Erster italienischer Etappensieg beim Giro

Ballerini profitiert in Neapel vom Sturz-Chaos in der letzten Kurve

Von Sebastian Lindner

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Davide Ballerini hat dem Team XDS - Astana den bereits zweiten Tagessieg beim 109. Giro d’Italia (2.UWT) beschert. | Foto: Cor Vos

14.05.2026  |  (rsn) – Kopfsteinpflaster und Regen ist selten eine gute Kombination, vor allem nicht auf glitschigen Straßen in Innenstädten. Das bewies auch das Finale der 6. Etappe des 109. Giro d’Italia (2.UWT) in Neapel. Während die Topsprinter um Jonathan Milan (Lidl -Trek), Paul Magnier (Soudal – Quick-Step) und Dylan Groenewegen (Unibet – Rose) bei gerade einsetzendem Nieselregen in der letzten 180-Grad-Kurve 600 Meter vor dem Ziel entweder stürzten oder aufgehalten wurden, schlüpften auf der Innenbahn nur Davide Ballerini (XDS – Astana) und Jasper Stuyven (Soudal – Quick-Step) unbeschadet durch.

Die beiden machten den Tagessieg nach 142 Kilometern unter sich aus, wobei sich der Astana-Profi im Bergaufsprint als der Stärkere erwies und den Belgier auf Rang zwei verwies. Dahinter war es Magnier, der sich am schnellsten wieder berappelt hatte und als Dritter ins Ziel kam, gefolgt vom Australier Jensen Plowright (Alpecin – Premier Tech) und dem Briten Ben Turner (Netcompany – Ineos).

"Ich habe daran gedacht, eine Etappe beim Giro zu gewinnen. Aber heute war es nicht der Plan. Unser Sprinter war Malucelli. Ich habe versucht, alles für ihn zu geben“, sagte Ballerini im Siegerinterview. Sein Teamkollege Malucelli wurde am Ende 169. und damit Tagesletzter. “Als wir in die letzte Kurve gefahren sind, habe ich gesehen, dass die ersten zwei Fahrer gestürzt sind. Ich bin auf die Zielgerade gefahren und im Radio haben sie zu mir gesagt: Go, go, go! Bis ins Ziel! Du hast eine Lücke! Ich bin losgesprintet und habe gehofft, dass die Ziellinie so schnell wie möglich kommt.“

Für den 31-Jährigen ist es der zwölfte Sieg als Profi und der wichtigste neben dem Gewinn des Omloop Niewusblad 2021. Seine gute Form hatte Ballerini in dieser Saison nach vier erfolglosen Jahren bereits mit einem Etappensieg bei der Türkei-Rundfahrt (2.Pro) unter Beweis gestellt. Den Sprint in Sofia zum Giro-Auftakt in Bulgarien – ebenfalls auf Kopfsteinpflaster – beendete er bereits als Achter.

“Ich bin sehr glücklich. Es ist sehr wichtig. Wir haben sehr hart dafür gearbeitet. Im Radsport gibt es immer irgendwelche Probleme. Wenn man nicht daran glaubt, kommt dann ein gutes Ergebnis“, sagte der erste italienische Etappensieger dieses Giro, der zugleich der zweite im Trikot des Teams XDS – Astana war: Zuvor hatte der Uruguayer Guillermo Thomas Silva das zweite Teilstück gewonnen und einen Tag das Rosa Trikot getragen.

“Ballerini hat die Chance ergriffen, er war unglaublich. Wir haben heute auch Glück gebraucht. Es ist ein unglaublicher Sart in den Giro für das Team. Wir haben nicht erwartet, bereits zwei Etappen gewonnen zu haben. Jetzt hoffen wir auf den dritten Sieg, vielleicht mit mir“, ergänzte Teamkollege Christian Scaroni gegenüber Eurosport.

Milan und Ackermann kritisieren Finale

An der Spitze des Gesamtklassements gab es derweil keine Veränderungen. Der Portugiese Afonso Eulalio (Bahrain Victorious) bleibt nach abgesehen vom Finale ereignisarmen 141 Kilometern mit Start in Paestum der Mann im Rosa Trikot und liegt 2:41 Minuten vor dem Spanier Igor Arrieta (UAE – Emirates – XRG) und Scaroni (+3:34).

