Profi-Radsport

Fall Armstrong: WADA und UCI im Clinch

Gab Verbruggen die Doping-Dokumente weiter?

15.09.2005 - (sid) - Im Zusammenhang mit den Dopingvorwürfen gegen den siebenmaligen Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong entwickelt sich der Fall mittlerweile zu einer Schlammschlacht zwischen Weltverbands-Präsident Hein Verbruggen und dem Kanadier Richard "Dick" Pound als Chef der Anti-Doping-Weltagentur WADA. Dabei werfen sich beide Seiten vor, gegen die Bestimmungen der Geheimhaltung von Namen in Dopingfällen verstoßen zu haben.

Am Donnerstag war Pounds Stellungnahme unmissverständlich. "Ja, es ist wahr. Verbruggen hat uns gesagt, dass er die sechs von Armstrong unterzeichneten Doping-Dokumente den Journalisten gezeigt und ihnen eine Kopie überlassen habe", sagte Pound auf einer Pressekonferenz in Montreal.

UCI wies Pounds Aussagen sofort zurück

Der Radsport-Weltverband UCI wies Pounds Aussagen umgehend zurück und bleibt bei einem Statement vom 9. September. Darin heisst es: "Die UCI hat keine Probleme, mit den Aussagen die Mr. Pound bereits schriftlich erhalten hat. Der fragliche Journalist kam unter falschem Vorwand mit der angeblichen Zustimmung von Armstrong zur UCI. Er hat das UCI-Gebäude mit der Kopie nur eines Dokumentes verlassen".

Die französische Sportzeitung L'Equipe hatte in einem Artikel am 23. August über sechs eingefrorene B-Proben Armstrongs von 1999 berichtet, in denen vom französischen Anti-Dopinglabor in Chatenay-Malabry das Blutdopingmittel Epo nachgewiesen worden sei. Dieser Schritt war vor sechs Jahren wissenschaftlich noch nicht möglich gewesen und wurde somit auch nicht sanktioniert.

"Sanktionen gegen Armstrong nicht möglich"

Verbruggen hatte am vergangenen Wochenende erklärt, dass er Sanktionen gegen Armstrong für "nicht möglich" halte. In einem Interview mit der französischen Tageszeitung Le Figaro sagte der Niederländer, es könnten nur Sanktionen ergriffen werden, die von der WADA vorgesehen seien. Dazu wären jedoch A- und B-Probe nötig. "Es ist nicht klug, jemanden zu verurteilen, der nie in einem ordentlichen Verfahren positiv getestet worden ist". Von Pound hatte er Aufklärung in sechs Punkten verlangt.

Dabei ging es darum, wer die nachträgliche Untersuchung und die Veröffentlichung der Resultate angeordnet hat, wie dies ohne Zustimmung des Fahrers möglich gewesen sei, warum auch die UCI nicht informiert wurde und ob die WADA den eigenen Anti-Doping-Code brach, indem sie den Schritt selbst autorisiert habe. Die UCI griff zudem Pound an, weil er Armstrong öffentlich schuldig gesprochen habe.

Armstrong, der die Vorwürfe vehement bestreitet, hatte die Stellungnahme von Verbruggen begrüßt. Dass der Texaner als eigentliche Hauptfigur der ganze Angelegenheit allmählich in den Hintergrund tritt, beklagt Sylvia Schenk. Die Ex-Präsidentin vom Bund Deutscher Radfahrer (BDR) wirft der UCI und Verbruggen im besonderen vor, "mehr Interesse an der Auffindung der undichten Stelle als an dem Dopingfall zu zeigen".

Armstrong finanziert Anti-Doping-Kampf

"Seit 1988 hat die UCI im Kampf gegen Doping sehr viel getan. Aber es ist immer ein Unterschied gewesen, sobald Armstrong darin verwickelt war. Als Unterstützung im Kampf gegen Doping hat die UCI viel Geld von Armstrong bekommen, meines Wissens 500.000 Dollar. Jetzt gibt es Spekulationen, dass es finanzielle Verbindungen zu Armstrong und zum amerikanischen Markt gibt", sagte Schenk.