Wagners Tour-Tagebuch

Ein Ruhetag zur rechten Zeit

Von Robert Wagner und Sebastian Paddags

Foto zu dem Text "Ein Ruhetag zur rechten Zeit "
Robert Wagner (LottoNL-Jumbo) | Foto: Cor Vos

18.07.2017  |  (rsn) - So ein Ruhetag zur rechten Zeit ist doch was Feines! Die Sonne scheint, es ist angenehm warm und wir sind in St. Etienne. Es ist wirklich schön hier, und wenn ich nicht noch eine komplette Woche per Velo quer durchs Land cruisen müsste, dann könnte man hier ernsthaft über eine kleine Bergwanderung nachdenken… Na gut, wer mich kennt, der weiß, dass ich von einer tatsächlichen Umsetzung grade ungefähr so weit entfernt bin, wie der Mond von der Erde - aber man hat an Tagen wie heute ja doch relativ viel Zeit und da kommt man schon mal auf so wilde Gedanken.

Unser Ruhetag war wirklich sehr entspannt und tat allen mal richtig gut. Ich bin sogar so entspannt hier, dass ich beinahe vergessen hätte, Paddi anzurufen - aber wie Ihr seht, haben wir es doch noch geschafft. Wär ja auch 'nen Ding, wenn wir ausgerechnet am Ruhetag den Blog versemmeln…

Meine zuletzt noch beklagten Sitzprobleme haben sich glücklicherweise wirklich stark gebessert, und somit konnte ich mich heute gemeinsam mit den Teamkollegen auch für eine kleine Runde auf den Bock setzen. Ihr könnt auch das nicht vorstellen, aber so ein "Sitzharry“ ist wirklich das nervigste, was Du bei so einer großen Rundfahrt haben kannst.

Wir haben uns heute eine Ausfahrt über gute 90 Minuten durch die geile Landschaft gegönnt und mussten trotz gemäßigtem Tempo feststellen, dass man hier fast gar nicht ruhig machen kann. 700 Höhenmeter waren es am Ende trotzdem und somit ist das mit der Bergwanderung definitiv wieder aus meinem Kopf gestrichen.

Ob man am Ruhetag die Beine bewegt und den Motor mal etwas hochfährt, oder ob man es ganz lässt oder nur sehr ruhig macht, entscheidet jeder am Ende selbst. Fast alle Rennfahrer tendieren aber dazu, sich zumindest etwas zu bewegen. Ich habe heute einfach nur den Körper "etwas durchblutet“ und keine größeren Aktionen eingebaut. Eigentlich tun mir ein paar härtere Tritte immer ganz gut, aber in Anbetracht der letzten beiden Wochen, kann man da jetzt auch mal drauf verzichten. Wer wird denn kleinlich sein in dieser großen Zeit?

Jeder hat heute also so gut es ging gechillt und wie schon gesagt, an der Erholung hat es heute definitiv nicht gelegen bei mir - und bei den Teamkollegen sicherlich auch nicht. Paul (Martens) hatte Besuch von seiner Familie, was natürlich am Ruhetag eine sehr großartige Sache ist, und auch die anderen Jungs ließen es sehr ruhig angehen. Dank Netflix und anderen Streamingportalen sind auch Filme und Serien hier grade sehr beliebt. Wann hat man auch sonst schon mal regelmäßig Zeit, drei Wochen lang jeden Abend 1 - 2 Stunden oder länger vor der Kiste zu hocken bzw. zu liegen?

Ansonsten ist es ja an Ruhetagen auch schon traditionell so, dass es Termine mit der Presse gibt und dass eventuelle News der Teams vorgestellt werden. Bei uns gab es heute beides! Zunächst hatten wir einen wirklich sehr entspannten Pressetermin, bei welchem Fragen gestellt werden konnten und wir recht easy mit den Reportern ins Gespräch kamen. Das beste dabei war, dass unser Koch Jesper Boom uns zu diesem Anlass sogar eine leckere und gesunde Pizza kredenzte, die wir sozusagen parallel naschen konnten. Das war echt lecker, mit viel Gemüse und wenig ungesunden Sachen drauf - ich glaube, ich werde so einen "eigenen“ Koch nach der Tour echt vermissen.

Dann hatten wir die Ehre, noch einen neu gewonnenen Sponsor für das Team vorzustellen. Ab dem nächsten Jahr wird auf unserem Trikot auch "Vivit“ zu finden sein. Die Jungs beliefern uns mit Sporternährung, Nahrungsergänzungsmitteln und eben vor allem mit Riegeln und Gels. Das Besondere wird sein, dass wir bei der Entwicklung von neuen Produkten mithelfen werden und ich denke, da wird sicherlich was Gutes bei rumkommen. Erste Gespräche bezüglich möglicher Aktivitäten unsererseits gab es gestern dann auch schon.

