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24.10.2000 -
Lille (dpa) - Radprofi Richard Virenque hat nach zweijährigem Leugnen die Einnahme von unerlaubten Mitteln zugegeben und muss nach seinem überraschenden Doping-Geständnis mit einer Sperre von sechs Monaten bis zu einem Jahr rechnen. Dem Franzosen werden im Doping- Prozess von Lille, bei dem seit Montag die Festina-Affäre des Jahres 1998 untersucht wird, Anstiftung zum Doping-Konsum und Verteilung von Doping-Mitteln vorgeworfen.
Auch der französische Ex-Weltmeister Luc Leblanc, der 1994 ebenfalls bei Festina fuhr, gestand seine Verwicklung in die Doping-Praxis.
Der nicht mehr aktive Leblanc hat nach eigenen Worten unter anderem das Blut-Doping-Mittel EPO genommen. «Ich wollte es so machen, wie die anderen», sagte Virenque vor Gericht. Der ehemalige Star-Fahrer des Teams Festina beschrieb seine damalige Situation so: «Ich war das Schaf, wenn man mich aus der Herde ausgesondert hätte, wäre ich erledigt gewesen.» Er ordnete damit Doping praktisch als allgemeine Praxis der Spitzenprofis im Radsport ein. Bisher hatte Virenque hartnäckig jede Einnahme von Doping-Mitteln geleugnet. Virenque, dessen italienischer Rennstall «Polti» zum Saisonende aufgelöst wird, sucht derzeit einen neuen Arbeitgeber.
Virenque, 1997 hinter Jan Ullrich Zweiter der Tour, drohen im Zuge des Doping-Verfahrens zwei Strafen. Neben den zivilrechtlichen Folgen seiner Vergehen müsse der 30-jährige Franzose auch «mindestens mit einer sechsmonatigen Sperre» rechnen, erklärte am Dienstag Daniel Baal, der Präsident des französischen Radsport-Verbandes FFC. Der Vize-Präsident des Weltverbandes UCI plädierte dafür, die Sperre am 1. Februar 2001 beginnen zu lassen. Am Dienstag lagen sich im Gericht Virenque und sein ehemaliger Betreuer Willy Voet, der zwei Doping- Enthüllungsbücher mit harten Vorwürfen gegen Virenque geschieben hatte, weinend in den Armen.
Leblanc sah sich nach eigenen Worten zum Doping gezwungen, als Konkurrenten, denen er immer überlegen war, plötzlich mühelos an ihm vorbeigezogen seien. «Um meine Karriere fortzusetzen, musste ich so handeln.» 1994 sei er bei der Tour de France nach eigenen Worten «völlig clean» auf Rang vier gefahren.
«Ich möchte eigentlich nichts mehr dazu sagen. Wir haben uns alle vorgenommen, dass nach 1998 ein neuer Radsport beginnen sollte, und ich habe das Gefühl, das ist geschehen», sagte am Dienstag Telekom- Teamchef Walter Godefroot.
Die lange vor Virenque geständigen, ehemaligen Festina-Fahrer Alex Zülle, Armin Meier (beide Schweiz), Laurent Brochard und Christophe Moreau (beide Frankreich) waren sieben und acht Monate gesperrt worden. Sie sind seit längerem wieder startberechtigt. Zülle fährt in der nächsten Saison als Kapitän für den neuen deutschen Rennstall «Coast».
Seit Montag wird in Lille der Doping-Skandal bei der Tour de France 1998 verhandelt. Virenque muss sich mit neun anderen Tour- Vertretern verantworten. Der Prozess dauert bis zum 10. November. Gleichzeitig findet in Italien gegen den des Dopings verdächtigten Marco Pantani, Giro- und Toursieger von 1998, ein Prozess wegen «Sportbetrugs» statt.
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