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07.09.2026 | (rsn) – Nach dem ersten Grand-Tour-Etappensieg für Fahrer und Team geht Marco Brenner (Tudor) entspannt in die Schlusswoche der Vuelta a Espana 2026. Der Deutsche war auch noch am Morgen nach seinem größten Karriereerfolg obenauf. Im Gespräch mit RSN vor der 15. Etappe verriet der 24-Jährige, dass er bei seiner dritten Grand-Tour-Teilnahme seine Rolle möglicherweise gefunden haben könnte. Brenner und sein Landsmann Hannes Wilksch gehen mit der restlichen Tudor-Mannschaft ohne Druck in die Schlusswoche, schielen gleichzeitig aber auf weitere Möglichkeiten.
“Ich habe gut geschlafen. Es war ein erfolgreicher Tag, deshalb bin ich sehr entspannt ins Bett gegangen – vielleicht ein bisschen später, weil wir gestern noch angestoßen und den Moment als Team genossen haben“, blickte Brenner zurück. “Heute hatten wir auch einen entspannten Morgen, deshalb: alles bestens.“ Die Feierlichkeiten bei Tudor starteten wegen der Logistik einer Grand Tour gezwungenermaßen etwas später.
“Wir hatten gestern Abend einen langen Transfer und waren erst spät im Hotel“, erzählte sein Teamkollege Wilksch gegenüber RSN. “Dann gab es Massage und Abendessen. Aber wir sind danach noch eine Stunde zusammengesessen. Die Stimmung war natürlich super. Wir haben die Zeit genossen und genießen sie immer noch. Es war ein schöner Abend. Der erste Sieg in einer Grand Tour für das Team und für Marco – das ist einfach super.“
Der Protagonist selbst konnte seinen Erfolg inmitten der Feierlichkeiten noch nicht ganz verarbeiten. “Gestern habe ich das noch nicht ganz so realisiert, aber langsam realisiere ich, was ich da geschafft habe“, gab Brenner zu. “Ich habe jetzt einmal gewonnen, wenn ich so nach Hause fahre, passt das auch schon.“ Der Druck des ersten Etappensiegs bei einer der großen Landesrundfahrten ist bei Fahrer und Team somit weg. Dennoch macht der Erfolg Hunger auf mehr.
Marco Brenner war vor der 15. Etappe der Vuelta Espana noch bestens gelaunt von seinem Etappensieg am Tag zuvor. | Foto: Cor Vos
“Die nächste Woche sieht anfangs relativ entspannt aus“, schaute Brenner voraus nur, um sich gleich zu korrigieren. “Also entspannt wird es hier nie, aber es werden wahrscheinlich zwei Sprints, dann das Zeitfahren und dann wird es an den letzten drei Tagen vielleicht noch eine Chance geben.“ Zum Ende der Vuelta warten zwei schwere Bergetappen und auch auf dem hügeligen Rundkurs durch Granada zum Abschluss werden eher die Ausreißer als die Sprinter zum Zug kommen.
Auch Teamkollege Wilksch will in der Schlusswoche noch einmal zeigen, was er kann. “Ich fühle mich immer noch gut und hoffe, dass ich das in den nächsten Tagen noch einmal zeigen kann“, sagte er gegenüber RSN. Die sturzbedingte Aufgabe von Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) spiele dabei Teams wie Tudor in die Karten. "Movistar lässt die Gruppen meist fahren und kontrolliert oft nur für die Gesamtwertung. Sie haben nicht unbedingt Interesse daran, dabei den Etappensieg zu holen." Hinzu kommt, dass viele Fahrer müde sind, wodurch sich größere Ausreißergruppen ergeben.
Genau das ermöglichte Brenners Etappensieg. Ein Szenario, das der 24-Jährige gerne noch einmal wiederholen möchte. "Ich denke schon, dass ich in der letzten Woche noch ein, zwei Mal etwas probieren möchte." Der Plan, mit dem Deutschen Meister von 2024 auf Etappenjagd zu gehen, hat sich jedenfalls jetzt schon ausgezahlt. "Vielleicht ist das genau mein Ding. Ich denke, das werde ich zeitnah herausfinden", antwortete er auf die Frage von RSN, ob er sich auf diese Rolle denn auch in Zukunft konzentrieren werde.
"Vielleicht probiere ich auch mal aus, auf Gesamtwertung zu fahren. Aber aktuell war es die richtige Entscheidung zu sagen, wir fahren hier auf Etappensiege. Das Team wird sich überlegen, was jetzt die nächsten Schritte sind. Aber aktuell bin ich megahappy damit, wie es gerade läuft", sagte Brenner, der in seinem sechsten Jahr als Profi immer besser in Fahrt kommt.
"Das ist meine dritte Grand Tour, in meine erste bin ich mit 19 Jahren gestartet. Da feierte ich meinen 20. Geburtstag. Dann war der Giro im vergangenen Jahr", erinnerte sich der Deutsche an die Italien-Rundfahrt 2025, bei der er schwer stürzte. "Mein Gefühl sagt mir, dass man von Jahr zu Jahr robuster wird und sich besser erholt, auch hinten raus. Weil man einfach älter wird und mehr Kilometer in den Beinen hat. Gestern war ja auch schon die 14. Etappe, da hat man schon Ermüdung in den Beinen."
Hannes Wilksch fühlt sich bei seiner ersten Grand Tour auch am Ende der zweiten Woche noch gut. Der 24-Jährige hofft auf weitere Chancen in der Schlusswoche. | Foto: Cor Vos
Auch Wilksch kommt bei seiner ersten Grand-Tour-Teilnahme bisher gut mit der Erschöpfung zurecht. “Das geht tatsächlich noch ziemlich gut. Klar kommt langsam die Müdigkeit. Aber ich muss sagen, ich bin erstaunt und überrascht, wie gut ich mich noch fühle“, gestand der 24-Jährige gegenüber RSN, dessen Team ihn jedoch trotzdem langsam an die dreiwöchigen Rennen heranführen möchte. "Wir wollten erst sehen, wie ich durchkomme und wie es mir danach geht. Dann schauen wir, wie wir die restliche Saison planen."
Auf seine Ziele für die nächsten Jahre angesprochen, fühlt sich der Straußberger von seinem gleichaltrigen Teamkollegen inspiriert. "Vielleicht da, wo Marco jetzt ist. Das wäre sensationell. Aber ansonsten schauen wir von Schritt zu Schritt, wie ich mich entwickle. Es geht darum, einen guten Job für das Team zu machen, aber auch zu schauen, dass ab und zu für mich selbst was dabei rumkommt." Sollte es bei dieser Vuelta für Wilksch nicht klappen, braucht es, wie bei Brenner, möglicherweise weitere Rennkilometer. Die Spanien-Rundfahrt ist für die Schweizer Tudor-Mannschaft seit Samstag dennoch bereits ein Erfolg.
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