läuft, liegt es niemals nur an einer Seite", meinte der Niederländer. Und manchmal sei ein Wechsel des Umfelds auch für einen Fahrer gut. "Das bringt neue Motivation - und es ist großartig zu sehen, dass es bei Marcel jetzt so gut läuft."

Für Giant-Alpecin ist das nächste größere Ziel nun die Fernfahrt Paris-Nizza, wo Tom Dumoulin erste Erfolge einfahren will. Der Niederländer geht ebenfalls als Kapitän mit Podiumshoffnungen in den Giro d`Italia. Und spätestens bei der Tour sollen Rundfahrer Warren Barguil und Sprinter Degenkolb wieder vorn mitmischen.

Degenkolb müsste sich dann die Sprintankünfte auch nicht mehr mit einem Co-Kapitän Kittel teilen. Er muss ihn dann freilich besiegen. "Doch erst einmal sollen alle Fahrer gesund werden", sagte Reef. Wie schwer das ist, musste er auch in Katar feststellen. Von seinem Quintett waren nur zwei Akteure nicht in Stürze verwickelt.

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