Nach diesen beiden offiziellen Terminen hatte ich dann selbstverständlich auch Zeit für ein Mittagsschläfchen und auf dem Weg zum Zimmer traf ich im Fahrstuhl dann noch auf Steve Cummings und Edvald Boasson Hagen. Die warfen die Frage in den Raum, wo denn morgen wohl die Reise hingehe. Da waren sie bei mir natürlich genau an der richtigen Adresse und ich gab ihnen zu verstehen, dass es da ja wohl eher von ihnen abhänge. Schließlich sind die beiden bergtechnisch auf jeden Fall kurz vor Ihrem Diplom, während ich diesbezüglich noch in der Grundschule abhänge…  Wir unkten dann ein bisschen rum und es wurde noch ein wichtiger Spruch gebracht, den Ihr definitiv kennen müsst! Dazu muss ich aber kurz erklären:

Als vor ein paar Jahren die Tour auf Korsika startete und der Orica-Bus das Ziel beinahe eingerissen hätte (der Bus hatte sich unter dem Zielbogen verklemmt und konnte erst nach langen Minuten des Bangens befreit werden), stand zur Debatte, dass das Ziel um 1 oder 2 Kilometer vorverlegt wird. Dazu kam es dann aber doch nicht und alles blieb wie gehabt. Aber: Die Rennfahrer um Marcel Kittel bekamen einen legendären Funkspruch aufs Ohr, der da lautete: "Guys - the finish is where the finish is!“, da schlussendlich das Ziel eben dann doch da war, wo es sein sollte.

Mit der Aussage konnten die Jungs aber absolut gar nichts anfangen, da sie ja die ganze Vorgeschichte nicht mitbekommen hatten. Für sie war es ja völlig logisch, dass das Ziel da ist, wo es nun mal ist und sie waren ziemlich perplex. Somit wurde diese Aussage legendär, So - und morgen (Dienstag) ist das Finale auf den letzten knapp 30 Kilometern identisch mit dem von Paris-Nizza in diesem Jahr. Da hatte André Greipel die Etappe gewonnen und ich finde, diese Anfahrt war ziemlich cool. Allerdings ist morgen das Finale zwar absolut identisch, jedoch liegt das Ziel rund zwei Kilometer weiter hinten. Daher kam dieser Spruch, dass das Ziel da ist, wo es ist, in den letzten Tagen auch häufiger mal, und Ihr als Insider müsst das nun natürlich auch verstehen. Alles klaro?

Ansonsten wird es neben der allgemein zu erwartenden Spannung in der letzten Woche morgen auch für mich noch mal spannend, denn die ersten 20 Kilometer gehen bergauf. Auch geht es danach nicht gleich runter, sondern wird in Kombination mit dem zu erwartenden Wind wohl wieder eine hoch explosive Mischung werden. Mein Finale ist also wieder mal gleich zu Beginn und wenn es gut läuft, dann am Ende noch mal, mit Dylan Groenewegen im Schlepptau beim Sprint.

Tja und die letzte Woche der Tour vergeht natürlich auch immer sehr schnell. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag muss ich noch mal mit den Bergen kämpfen - dann habe ich es eigentlich überstanden und es geht bis Paris nur noch "bergab“. Das Zeitfahren am Samstag wird super - sowas kann ich eigentlich immer ganz gut und der Sonntag in Paris wird sowieso großartig, da müssen wir gar nicht drüber reden. Man könnte sich das also jetzt auch alles schon wieder schön reden!

Und jetzt noch ein Special für Euch alle, die Ihr immer so fleißig den Blog lest und mit uns mitfiebert, lacht und leidet: Wir haben uns nur für Euch ein kleines Gewinnspiel überlegt, bei dem Ihr als Hauptpreis ein original Robert-Wagner- Teamtrikot (mit Deutschen-Meister-Streifen am Arm) gewinnen könnt. Auf Wunsch natürlich auch gerne handsigniert.

