Überlegener Sieg bei Zeitfahr-DM

Martin krönt bei 35 Grad Tour-Formtest mit sechstem Titel


Tony Martin (Etixx-Quick-Step) hat zum sechsten Mal die Deutschen Zeitfahr-Meisterschaften gewonnen. | Foto: Cor Vos

24.06.2016  |  Streufdorf (dpa/rsn) – Der fünfte Titel in Serie und der sechste insgesamt war reine Formsache. Top-Favorit Tony Martin (Etixx-Quick-Step) hat sich am Freitag überlegen die Deutsche Meisterschaft im Zeitfahren gesichert.

Im thüringischen Streufdorf holte sich der 31 Jährige bei hochsommerlichen Temperaturen von 35 Grad über 41 Kilometer den Sieg in 49:14 Minuten und ließ der Konkurrenz nicht den Hauch einer Chance.

Martins Zeit auf dem welligen und kurvigen Parcours bei Temperaturen entsprach einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 49,97 km/h. Acht Tage vor dem Start der 103. Tour de France präsentierte sich der Wahl-Schweizer in Top-Form und verwies den Freiburger Jasha Sütterlin (Movistar/+ 1:39) und den Kölner Nils Politt (Katusha/+2:23) mit deutlichem Abstand auf die Plätze. Schon bei der Zwischenzeit bei der Hälfte der Strecke lag er 1:08 Minuten vor dem 23-jährigen Sütterlin, der seine gute Form vom Giro d’Italia und aus der Tour de Suisse bestätigen konnte.

“Ich bin froh, dass es wieder geklappt hat. Der anspruchsvolle Kurs, die Temperaturen, es war kein leichter Tag für mich. Aber jetzt genieße ich es. Es war mein erstes langes Zeitfahren in dieser Saison und mein erster Saisonsieg“, sagte Martin und ergänzte: "Ich bin sehr zufrieden, wie es lief. Wichtig war mir dabei, dass der Abstand zum Zweitplatzierten nicht zu knapp ausfiel, das hat mir dann gezeigt, dass meine Form in Richtung Tour de France stimmt. Ich glaube, der Test ist heute gelungen, obwohl ich wegen der Hitze auf den letzten zehn, 15 Kilometern Substanz gelassen habe“, kommentierte Martin seinen sechsten Zeitfahrtitel auf nationaler Ebene.

Sütterlin, der vor dem Rennen gegenüber radsport-news.com das Podium und die Begrenzung seines Rückstandes auf den dreimaligen Zeitfahrweltmeister auf unter zwei Minuten als seine Ziele angegeben hatte, konnte angesichts des Ergebnisses rundum zufrieden sein. "Zweiter hinter Tony zu werden, das geht in Ordnung“, sagte der Movistar-Profi und fügte an, dass ihm die Streckenkenntnis geholfen hätte. "Ich bin hier in und um Streufdorf schon zwei Zeitfahren während der Thüringen-Rundfahrt gefahren und kenne mich daher hier gut aus.“

Und auch der 22-jährige Neo-Profi Politt strahlte: "Ich fahre mein erstes Jahr in der Elite, wollte unter die besten Fünf kommen. Das habe ich geschafft“, sagte der 1,92 Meter lange Rheinländer, der 2014 in der U23-Klasse Deutscher Meister und im vergangenen Jahr Zweiter geworden war.

Der Vorjahresdritte Stefan Schumacher (Christina Jewelry), unmittelbar vor Martin gestartet und von diesem überholt, erhielt eine 90-Sekunden-Zeitstrafe wegen Windschattenfahrens und belegte mit 3:45 Minuten letztlich Rang sieben. Vor dem 35-jährigen Nürtinger landeten der gebürtige Erfurter Patrick Gretsch (Ag2R/4./+2:37) sowie das starke Kuota-Lotto Duo Daniel Westmattelmann (5./+3:29) und Raphael Freienstein (6./+3:36).

Enttäuschend endete der erste Profistart für Lennard Kämna (Stölting). Der U23-Zeitfahrmeister des vergangenen Jahres, der in dieser Saison nicht in Schwung kommt, wurde mit 4:02 Minuten Rückstand lediglich Zehnter, noch hinter Florian Bissinger (WAS-Greenlife/8./+3:58) und dem Amateur Tobias Erler (RSC Kempten/9./+4:01).

Das Warmfahren vor dem Rennen auf der Rolle stand bei den schon am Morgen hohen Temperaturen unter besonderen Voraussetzungen. Titelverteidiger Martin war im Schatten eines Hotelgartens von Ventilatoren umringt. In den Nacken hatte er zudem eine mit Eiswürfeln gefüllte Socke gelegt, am Oberkörper trug er eine Eisweste. "Bei solchen Temperaturen ist es wichtig, nicht schon überhitzt an den Start zu gehen“, sagte sein Sportdirektor Jan Schaffrath.

Den anspruchsvollen Kurs hatte Martins Manager Jörg Werner vom Ausrichter Team Spirit ausgewählt und sich etwas von Ansprüchen leiten lassen, die in Rio auf seinen Schützling warten. "Der Olympia-Kurs ist aber noch viel schwieriger“, meinte Schaffrath, der die Strecke oberhalb der Copacabana im Vorjahr mit Martin inspiziert hatte.

Ähnlich äußerte sich Martin selber: "Diese DM war schwerer als in den letzten Jahren, aber Rio wird noch mal eine Schippe anspruchsvoller“, so der alte und neue Titelträger, dem im Übrigen beinahe ein ähnlicher Fauxpas wie bei der Zeitfahr-DM 2014 unterlaufen wäre. "Fast wäre ich wieder der Ableitung der Fahrzeuge gefolgt wäre, wie vor zwei Jahren in Baunatal“, lachte er.

Tony Martin im Video-Interview: