Denz kommt ohne Gehirnerschütterung davon

Pömer: “Hatten anfangs auch ein schlechtes Gefühl bei Nico“

Von Matthias Seng

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Nico Denz (Red Bull - Bora - hansgrohe) | Foto: Cor Vos

14.05.2026  |  (rsn) – Nicht nur die Eurosport-Kommentatoren Rolf Aldag und Robert Bengsch konnten nicht recht nachvollziehen, warum Nico Denz (Red Bull – Bora – hansgrohe) nach seinem schweren Sturz 100 Kilometer vor dem Ziel der 6. Giro-Etappe das Rennen fortsetzte. So eindeutig waren die Bilder: Nachdem er ausgangs eines Kreisverkehr weggerutscht und mit dem Kopf auf dem Asphalt aufgeschlagen war, schaffte es der offensichtlich benommene dreimalige Giro-Etappensieger nicht, aus eigenen Kräften aufzustehen.

Auch als ihm ein Zuschauer und ein Polizist halfen, wirkte der 32-Jährige ausgesprochen wackelig auf den Beinen. Schließlich setzte Denz sich wieder auf sein Rad und kam mit knapp vier Minuten Rückstand auf Etappensieger Davide Ballerini (XDS – Astana) in Neapel an.

Im Ziel konnte sein Sportlicher Leiter Christian Pömer dann aber Entwarnung geben. "Anfangs hatten wir auch ein ganz schlechtes Gefühl bei Nico“, gab der Österreicher im Gespräch mit Eurosport zunächst auch eigene Bedenken zu. “Zum Glück hatten wir unseren Teamarzt im zweiten Auto. Der hat drei oder vier Checks mit Nico gemacht“, erläuterte Pömer, weshalb Denz “Grünes Licht“ erhielt und betonte: “Er hat jedenfalls offensichtlich keine Gehirnerschütterung und keine großen Gesundheitsprobleme."

Denz selber sei "ziemlich wütend über den blöden Crash“ gewesen, so Pömer vorm Team-Bus weiter. “Ich habe ihn jetzt erstmal allein gelassen. Es ist außerdem ziemlich frustrierend, so früh im Giro zu stürzen. Wir werden später mit ihm reden, aber ich denke, dass es ihm gut geht.“

Der Sturz geschah kurz nach der einzigen Bergwertung des Tages in Cava de‘ Tirreni. “Er hat die Kontrolle über das Vorderrad verloren, denke ich. Er ist einfach weggerutscht. Die Straße war nass und er ist weggerutscht“, erklärte Pömer. Allerdings zeigten die Bilder, dass die Strecke an dieser Stelle weitgehend abgetrocknet war.

Vor Denz ging zunächst sein Teamkollege Ben Zwiehoff zu Boden. Der Essener konnte aber wie auch der Portugiese Nelson Oliveira (Movistar) das Rennen schnell und offenbar ohne Blessuren fortsetzen. Pömer nahm den Sturz aber zum Anlass, auf ein grundsätzliches Problem hinzuweisen: “Wir wissen alle, dass die Straßen in dieser Gegend sehr rutschig sind, wenn sie nass werden. Leider lernen wir nie daraus und kommen trotzdem jedes Jahr zurück“, kritisierte er die Organisatoren des Giro für die Etappenauswahl. In Neapel machte die Italien-Rundfahrt nun bereits zum fünften Mal in Folge Station.

Von Denz abgesehen, kamen alle anderen Red-Bull-Profis sicher mit dem Feld in Neapel an, wo es dann auf nassem Kopfsteinpflaster kurz vor dem Ziel zu einem weiteren Sturz kam, der den Sprintern die Siegchancen raubte. Da die Raublinger bei der ersten Grand Tour des Jahres aber auf einen schnellen Mann verzichten, konnten sie sich aus dem späten Chaos heraushalten.

Blockhaus “erster Gradmesser, wo wir stehen“

Das war auch nötig, schließlich steht am Freitag am Blockhaus die erste Bergankunft dieses Giro an – da werden Giulio Pellizzari und Jai Hindley gefordert sein. “Morgen ist die Etappe schwer und lang. Das Wetter wird wieder nicht toll. Es wird schwer zu kontrollieren sein und ich weiß nicht, ob der Sieger aus der Fluchtgruppe oder aus dem Feld kommen wird. Trotzdem ist es für uns der erste Gradmesser, wo wir stehen“, blickte Pömer auf die mit 244 Kilometern längste Etappe der Italien-Rundfahrt 2026 voraus.

Angesichts von rund 4.500 zu bewältigenden Höhenmetern werden “unsere beiden Klassementfahrer Jai und Giulio entweder Zeit auf Jonas (Vingegaard) gewinnen oder verlieren“, benannte Pömer auch den größten Gegner seiner Kapitäne. Sollte der Däne seine bisher schon starken Auftritte bei diesem Giro fortsetzen, dürfte es den Gegnern schwer fallen, Vingegaard am 13,6 Kilometer langen und 8,4 Prozent steilen Schlussanstieg zu folgen.

Für Pömer wäre damit der Giro aber noch längst nicht gelaufen. “Wie es auch endet: Es ist nicht wichtig, wo wir morgen landen, sondern wo unsere GC-Fahrer in Piancavallo in zweieinhalb Wochen liegen“, bezeichnete er die 20. Etappe mit der letzten Bergankunft des diesjährigen Giro als die im Kampf um das Rosa Trikot entscheidende.

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