Profi-Radsport

Niederländer Kroon gewinnt 8. Etappe

14.07.2002 -

Plouay (dpa) - Drei Niederländer mit Etappensieger Karsten Kroon an der Spitze stahlen den Gastgebern am französischen Nationalfeiertag die Show. Zum Ende der ersten Tour-Woche konnte sich im Rückblick aber auch Erik Zabel mit seinem Gelben Trikot von Reims und dem Etappensieg von Alencon zu den Hauptdarstellern der vergangenen acht Tage zählen.

Genau wie der Spanier Igor Gonzalez de Galdeano, der nach 217,5 km im Ort der Rad-WM von 2000 sein Gelbes Trikot zum vierten Mal verteidigte. Der Weltranglisten-Spitzenreiter Zabel zog in Plouay zum siebten Mal das Grüne Trikot an.

Der dreifache Tour-Sieger Lance Armstrong findet sich bei der 89. Tour de France vorerst in gänzlich ungewohnter Rolle des Pechvogels wieder. Der Texaner war am Samstag in einen der beiden Massenstürze 5 km vor dem Ziel verwickelt und büßte 27 Sekunden ein. Beim Einzelzeitfahren am Montag über 52 km von Lorient nach Lanester steht er beim Kampf um sein zweites «Maillot Jaune» nach dem Prolog-Sieg in Luxemburg 34 Sekunden hinter Galdeano schon ein bisschen mit dem Rücken zur Wand. «Wenn Galdeano einen Supertag hat, mich am Montag schlägt und mit Vorsprung in die Pyrenäen geht, muss ich meine Taktik ändern», kündigte Armstrong an.

Der Weltcup-Gewinner Erik Dekker feierte in Plouay ein bemerkenswertes Comeback. Der Drittplatzierte, der einen harten Weg bis zu seinem Tour-Start zurückzulegen hatte, ebnete seinem Teamkollegen Kroon den Weg zum Sieg. Bei Mailand-San-Remo war er im März schwer gestürzt, hatte sich dabei einen Bruch im Beckenbereich zugezogen und war mehrere Monate ausgefallen. Seine Vorstellung in Plouay kam einem kleinen Wunder gleich. Der Niederländer, der 2000 drei Tour-Etappen gewonnen hatte, war Mitglied einer siebenköpfigen Ausreißergruppe, die sich nach 108 km der bisher längsten Etappe zusammengefunden hatte.

Die Flüchtlinge hatten teilweise über sechs Minuten Vorsprung und retteten davon bei der Fahrt durch die Bretagne 1:55 Minuten Sekunden ins Ziel. Dekker hatte mehrmals attackiert, war zwischenzeitlich schon scheinbar chancenlos aus der Spitzengruppe zurückgefallen, fuhr im Finale auf einer Kilometer langen Steigung aber bravourös für Kroon, der seinen Landsmann Serven Knaven im Schlussspurt auf den zweiten Platz verwies. Zabel landete im Spurt des Hauptfelds hinter Robbie McEwen (Australien) auf dem 9. Rang. «Wir hatten ziemlich früh entschieden, nicht in die Verfolgung einzusteigen. Das war heute fast so schnell wie beim Mannschaftszeitfahren. Die Franzosen fuhren wie von der Tarantel gestochen», sagte Zabel im Ziel.

Der französische Liebling Laurent Jalabert konnte seine Erfolgsserie der vergangenen Touren nicht fortsetzen und blieb am Nationalfeiertag ohne Sieg. Die Franzosen, seit einigen Jahren von ihren Fahrern nicht mehr verwöhnt, warten bei dieser 89. Auflage weiter auf ihren ersten Etappensieger. Den letzten Tour-Erfolg für die einstige Grande Nation holte Bernard Hinault vor 17 Jahren - ein Nachfolger ist weit und breit nicht in Sicht. Der 3. Platz des Nachwuchsfahrers Nicolas Fritsch bei der Tour de Suisse im Juni war das international herausragende Ergebnis der laufenden Saison aus Sicht der Franzosen.

Eines der Sturzopfer der 7. Etappe von Bagnoles-de-L`Orne nach Avranches am Samstag war neben Jalabert auch der Ahlener Rolf Aldag. Er trat am Sonntag trotz einer Rippenprellung an und hielt trotz großer Probleme durch. Vor dem Start hatte er Schmerztabletten erhalten. «Am Anfang der Etappe hatte er große Schwierigkeiten, aber als langsamer gefahren wurde, ging es. Heute war ein sehr schwieriger Tag für Rolf. Er hat ihn überstanden, und ich glaube, er kann weiter fahren», sagte Telekom-Teamchef Rudy Pevenage in Plouay.

Härter als Aldag hatte es auf der vom Australier Bradley Mc Gee gewonnenen 7. Etappe vor Avranches Doppel-Weltmeister und Etappensieger Oscar Freire (Spanien/Rückenverletzung) sowie den ehemaligen französischen Titelträger Didier Rous (Schlüsselbeinbruch) erwischt. Beide konnten am Sonntag nicht mehr antreten. Die erste Tour-Woche ist seit jeher von großer Nervosität geprägt. Enge Straßen, scharfe Kurven, hohe Geschwindigkeit auf den Flachetappen und unübersichtliche Kreisverkehre waren weitere Gründe für die Sturzserie, die am Samstag ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hatte.

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