Erfurterin will bei Bahn-EM dennoch Gold

Vogel: Ihr Erfolgstrainer betreut jetzt die Konkurrenz aus China

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Kristina Vogel will in Berlin EM-Gold gewinnen. Foto: Maurizio Gambarini

18.10.2017  |  Berlin (dpa) - Sie ist "die mit dem Sattel". Kristina Vogel, die im Olympia-Sprint-Finale Gold holte, obwohl ihr beim entscheidenden Tigersprung über die Ziellinie der Rennsattel wegbrach, ist der große Star der Bahn-EM im Berliner Velodrom.

Die 26 Jahre alte Erfurterin hofft, ab Donnerstag ohne ähnliche artistische Einlagen wie in Rio auszukommen. "Mein Mechaniker hat heute noch Alpträume. So etwas ist natürlich nicht planbar, aber im Nachhinein muss ich sagen: Als PR-Maßnahme nicht schlecht", sagte Vogel zwei Tage vor dem Start der Kontinental-Wettkämpfe in der Hauptstadt.

Der für manche etwas dröge Bahnradsport ringt - trotz großer Erfolge der einheimischen Protagonisten auf internationalem Parkett - um Beachtung und Wertschätzung. Davon kann auch Kristina Vogel ein Lied singen. Sie verlor im September ihren langjährigen Heimtrainer Tim Zühlke an den zahlungskräftigen chinesischen Verband, bei dem er laut Vogel "viel, viel mehr verdient". Da konnten und wollten der Olympiastützpunkt in Thüringen und das Bundesinnenministerium wohl nicht mithalten.

"Wer Gold will, muss Gold fördern", sagte die enttäuschte Vogel, die sich keine Rückendeckung vom Deutschen Olympischen Sportbund und dessen Präsidenten Alfons Hörmann. "Ich glaube, das interessiert Herrn Hörmann nicht so". Die Elite-Fahrerin erwartet durch den Trainerwechsel direkt sportliche Nachteile: "Tim trainiert jetzt meine härteste Konkurrentin Tianshi Zhong. Er kennt mich aus dem Effeff."

Dennoch will die Doppel-Olympiasiegerin und neunmalige Weltmeisterin in Berlin ihre ohnehin schon imposante Medaillensammlung erweitern. "EM-Gold im Teamsprint fehlt mir noch", sagte die in Kirgistan geborene Vogel, die in Berlin in drei Disziplinen startet. Mit ihrer Stammpartnerin Miriam Welte, mit der sie in London Olympiagold geholt hatte, will sie unbedingt Europameisterin werden. "Die Russinnen werden die härtesten Konkurrentinnen sein", vermutete Sprint-Bundestrainer Detlef Uibel, der mit seinen Ladies schon seit Monatsbeginn auf der für zwei Millionen Euro renovierten Berliner Bahn aus sibirischer Fichte trainiert.


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