Cofidis – ein Skandal wie 1998 bei Festina?

14.01.2004  |  Paris (dpa) - Dem Profi-Radsport droht eine neue Doping-Affäre in Festina-Ausmaßen. Nach französischen Presseberichten sind aktuelle und ehemalige Mitglieder des Radrennstalls Cofidis sowie Familienangehörige der Verdächtigten von der Polizei vorläufig festgenommen worden. Insgesamt handele es sich um fünf Personen. Bei Hausdurchsuchungen seien große Mengen von Wachstumshormonen, Steroiden und EPO gefunden worden. Das französische Festina-Team hatte 1998 die größte Doping-Affäre im Radsport ausgelöst.

Als prominentester früherer Fahrer des Teams ist der zweifache WM-Medail-lengewinner auf der Bahn, Robert Sassone (Frankreich), in die Affäre verwickelt. Cofidis hat unter anderen Zeitfahr-Weltmeister Robert Millar (Schottland) und Straßen-Weltmeister Igor Astarloa (Spanien) unter Vertrag.

Wie die französische Polizei informierte, wurden der polnische Radprofi Marek Rutkiewicz, der bis zum Vorjahr für Cofidis aktiv war, sowie dessen Landsmann Bogdan Madejak, Physiotherapeut des Rennstalls, in Paris mit Arzneimitteln und Dopingsubstanzen erwischt. Sie werden verdächtigt, einen illegalen Handel zu betreiben. Madejak, seit einigen Jahren französischer Staatsbürger, gelte laut Polizei als Kopf der Dealer.

Der Betreuer hatte sich am Dienstag den Behörden gestellt. Er war am Abend auf Geheiß der Teamleitung aus dem spanischen Cofidis-Trainingslager in Calpe/Spanien nach Paris geflogen. Vorher war Madajeks Tochter, eine Apothekerin, und Olympia-Kandidat Sassone festgenommen worden. In dessen Haus in Hyères seien geringe Mengen verbotener Mittel sichergestellt worden.

Die Behörden hätten den Schlag gegen die Dealer seit acht Monaten vorbereitet. Dabei sei das Mobiltelefon von Rutkiewicz abgehört worden. Weitere juristische Schritte seien nicht ausgeschlossen, teilten am Mittwoch die Behörden mit. In den Wohnungen von Rutkiewicz und Madajeks sollen große Mengen an Dopingmitteln gefunden worden sein, die illegal nach Frankreich eingeführt worden sind. Rutkiewicz wurde verhaftet, als er von Warschau kommend am Pariser Flughafen ankam.

Cofidis-Teamchef Alain Bondue bezeichnete die Verwicklung von Madejak, der seit der Teamgründung 1997 dabei ist und als Hauptdrahtzieher gilt, als "einen Schock". Die ergebnislose Durchsuchung des Cofidis-Hauptquartiers habe laut Bondue aber gezeigt, dass "wir als Team nichts mit organisiertem Doping zu tun haben". Trotzdem habe er zuletzt täglich zwei bis drei Stunden mit der Konzernleitung telefoniert. "Das ist eine Krise", sagte der Ex-Profi Bondue, dem der Rückzug des Sponsors droht. Das Cofidis-Trainingslager in Calpe wurde dennoch vorerst fortgesetzt. Die prominenten Team-Mitglieder wie Astarloa und Millar erklärten unisono, mit der Affäre nichts zu tun zu haben.

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