Das Ciclamino-Trikot für den punktbesten Fahrer gehört weiter Magnier, er baute seinen Vorsprung aus und hat bereits doppelt so viele Zähler wie der zweitplatzierte Milan auf dem Konto. Der Italiener äußerte wie Pascal Ackermann (Jayco – AlUla) Kritik an der Streckenführung im Finale. “Ich weiß wirklich nicht, warum wir so komplizierte Ankünfte aufsuchen müssen. Ich verstehe es wirklich nicht“, sagte Milan, der noch ohne Tagessieg ist, gegenüber Eurosport. Führender in der Bergwertung ist weiterhin Diego Pablo Sevilla (Polti – VisitMalta).

Morgen wartet die erste Bergankunft der Rundfahrt auf die Fahrer. Es geht auf den Blockhaus.

So lief die 6. Etappe des Giro d’Italia:

Kurze Sprintetappe, kein Interesse an einer Ausreißergruppe. Das war das Bild auf den ersten Kilometern des Tages. Dann aber fanden sich auf einmal Luca Vergallito und Edward Planckaert (beide Alpecin – Premier Tech) eine knappe Minute vor dem Feld. In der Anfahrt auf die erste und einzige Bergwertung des Tages (4. Kat.) schlossen die Italiener Manuele Tarozzi, Martin Marcellusi (beide Bardiani - CSF - 7 Saber) und Mattia Bais (Polti - VisitMalta) zur Spitze auf.

Allerdings sorgte auch das nicht für mehr Schwung. Nachdem Bais die Bergwertung für sich entschieden hatte, war das Feld bis auf 20 Sekunden wieder ran. Dann ging die Lücke aber doch auf. Währenddessen stürzte unter anderem Nico Denz rund 100 Kilometer vor dem Ziel ausgangs eines Kreisels. Der Red-Bull-Profi wirkte benommen, setzte das Rennen aber fort. So blieb Felix Engelhardt (Jayco – AlUla), der nicht mehr an den Start ging, der einzige Ausfall des Tages.

80 Kilometer vor dem Ziel setzte kurzzeitig Regen ein. Die nassen Straßen auf den folgenden Kilometern blieben aber folgenlos. Bis zum Zwischensprint 49 Kilometer vor dem Ziel, wo Tarozzi die zwölf Punkte einsammelte und damit sein Tagesziel erreichte und seine Führung in dieser Wertung ausbaute, pendelte der Vorsprung wieder zwischen einer halben und einer Minute.

Das Streckenprofil der 6. Etappe des Giro d‘Italia | Foto: Cor Veranstalter

Danach war es dann komplett um die Motivation in der Gruppe geschehen. Trotz Bummeltempo, das deutlich unter dem langsamsten Schnitt lag, war das Feld 37 Kilometer vor dem Ziel wieder ran. Nächster Zwischenstopp: Red Bull Kilometer. Die Klassementfahrer waren 24 Kilometer vor dem Ziel jedoch nicht an den Sekunden interessiert. Und so kämpften die italienischen Teams um die Punkte. Filippo Magli (Bardiani - CSF - 7 Saber) war dort vorne.

Und dann ging es, mit langsam steigendem Tempo, in Richtung Ziel. In der Anfahrt auf die letzten Kilometer lief alles problemlos, doch in der entscheidenden 180-Grad-Kurve vor dem Ziel hatte es zu nieseln begonnen, kurz bevor das Feld sie passierte. Angefangen bei Dylan Groenewegen (Unibet – Rose Rockets) und seinem letzten Anfahrer rutschten mehrere Profis auf dem glattem Kopfsteinpflaster weg.

Auf der Innenbahn kamen dagegen nur Ballerini und Stuyven unbeschadet durch. Die beiden waren auf den letzten 600 Metern dann auch diejenigen, die den Sieg unter sich ausmachten. Der Italiener eröffnete seinen Sprint von vorne, Stuyven kam nicht mehr an ihm vorbei und musste sich mit Rang zwei begnügen.

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