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29.06.2006 - Madrid (dpa) - Nach Informationen des spanischen Radiosenders Cadena Ser tauchen die Namen von Jan Ullrich und Ivan Basso im polizeilichen Ermittlungsbericht zur Doping-Affäre auf. Der deutsche Rad-Star hatte bereits tags zuvor jegliche Verwicklung in die Affäre bestritten. «Ich beteure nochmals meine Unschuld. Ich habe damit nichts zu tun», wiederholte Ullrich, der am Vortag gesagt hatte: «Ich habe noch nie in meiner Karriere betrogen». Auch die Vorwürfe der spanischen Tageszeitung «El Pais» wies Ullrich nachdrücklich zurück: «Ich habe mit den Spekulationen einer spanischen Tageszeitung nichts zu tun. Ich habe einen Anwalt eingeschaltet.»
Auch Basso weist die Anschuldigungen zurück. «Er hat gesagt, dass er damit nichts zu tun hat», erklärte ein Sprecher seines CSC-Stalls.
Nachdem der Ermittlungsrichter Antonio Serrano die Informationssperre aufgehoben hatte, wurden 12 Fahrernamen genannt. Davon stehen neben Ullrich und Basso folgende Profis in der Starterliste der Tour: Oscar Sevilla, Francesco Mancebo, Juan-Antonio Flecha, Joseba Beloki (alle Spanien), Giovanni Lombardi (Italien) und Denis Mentschow (Russland). Die Tour-Organisation hat bisher nicht reagiert und bereitet weiter die Team-Präsentation am Abend in der Innenstadt vor.
«Wir haben nach dieser Information noch ein Mal mit Ullrich und Sevilla geredet, und sie haben uns erneut bestätigt, nicht in die Affäre verwickelt zu sein. Wir unternehmen alles, um in diese Sache Licht zu bringen», sagte T-Mobile-Kommunikationsleiter Christian Frommert. Fünf Wochen nach der Aufdeckung des Skandals haben die Ermittler die 58 angeblich verwickelten Radprofis nach Informationen der Zeitung «El País» identifiziert. In einem 500 Seiten starken Bericht der Guardia Civil würden die Sportler namentlich genannt, schrieb das Blatt. Auch die gegen sie vorliegenden Indizien seien darin aufgelistet. T-Mobile hat nach Aussage von Sprecher Stefan Wagner die Liste von der Guardia Civil angefordert.
Bassos Team-Kollege Jens Voigt (Berlin) reagierte in Straßburg, kurz bevor bekannt wurde, dass auch sein Kapitän verwickelt sei, heftig: «Zieht sie raus und werft sie auf den Scheiterhaufen. Anscheinend ist das eine größere Geschichte als der Festina-Skandal von 1998. Ich hätte nicht geglaubt, dass so eine große Sache jahrelang illegal funktioniert. Da kann was Schlimmes auf uns zukommen.»
Erik Zabel hatte am Vortag von einem drohenden «Flächenbrand, der nicht mehr zu löschen ist», gesprochen. Der Weltverband UCI verlangte inzwischen von allen Tourstartern eine Ehrenerklärung, nicht in den spanischen Doping-Skandal verwickelt zu sein. Fahrer, die diese Erklärung nicht unterschreiben, würden durch andere ersetzt. Sollten falsche Erklärungen abgegeben werden, drohen laut UCI Geldstrafen und Tour-Ausschluss.
Der Bericht der Guardia Civil solle dem spanischen Sportminister Jaime Lissavetzky übergeben werden. Unter Berufung auf den Ermittlungsbericht hatte «El País» auch Ullrich und seinen Betreuer Pevenage in Zusammenhang mit der Doping-Affäre um die Mediziner Eufemiano Fuentes und José Luis Merino Batres gebracht. Die beiden Ärzte sollen Sportler in großem Stil mit präparierten Blutkonserven und anderen verbotenen Mitteln versorgt haben.
Auch in dem nun vorbereiteten Bericht der Guardia Civil werde eine mutmaßliche Verwicklung Ullrichs erwähnt. Allerdings schließen die Ermittler laut «El País» nicht aus, dass es sich bei einem der von dem Doping-Ring benutzen Codenamen auch «um einen anderen Jan» handeln könnte.
Grünes Licht gab es unterdessen für das Team Astana-Würth: Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) wies in Lausanne den Antrag der Organisations-Leitung der 93. Tour de France ab, den Rennstall von der Rundfahrt auszuschließen. Es gebe keine offiziellen Informationen spanischer Behörden zur Verwicklung des Teams in den von spanischen Medien ausgelösten Dopingskandal, hieß es zur Begründung. Kapitän Alexander Winokurow (Kasachstan) kann seine Mannschaft somit in Straßburg beim Prolog an den Start führen.
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