Zusätzlich gibt's Wagi-Fan-Pakete bestehend aus Rennmütze, Handschuhen und Socken sowie zwei von Paddi's Büchern "DNF“. Alles was Ihr dazu tun müsst, ist Folgendes:
-> Bei Facebook auf die Seite "DNF - Dienstreise Nach Frankreich“ gehen.
-> dort zum Beitrag "Wagis Tourblog-Gewinnspiel“ gehen und diesen liken
-> in die Kommentare ein Foto von Euch in der "Wagnerrechten“ (egal wo) posten und dazu schreiben, was ihr schätzt, wie groß Wagis Rückstand im Gesamtklassement am Ziel in Paris sein wird.

Teilnehmen dürfen auch aktive Profis, die grade bei der Tour sind - hier gibt es aber eine Extrawertung! Unter allen Teilnehmern verlosen wir unter anderem das Trikot + Buch per Losverfahren. Für die beste geschätzte Zeit gibt es Rennmütze+Socken+Handschuhe+Buch.

Teilnahmeschluss ist Sonntag, bevor die letzte Etappe startet. Bei facebook wird alles auch noch mal genau erklärt. Eure Tipps+Fotos:
-> https://www.facebook.com/dienstreisenachfrankreich/

Nun viel Spaß Euch beim Mitmachen, wir sind gespannt, was Ihr Euch so einfallen lasst, und verabschieden uns bis morgen.

Wagi und Paddi

Mehr Informationen zu diesem Thema

24.07.2017Etappensieg für Dylan!

(rsn) - Hallo liebe Gemeinde, wenn Ihr das Finale der letzten Etappe am gestrigen Abend mitverfolgt habt, ist Euch sicherlich nicht entgangen, dass der Traum: "Etappensieg für Dylan“ nun wirklich a

23.07.2017Vier Typen im Verfolgungsmodus an der Wand von Marseille

(rsn) - Marseille, eine Stadt, die in meiner sportlichen Laufbahn noch nicht allzu oft in Erscheinung getreten ist und somit eine Stadt, die mich heute sehr positiv überrascht hat. Bereits beim War

22.07.2017Eine arbeitnehmerfreundliche Sportaktivität

(rsn) - Du weißt, dass Du es nun beinahe geschafft hast, wenn "der Dicke“ Dich am Telefon mit den Worten "Gratu! Wenn Du Dich jetzt nicht noch völlig behindert anstellst, dann sollte ja Paris für

21.07.2017Gar nicht mal so lahm für einen "Ruhetag"

(rsn) - Sollte der Sportsfreund Thomas "The Duracell Hase“ De Gendt am Sonntag in Paris NICHT die rote Nummer für den angriffslustigsten Fahrer gewinnen, dann läuft irgendwas falsch - und zwar gew

20.07.2017Champagner - Rogla holt den Etappensieg für unser Team!

(rsn) - Hallo Freunde. Der Mittwoch brachte wirklich mehr als eine akute Reizüberflutung mit sich. Ich fange am besten mal ganz vorne an, denn dann laufe ich nicht Gefahr, irgendwas zu vergesse

17.07.2017Gesichtslähmung dank "Google Maps"

(rsn) - Heute weiß ich schon wieder gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich liege hier grade auf dem Rückweg von der Etappe zum Hotel auf´m Boden unseres Teambusses und mache mich lang. Inzwischen ken

16.07.2017De Gendt brachte den Asphalt zum Schmelzen

(rsn) - Die Tour bleibt spannend, Froomey hat seine gelbe Trikotage zurück, Aru fährt nun wieder als "Italiener“ durch Frankreich, und dieses Finale heute (Samstag) war auf jeden Fall mal wieder s

15.07.2017It´s always good to have an Eisel in the Gruppetto

(rsn) - Vorweg ein paar "angeschwitzt, knackige“ Minuten auf der Rolle. Im Hauptgang einhundert und eins "bezaubernde“ Kilometer, garniert mit drei "herausragenden“ Cols, serviert an übertrie

14.07.2017Bergfahren ist eine andere Sportart

(rsn) - Ein Blick in´s Tourbuch weckt Erinnerungen in meinem Radfahrergedächtnis. Dieses Finale kommt mir doch irgendwie bekannt vor. Waren wir da letztes Jahr bei der Tour nicht auch? Immerhin hatt

13.07.2017Tausche Salami gegen Leberwurst!

(rsn) - Hallo aus Pau. Auf die Plätze, fertig…los. Bei Kilometer 0 nehmen drei Mann, darunter natürlich einer von Wanty, ihre Beine in die Hand, fahren um ihr Leben - und einer von ihnen schafft e

12.07.2017Bak hatte Bock!

