Auf 14. Vuelta-Etappe größter Karriereerfolg

Brenner nach Sturz und Krankheit endlich am Ziel

Von Jan Zesewitz

Foto zu dem Text "Brenner nach Sturz und Krankheit endlich am Ziel"
Marco Brenner (Tudor) - frischgebackener Grand-Tour-Etappensieger | Foto: Cor Vos

05.09.2026  |  (rsn) – Marco Brenner (Tudor) wirkte im Finale der 14. Etappe der Vuelta a Espana immer in Kontrolle. Als Bergkönig Santiago Buitrago (Bahrain Victorious) die Überbleibsel der Spitzengruppe attackierte, war es der Augsburger, der als Erster reagierte – ohne dabei über sein Limit zu gehen. An den steilsten Stellen der Sierra de la Pandera ließ er den Kolumbianer sogar ein wenig ziehen, blieb aber immer auf Tuchfühlung.

Einmal wurde es eng. An der Flamme Rouge kam eine kurze Zwischenabfahrt, die Buitrago für eine weitere Attacke nutzte. Brenner nestelte gerade am Reißverschluss seines Trikots, wurde überrascht, aber verlor nicht die Ruhe. Er setzte nach, erreichte Buitragos Hinterrad und ließ seinem Kontrahenten im Sprint keine Chance. Nach dem Gesamtsieg bei der Polen-Rundfahrt (2.UWT) war dies der größte Sieg seiner bisherigen Karriere - und diese beiden Triumphe liegen nur knapp vier Wochen auseinander.

“Man lebt für Tage wie diesen als Radsportler“, sagte er im Sieger-Interview. “Es gibt nicht viele Fahrer, die eine Grand-Tour-Etappe gewinnen. Es ist toll, diesen Sieg meinem Palmares hinzufügen zu können.“ In seinem sechsten Profijahr erreichte er dieses große Ziel bei seiner dritten Grand-Tour-Teilnahme.

Das Riesentalent ist nun gereifter Siegfahrer

Brenner erlebte nach dem Hoch in Polen keinen leichten Start in diese Vuelta. In der ersten Woche plagte ihn eine Krankheit, ein Sturz machte ihm zudem in den folgenden Tagen zu schaffen. “Ich kam hier mit großen Erwartungen an, dann wurde ich krank und stürzte. Ich musste mich schnell erholen und heute ging es sich endlich aus“, sagte der 24-Jährige auf der Pressekonferenz nach der Etappe.

Nicht nur bei dieser Vuelta scheint für Brenner endlich alles zusammenzukommen. Mit 18 wurde er zum Profi; gefeiert als großes deutsches Radsporttalent, das die Junioren-Konkurrenz stellenweise dominierte und schon seine erste Saison in der U19 als Weltranglistenerster beendete. In der WorldTour konnte er an diese Erfolge zunächst nicht anknüpfen.

Erst der Wechsel von DSM zu Tudor leitete 2024 die Wende ein. In diesem Jahr wurde er Deutscher Meister und gewann eine Etappe der Settimana Coppi e Bartali (2.1). 2025 stürzte er beim Giro d’Italia schwer – und dachte sogar ans Karriereende. Stattdessen wurde 2026 zu seinem besten Jahr. Er wurde zum Auftakt Vierter bei der Tour Down Under (2.UWT), gewann in Polen seine erste WorldTour-Rundfahrt und ist jetzt Grand-Tour-Etappensieger. Sehen wir – endlich - den Brenner, der nach den Auftritten bei den Junioren versprochen wurde?

Brenner warnt vor überzogenen Erwartungen

“Ich liebe diese Frage“, sagte er auf entsprechende RSN-Nachfrage bei der Pressekonferenz. “Ich wusste immer, dass ich gute Ergebnisse einfahren kann, wenn alles zusammenkommt. Ich werde nie von mir sagen, dass ich derjenige bin, der reihenweise WorldTour-Rennen gewinnt. Natürlich war der Sieg in Polen oder heute sehr schön, aber das ist nicht die Erwartungshaltung für die Zukunft. Ich und andere wissen jetzt, dass ich auch bei so großen Rennen gewinnen kann.“

Für den deutschen Radsport kann diese Erkenntnis ausschließlich gewinnbringend sein. Brenner sorgte nicht nur für den ersten Tudor-Tagessieg bei einer dreiwöchigen Rundfahrt, er ist auch der erste deutsche Grand-Tour-Etappensieger seit Nico Denz beim Giro 2025. Bei der Vuelta jubelte zuletzt Lennard Kämna in Jahr 2023. Das neue Selbstvertrauen Brenners ist vielleicht nur der Auftakt für weitere Erfolge.

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