(rsn) - Etappe Numero 10 durch die Dordogne war in doppelter Hinsicht besonders. Einerseits kennen wir die Region hier wie erwähnt noch aus U23-Zeiten und andererseits war auch Paddi an diesem Dienst

11.07.2017"...so gehe auch mal gar nicht!"

(rsn) - Ich kaufe ein "R“ und möchte lösen: Ruhetag! Getreu dem Motto der bereits zitierten alten Chinesen "Wenn Du schnell ans Ziel willst - so gehe langsam!“ habe ich heute (Montag) versucht,

Weitere Jedermann-Nachrichten

13.05.2024Martinez und Bora wollen nicht nur Platz 2 verteidigen

(rsn) – Sollte der Status Quo beim Giro d´Italia auch nach der Schlussetappe in Rom noch Bestand haben, so wäre man bei Bora – hansgrohe sicher zufrieden. Ein zweiter Gesamtplatz mit Kapitän Da

13.05.2024Radsport live im TV und im Ticker: Die Rennen des Tages

(rsn) – Welche Radrennen finden heute statt? Wo und wann kann man sie live im Fernsehen oder Stream verfolgen? Und wo geht´s zum Live-Ticker? In unserer Tagesvorschau informieren wir jeden Morgen

13.05.2024Schachmann: Etappenjäger in wichtiger Doppelfunktion

(rsn) – Maximilian Schachmann (Bora – hansgrohe) hat sich von seinem Sturz 58 Kilometer vor dem Ziel der 9. Etappe beim Giro d´Italia bereits recht gut erholt. Das bestätigte der 30-Jährige am

13.05.2024Mit Rouvy Grand-Tour-Recon im Wohnzimmer?

(rsn) - Analoge und digitale Welten verschränken sich immer mehr, auch beim Radsport. Auf besondere Weise dreht Rouvy mittlerweile die Schraube weiter. Auf der 2017 von den Brüdern Petr und Jiri Sam

13.05.2024Bergankunft Nr. 3: Kurze Etappe, langer Schlussanstieg

(rsn / ProCycling) – Schon in der ersten Woche des 107. Giro d´Italia hat es Ausreißversuche gegeben, die von Erfolg gekrönt waren. Doch erst die 10. Etappe durch den südlichen Apennin weist ein

13.05.2024Erholter Démare kehrt in Dünkirchen ins Feld zurück

(rsn) – Nachdem er aufgrund von Erschöpfungserscheinungen seine Klassikerkampagne bereits nach Gent-Wevelgem am 27. März hatte beenden müssen, kehrt Arnaud Démare (Arkéa - B&B Hotels) in seiner

13.05.2024Thomas kritisiert Neapels Straßen: “War ein absolutes Gemetzel“

(rsn) – Ein astreiner Massensprint und breite Straßen auf den letzten Kilometern: Auf den ersten Blick war das Finale der 9. Etappe beim Giro d´Italia in Neapel nichts Besonderes. Doch im Peloton

13.05.2024Die letzten Hügel taten Milans Beinen weh

(rsn) – Im vergangenen Jahr musste sich Jonathan Milan in Neapel am Ende der damaligen 6. Giro-Etappe Mads Pedersen geschlagen geben. Damals stand der Italiener noch bei Bahrain Victorious unter Ver

13.05.2024Bringt der Flèche du Sud den erhofften “Bumms“?

(rsn) - Gleich fünf der neun deutschen Kontinental-Teams waren in der vergangenen Woche beim Fléche du Sud (2.2) dabei. In Luxemburg standen sie allerdings zumeist im Schatten ihrer für internatio

12.05.2024Trotz widriger Umstände rast Kooij beim Giro zum ersten Sieg

(rsn) - Die ersten beiden Massensprints des diesjährigen Giro d’Italia (2. UWT) liefen nicht nach dem Geschmack von Olav Kooij und seinem Team Visma – Lease a Bike. Doch die dritte Chance konnte

12.05.2024Krieger bei Sturz auf 9. Giro-Etappe schwer verletzt

(rsn) – Nach einem schweren Sturz im Finale der 9. Etappe musste Alexander Krieger mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Wie sein Team Tudor am Abend auf X mitteilte, sei der St

12.05.2024Auch ohne Sieg ist Buchmann ein Gewinner der Ungarn-Rundfahrt

(rsn) – Den Frust über seine Giro-Ausbootung hat Emanuel Buchmann (Bora – hansgrohe) in viel Angriffslust umgewandelt. Nachdem er bereits am 1. Mai bei Eschborn-Frankfurt (1.UWT) mit einer offens

JEDERMANN-RENNEN DIESE WOCHE
  • Keine Termine